Fr, 17. August 2018

Mehr Geld für Ärzte

20.07.2018 08:00

GKK-Millionen: Städte und Gemeinden hoffen

Wegen der Ausgabenbremse der Bundesregierung ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Dennoch herrscht in der Steiermark einhelliger Jubel über den neuen Vertrag zwischen Gebietskrankenkasse und Ärztekammer. Durch die Verbesserungen für Niedergelassene hoffen vor allem kleinere Städte und Gemeinden, die ärgsten Versorgungslücken schließen zu können. Die „Steirerkrone“ hat sich umgehört.

Noch ist nicht klar, ob Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) beim neuen GKK-Vertrag über ihr eigenes Gesetz stolpert: Wie berichtet, will Schwarz-Blau im Sommer einen Deckel für die Ausgaben der Krankenkassen beschließen. Ob das mit den um sechs Prozent höheren Ausgaben der steirischen GKK zusammenpasst, die im Herbst abgesegnet werden sollen, bleibt abzuwarten. Trotzdem jubelte Ärztekammer-Präsident Herwig Lindner zuletzt: „Wir haben klare Signale, dass niemand diesen Vertrag in Frage stellt.“

Lindners Worte in Gottes Ohr! - das sagen sich viele Steirer. Denn seit Jahren leidet besonders der ländliche Raum unter (Fach-)Ärztemangel. Selbst Städte wie Deutschlandsberg, Voitsberg, Judenburg, Knittelfeld oder Bruck können Posten oft trotz großzügiger Anreize nicht nachbesetzen.

Zwölf Millionen mehr für 570 Hausärzte
Jetzt soll es von der GKK 16 Millionen Euro mehr geben. Der Löwenanteil davon entfällt auf die 570 steirischen Hausärzte, deren Honorar-Kuchen von 127 Millionen um zehn Prozent wächst. Vier „Mille“ entfallen auf 360 Fachärzte. Die Staffelung, laut der Ärzte ab dem dritten Besuch eines Patienten im Quartal nur drei Euro verdienen, fällt weg. Zudem können sich etwa Ärzte mit Familie künftig eine Kassenstelle teilen.

„Das wird sicher einige Kollegen motivieren“, freut sich der stellvertretende Kurien-Obmann Christoph Schweighofer, der in Kapfenberg ordiniert. Er lobt den „sensationellen Honorarabschluss“ mit der GKK, der vielen Ärzten sieben bis zehn Prozent mehr bringt.

Größere Sprengel - lange Anfahrtswege
Und Schweighofer hält große Stücke auf ein weiteres Zugeständnis an Niedergelassene auf dem Land: Ab April 2019 sind ungeliebte Bereitschaftsdienste nicht mehr verpflichtend, sondern freiwillig. Um dennoch genügend Bereitschaftsdienste zusammenzubringen, werden die Ärztesprengel der Steiermark gleichzeitig zusammengelegt - von derzeit 92 auf dann nur noch 24.

Nur so könne die Versorgung gesichert werden, erklärt Schweighofer. Der aber einräumen muss, dass in den großen Gebieten mit bis zu 60.000 Einwohnern dann Anfahrtswege von bis zu eineinhalb Stunden vorkommen könnten. „Die gibt es aber jetzt auch schon, weil es den wenigen Ärzten schlicht und einfach nicht möglich ist, alle Dienste zu besetzen“, so der Fachmann.

Wenn es ums Leben geht, kommt weiterhin der Notarzt
„Außerdem gibt es gleichzeitig den Telefon-Arzt, der anhand telefonischer Angaben feststellt, ob es sich um einen lebensbedrohlichen Notfall handelt.“ In diesem Fall würde weiterhin der Notarzt eingesetzt werden, bei Bedarf mit dem Hubschrauber, erklärt Schweighofer.

Auch Bürgermeister begrüßen die Einigung
Am Standort Birkfeld erhofft man sich jedenfalls, durch den neuen GKK-Deal attraktiver für Niedergelassene zu werden. Seit April ist hier eine Internisten-Kassenstelle ausgeschrieben - ohne Erfolg. „Im Einzugsgebiet leben gut 25.000 Menschen. Die müssen derzeit alle nach Weiz oder Hartberg, wenn sie einen Internisten brauchen“, erklärt Bürgermeister Franz Derler.

Seine Gemeinde biete neuen Ärzten beim Einzug Förderungen von 10.000 Euro aufwärts. „Die ärztliche Infrastruktur muss uns das wert sein. Aber die Ärzte arbeiten lieber in der Stadt, und finanziell sind Kassenstellen uninteressant. Da ist es sehr positiv, dass es jetzt mehr Geld gibt.“

Murau: Kein Gynäkologe weit und breit
Ganz ähnliche Hoffnungen hegt der Murauer Ortschef Thomas Kalcher, der seit Anfang 2017 einen Gynäkologen sucht. Weil es auch in Judenburg keinen Kassen-Facharzt gibt, müssen die Frauen der Region nach Kärnten oder Salzburg auspendeln. Ein Zustand!

„Wir haben rechtlich keine Handhabe, können nur finanziell Anreize schaffen. Im städtischen Pflegeheim haben wir eine Hausarzt-Ordination um 350.000 Euro eingerichtet“, so Kalcher über die Summen, die Gemeinden für die Versorgung der Bürger aufwenden müssen. „Die neue Regelung mit der Gebietskrankenkasse wird uns in Zukunft sicher helfen.“

Matthias Wagner
Matthias Wagner

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