Di, 23. Oktober 2018

Nach Todesflug

06.08.2018 15:55

Oldtimer-Pilot: „Das macht uns sehr nachdenklich“

Es gibt erste vage Hinweise darauf, was zum Absturz der Oldtimer-Maschine Junkers Ju-52 (auch gern „Tante Ju“ genannt) in der Schweiz geführt haben könnte. Wie berichtet (Video oben), sind dabei 20 Menschen ums Leben gekommen, darunter ein Ehepaar aus Niederösterreich und sein Sohn. krone.at sprach mit einem der jüngsten Piloten von Oldtimer-Flugzeugen über den Reiz und die Gefahren dieser faszinierenden Zeitzeugen der Technik-Geschichte.

Nikolaus Holler (27) aus Traun in Oberösterreich fliegt für Classic Wings eine russische Antonov AN-2, Baujahr 1989. Dabei handelt es sich um den größten je gebauten einmotorigen Doppeldecker. Für Rundflüge ist die Maschine mit Standort in Wiener Neustadt regelmäßig im Einsatz.

krone.at: Was ging Ihnen durch den Kopf, als sie vom Absturz der Ju-52 aus dem Baujahr 1939 erfahren haben?
Nikolaus Holler: Wir haben diese Maschine und die Crew erst vor Kurzem in Wels bei einem Flugtag getroffen, uns ausgetauscht und die Ju-52 besichtigt. Jetzt liegt die Maschine als Wrack in den Schweizer Bergen. Das macht uns sehr betroffen und nachdenklich.

Rätseln Sie über die Ursachen für den tragischen Absturz?
Es gibt viele Vermutungen, aber die Situation ist bei Oldtimer-Flugzeugen gänzlich anders. Es gibt keinen Fahrtenschreiber, keine Blackbox. Damit wird es schwierig, alles nachzuvollziehen. Jedoch sind Wartungsfehler oder technische Gebrechen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auszuschließen. Alte Maschinen werden noch penibler gewartet als neue. Wir wollen ja selbst oben bleiben.

Eine Vermutung als Ursache für den Absturz sind die Hitze und die dünnere Luft, wie sehen Sie das?
Die heiße Luft trägt nicht so gut, damit entsteht weniger Auftrieb an den Tragflächen. Dabei kann es speziell in den Bergen schwierig werden, wo es eben keine Notlandemöglichkeit gibt. Die Situation ist in keiner Weise mit einer modernen Maschine vergleichbar. Diese fliegen in einer ganz anderen Höhe, wo tiefere Temperaturen herrschen, und fliegen auch bei Weitem schneller.

Wie fliegt es sich mit einer Oldtimer-Maschine wie Ihrer Antonov AN-2, die ja bereits 1946 konstruiert wurde?
Man muss sehr viel Gefühl im Hintern haben. Es gibt keine Elektronik, keinen Autopiloten. Wichtig ist, die Maschine konzentriert zu steuern und einzuberechnen, dass jede Steuerbewegung sehr zeitverzögert umgesetzt wird. Wir fliegen vergleichsweise langsam - mit einer Reisegeschwindigkeit von rund 140 Stundenkilometern. Als Oldtimer-Pilot muss man noch so richtig fliegen können und handwerklich begabt sein.

Sie kennen den Unterschied zu den modernen Flugzeugen sehr gut, wie kamen sie zur Oldtimer-Fliegerei?
Ich hab‘ den Berufspilotenschein gemacht und bin auch ein Jahr Business-Jets geflogen, wollte das sogar hauptberuflich machen, aber das fühlte sich mit der vielen Elektronik beinahe wie ein Bürojob an. Das Fliegen mit einer alten Maschine begeistert mich total. Allerdings muss man schon einen entsprechenden Vogel haben, schließlich gibt es keine Klimaanlage, dafür fliegt man aktiv selbst und wird nicht vom Autopiloten „geflogen“.

Die Antonov AN-2 wurde bereits 1946 konstruiert und zeichnet sich, ähnlich der Junkers Ju-52, bis heute durch spezielle Langsamflug-Eigenschaften und einen unvergleichlichen Klang aus. Sie kann auf nur 400 Meter langen Pisten starten und landen:

Georg M. Hofbauer, krone.at

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