Mutiges Bekenntnis

Deutscher Profi: "Wollte mich vor 4 Wochen umbringen"

Fußball
20.11.2009 17:15
Kurz nach dem Selbstmord des deutschen Torhüters Robert Enke hat nun ein Bundesliga-Profi gestanden, dass er ebenfalls unter Depressionen leidet und sich das Leben nehmen wollte. Andreas Biermann vom Zweitligisten FC St. Pauli teilte dies am Freitag in einer Presseerklärung mit. Er wolle mit diesem öffentlichen Bekenntnis dazu beitragen, dass diese Erkrankung keine Tabuthema mehr sei.

Seit dem 13. November ist Biermann auf Anraten seiner Familie und des FC St. Pauli in stationärer Behandlung. Nach dem Suizid von Nationaltorwart Robert Enke am 10. November wird im deutschen Fußball über Depressionen diskutiert. Der Profi von Hannover 96 hatte mehrere Jahre unter der Krankheit gelitten, bevor er sich das Leben nahm.

Ausführliches Statement veröffentlicht
In seiner Erklärung geht der 29-jährige Familienvater ungewöhnlich offen auf seine Erkrankung und auch auf ein knapp verhindertes Abrutschen in eine Spielsucht ein. Hier das Dokument im Wortlaut:

"Ich, Andreas Biermann, 29 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern, bin Profifußballspieler beim FC St. Pauli und leide seit mehreren Jahren an Depressionen.

Ich versuchte mir am 20. Oktober 2009 das Leben zu nehmen!

Zeitweilig habe ich versucht im Pokerspiel jenes Glück zu finden, das mir im Profisport aufgrund meines großen Verletzungspechs immer wieder versagt geblieben ist. Dieses Ventil hätte mich fast in eine Spielabhängigkeit getrieben, die meine eigentliche Erkrankung zusätzlich noch negativ beeinflusst hätte. Dies ist zum Glück nicht geschehen.

Dank der Unterstützung meiner Familie, des FC St.Pauli - allen voran meines Trainers Holger Stanislawski -, meines Beraters Henry Hennig und meiner Ehefrau, begab ich mich am 13. November in eine stationäre Behandlung.

Meine Familie und ich möchten dies der Öffentlichkeit mitteilen, um anderen Betroffenen eventuell den Mut zu geben, sich ebenfalls zu öffnen bzw. helfen zu lassen.

Zudem möchten wir uns selbst ein Lügen- und Versteckspiel nach meiner Genesung ersparen. Wir möchten offen damit umgehen, um dazu beizutragen, dass diese Erkrankung kein Tabuthema mehr ist."

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(Bild: KMM)



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