Mo, 16. Juli 2018

77% mehr Anzeigen

28.06.2018 08:11

Drogenlenker als immer größeres Problem in Wien

77 Prozent mehr Anzeigen wegen Drogenvergehen am Steuer - so lautet die durchaus erschreckende Bilanz der Wiener Polizei für das erste Quartal 2018: Beeinträchtigte Verkehrsteilnehmer nehmen auf unseren Straßen damit also zahlenmäßig drastisch zu. Die im Vorjahr angeschafften Drogen-Vortestgeräte, die seit März des Vorjahres in jeder Landespolizeidirektion der Bundesländer verfügbar ist, werden zwar verwendet - allerdings „eher sekundär“, so die Polizei. Und die Funktionalität ist offenbar auch nicht einwandfrei …

Mithilfe des besagten Geräts wird der Speichel des Verkehrsteilnehmers auf Suchtmittel überprüft und sollte dabei auf Cannabinoide, Opiate, Amphetamin, Metamphetamin, MDMA/Ecstasy und Kokain reagieren. Allerdings, so Polizeisprecher Paul Eidenberger, werde eine Cannabis-Beeinträchtigung oftmals gar nicht von dem Gerät angezeigt. „THC ist schwierig zu detektieren, weil es nur bedingt speichelgängig ist“, sagte auch Christoph Pölzl, Sprecher des Innenministeriums. Die neun Vortestgeräte seien aber „nach wie vor in Verwendung“.

Gerade in Wien, wo stets ein Amtsarzt zur Verfügung steht, „ist der Gebrauch des Drogen-Vortestgerätes eher sekundär“, so Eidenberger. Zudem werde beim Verdacht, dass der Fahrer unter einer Beeinträchtigung steht, ohnedies eine klinische Untersuchung durch einen Arzt durchgeführt, erläuterte er.

55.620 Euro für neun Testgeräte
Von März 2017 bis Ende Mai 2018 wurden österreichweit von besonders geschulten Beamten insgesamt 186 Speichelvortests durchgeführt. Die darauffolgende klinische Untersuchung verlief in 62 Fällen positiv. Im Schnitt wurden mit jedem Drogen-Vortestgerät damit knapp 1,5 Speichelproben pro Monat untersucht. Inklusive 2700 Kits mit Teströhrchen kosteten die neun Geräte übrigens 55.620 Euro. Die Exekutive setzt nun „verstärkt auf die Ausbildung der Polizisten“, um beeinträchtigte Lenker zu erkennen, sagte Pölzl - vor allem die Pupillenreaktion liefert hierbei einen guten Anhaltspunkt. Die Anschaffung neuer Drogen-Vortestgeräte sei „im Moment nicht vorgesehen“, heißt es.

„Je mehr Kontrollen, desto mehr Anzeigen“
In Wien machen Drogenlenker mittlerweile schon fast ein Drittel aller durch Suchtmittel beeinträchtigten Fahrer aus. So wurden heuer bis Ende Mai 632 Lenker nach Drogenkonsum angezeigt. Im gleichen Zeitraum gab es 1736 Anzeigen wegen Alkohols am Steuer, insgesamt 170.000 Alkovor- und Alkomattests wurden durchgeführt. Der Anteil der Drogenlenker unter allen unter verbotenen Substanzen stehenden Fahrern macht somit bereits 27 Prozent aus. Die Wiener Polizei wies aber darauf hin, dass es sich bei derartigen Anzeigen um ein Kontrolldelikt handelt. „Je mehr Kontrolle, desto mehr Anzeigen fallen an“, betonte Eidenberger.

77 Prozent Steigerung bei Drogenlenkern
Aufgrund der Erfahrungswerte und statistischen Auswertung wurde der Kontrolldruck auf Drogenlenker in der Bundeshauptstadt sukzessive erhöht. Bei den Alkohollenkern sind die Zahlen seit Jahren rückläufig. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2018 gab es hier um 8,4 Prozent weniger Anzeigen als 2017. Bei den Drogenlenkern sind die Zahlen gänzlich anders. Hier gab es von 1. Jänner bis 31. März 2017 insgesamt 212 Anzeigen - im gleichen Zeitraum 2018 waren es 376, was eine Steigerung von 77 Prozent bedeutet. Insgesamt 716 Alkohol- und Drogenlenkern wurde heuer im ersten Quartal der Führerschein abgenommen.

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