Di, 21. August 2018

Theaterkult

20.07.2018 14:45

Und ewig lockt die Buhlschaft

Kaum eine Rolle, die so klein ist, bekommt dank der Salzburger Festspiele einen Sommer lang so viel Aufmerksamkeit.

Sie ist Fluch und Segen zugleich. Sie kann als Adelung und als Abstempelung bewertet werden. Doch egal, was man von der Darstellerin der „Buhlschaft“ im „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen denkt - sie lässt keinen kalt.

Am wenigsten wahrscheinlich die Schauspielerinnen selbst. Denn klar ist es reizvoll, aber manch eine wehrte den wohl berühmtesten 40-Zeiler der Theatergeschichte bereits dankend ab. Ob man bei solch einem Rollenangebot bedingungslos Ja sagen sollte, bewertet Künstlermanager und Werbe-Experte Herbert Fechter wie folgt: „Unbedingt würde ich einer Schauspielerin dazu raten. Denn der Kultur- und Society-Marktwert ist danach um ein Vielfaches höher.“ Dieser Wert lässt sich beziffern? „Nein, es ist der mediale und nicht der pekuniäre Wert, der steigt. Der geht erst mit den Offerten, die danach folgen, in die Höhe.“

Im Sog der Aufmerksamkeit
Differenzierter sieht es Manager Mario Rossori: „Jedenfalls bedeutet die Zusage bei dieser prestigeträchtigen Rolle in keinster Weise etwas Negatives - aber ein echter Karrieresprung muss es auch nicht unbedingt sein.“

Im Sog der Aufmerksamkeit rückt meist auch das Privatleben der Darstellerinnen in den Fokus des Interesses. Nicht vielleicht, wie manche von ihnen meinen, so sehr, dass es der Mittelpunkt des heliozentrischen Weltbildes wäre.

Aber dennoch: „Wie tickt die Buhlschaft privat?“, das ist besonders bunten Blättern immer eine kesse Schlagzeile wert. Man kann sich in seinen Kokon zurückziehen oder Konter geben.

So wie Birgit Minichmayr einst: „Ach, ich nehme es mit Humor. Große Schwierigkeiten bekomme ich, wenn man versucht, meine Eltern oder meine Freunde anzurufen und nach mir auszufragen. Solche Methoden finde ich unterirdisch. Nicht weil ich Society-Geschichten verurteile, das soll jeder einfach für sich selber so halten, wie er es möchte. Als Schauspielerin gebe ich ohnehin so viel von mir preis. Ich bin schließlich mein eigenes Material.“

Sponsoren, Spontaneität und Schmerzgrenzen
In ist, wer drin ist. Hieß es zumindest in den „goldenen Society-Zeiten“, in denen „Jedermann“ Curd Jürgens oder Herbert von Karajan zu glamourösen und stets sehr elitär gehaltenen Anlässen luden - die jeweilige Buhlschaft war immer dabei.

Einer der wohl renommiertesten Fotografen Salzburgs und Kenner der Festspiele, Franz Neumayr, gibt im „Krone“-Interview einen Einblick hinter die Kulissen: „Die Empfänge sind von Sponsoren bestimmt und leider nicht mehr so spontan wie früher einst bei Karajan oder einer Fürstin Gloria von Thurn und Taxis. Im Mai wissen wir schon, was im Sommer an Veranstaltungen alles passieren wird. Ob das besser oder schlechter ist, das muss jeder selbst bewerten.“

Tatsache ist, dass jeder eine Schmerzgrenze hat, auch die Darsteller auf dem Salzburger Domplatz. Diese beginnt allerdings im Falle der Buhlschaft genau da, wo die reine Rollenkritik aufhört. Die aktuelle Buhlschaft Stefanie Reinsperger meint dazu ganz pragmatisch: „Ich kann nicht oft genug sagen; Beschreibungen über den Körper von Darstellerinnen und Darstellern haben in Kritiken nichts verloren.“

Norman Schenz, Kalman Gergely, Kronen Zeitung

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