Do, 20. September 2018

Politik lockt mit Geld

22.05.2018 06:00

Neue Rezepte gegen den Hausärzte-Mangel

Wenn es um die medizinische Versorgung auf dem Land geht, sieht es in ganz Österreich derzeit nicht allzu rosig aus. In den einzelnen Bundesländern gibt’s Initiativen dagegen.

Die Anzahl jener Ärzte, die mit den Gebietskrankenkassen einen Vertrag abgeschlossen haben, ist im Laufe der Jahre österreichweit gesunken (siehe Grafik unten). Während es 1999 noch 3961 solcher Mediziner im Land gab, waren es 2016 nur noch 3743. Wahlärzte gibt es hingegen in der Zwischenzeit deutlich mehr im Land. Vor 19 Jahren praktizierten insgesamt 1403 Wahlärzte, vor zwei Jahren waren es immerhin schon 2704 - also um satte 1301 Wahlärzte mehr.

Pensionierungswelle, unattraktive Kassenverträge, zu viel Bürokratie - das sind nur einige wenige Gründe dafür, weshalb in den meisten Bundesländern frei gewordene Landarzt-Stellen für längere Zeit unbesetzt bleiben. Die Regierung hat die Problematik erkannt. Am Dienstag will sie Maßnahmen präsentieren, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Die Rede ist dabei von besonderen Landarzt-Stipendien, die Mediziner in kleinere Gemeinden locken sollen.

Einstiegsprämien bis zu 50.000 Euro 
In Niederösterreich ist die Landespolitik bereits tätig geworden. Landeschefin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat die „Initiative Landarzt“ gestartet. Das Konzept sieht wie folgt aus: In Praxen, die lange Zeit nicht besetzt werden, springen Spitalsärzte ein. Für neue Allgemeinmediziner gibt es Einstiegsprämien bis zu 50.000 Euro. Und es gibt mehr Unterstützung bei der Vorbereitung auf das intensive Medizinstudium.

Und wie sieht es in den anderen Bundesländern aus? Die „Krone“ hat sich einen Überblick verschafft:

30 Gesundheitszentren bis zum Jahr 2025
In Wien sollen Fördergelder in Form eines Startbonus von 44.000 Euro Hausärzte in bestimmte Bezirke bringen. Auch Bonuszahlungen für längere Ordinationszeiten sollen den Beruf attraktiver machen. In Oberösterreich gibt es aktuell 51 Bewerber für 104 Praxen - Hausärzte sowie Fachärzte. Bei den Primärversorgungszentren nimmt dieses Bundesland eine Vorreiterrolle ein. Derzeit arbeiten Ärzte und viele andere Gesundheitsberufe an drei Standorten unter einem Dach und bieten auf diese Weise mehr Leistungen an. Auch in der Steiermark will man bis 2025 mit 30 regionalen Gesundheitszentren Herr der Lage werden. Mehrere Ärzte teilen sich Räume und medizinische Geräte. Das erste Zentrum wurde bereits vor rund zwei Jahren im ehemaligen Spital von Mariazell eröffnet.

Kassenstellen werden aufgestockt
Bei einer der letzten Ausschreibungen in Tirol wurden zehn praktische Ärzte und 15 Fachärzte gesucht. Nur für insgesamt sieben Kassenstellen gab es laut Ärztekammer Bewerber. Die Gebietskrankenkasse und die Ärztekammer haben im Vorjahr ein Modell ausgearbeitet, um Kassenstellen flexibler zu gestalten. So können sich mittlerweile zwei Mediziner eine Stelle teilen - was vor allem von Frauen gerne genutzt wird. In Kärnten gibt es präventiv ein „Landärzte-Paket“: Kassenstellen werden aufgestockt, für Landärzte gibt es eine Sonderunterstützung, und Beratungsleistungen werden besser abgegolten. Sieben Millionen Euro werden hierfür investiert.

Im Burgenland sieht die Situation derzeit gut aus. Von 143 Planstellen für Landärzte ist lediglich eine unbesetzt. Dennoch gibt man sich mit der Situation nicht zufrieden: Bald soll etwa die Gründung beziehungsweise Übernahme von Ordinationen kräftig gefördert werden. „Jedem Bewerber wird ein Sockelbetrag von 20.000 Euro gewährt, der sich durch Zuschläge bis auf 60.000 Euro erhöhen kann“, kündigte Landesrat Norbert Darabos (SPÖ) an.

Übergabe-Praxen haben sich sehr bewährt
Auch in Salzburg sind im Moment nur zwei Landarzt-Stellen offen. Bewährt hat sich bisher vor allem das Modell einer Übergabe-Praxis, wo junge Mediziner schrittweise in den Ordinationsbetrieb hineinwachsen können. Auch Gruppenpraxen sowie die neue Regelung des Bereitschaftsdienstes - Mediziner müssen nicht mehr rund um die Uhr erreichbar sein - machen den Beruf wieder attraktiver. In Vorarlberg wurden im Rahmen der Vertragsverhandlungen mit der Krankenkasse neue, flexible Zusammenarbeitsformen (Job-Sharing) geschaffen. Zusätzlich wurden attraktive Honoraranreize speziell für Allgemeinmedizin geschaffen.

Kronen Zeitung

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