Mo, 18. Juni 2018

Garri Kasparow:

31.03.2018 08:20

„Politiker sollen von Fußball-WM fernbleiben“

Der frühere Schach-Weltmeister Garri Kasparow lehnt einen Boykott der Fußball-WM in seinem Heimatland Russland ab, fordert aber ein Fernbleiben ausländischer Politiker. „Als Sportler bin ich prinzipiell gegen einen solch späten Boykott, der hauptsächlich Sportler und Fans bestraft“, schreibt er in einem Gastbeitrag der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ 

Er sei jedoch „für den politischen Boykott des Regimes“ und gegen dessen „feindlichen Handlungen“, zu den er auch den Giftangriff auf den britisch-russischen Ex-Spion Sergej Skripal und dessen Tochter zählt. „Verwehren wir (dem russischen Präsidenten Wladimir) Putin die Bestätigung und den Ruhm, die er so sehr begehrt, indem Regierungsvertreter der Weltmeisterschaft fernbleiben“, schreibt Kasparow. Island habe ein solches Vorgehen bereits angekündigt.

Kasparow nannte es beschämend genug für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, ihre eigene demokratische Legitimierung zu diskreditieren, indem sie Putin zu dessen Sieg bei einer Wahl gratulierte habe, die eine Farce gewesen sei. Ihm im Moskauer Fußballstadion zu schmeicheln, wäre ein „vielleicht sogar schlimmerer Affront“. Der richtige Zeitpunkt für gemeinsame Bemühungen, die Weltmeisterschaft zu verlegen, sei nach der „Invasion“ der Ukraine gewesen. „Oder nach dem Abschuss von Malaysia-Airlines-Flug 17 über der Ost-Ukraine durch die russischen Streitkräfte im Juli 2014. Oder als der Dopingskandal in Russland bekannt wurde“, schreibt Kasparow. „Aber nachdem jedes dieser Ereignisse verstrich, ohne dass etwas getan wurde, wurde es immer einfacher, weiter wegzusehen.“

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