Hart auf hart

Postler streiken - britische Wirtschaft vor dem Kollaps

Ausland
22.10.2009 18:22
Nach dem Scheitern wochenlanger Verhandlungen sind die Bediensteten der britischen Post in den Streik getreten. Zunächst legen sie ihre Arbeit für zwei Tage nieder. Die Briten steuern damit auf den wohl härtesten Arbeitskampf seit fast 25 Jahren zu. Vor allem der Wirtschaft droht der Stillstand.

Die Gewerkschaft CWU rechnete mit 120.000 Mitarbeitern, die sich dem Aufruf zur Arbeitsniederlegung bis Samstag um Mitternacht anschließen. Für die kommende Woche kündigte die Gewerkschaft bereits einen dreitägigen Streik an.

Firmen leiden - 30.000 Streikbrecher sollen Abhilfe schaffen
Bei der Zustellung gibt es bereits seit Wochen Verzögerungen. So hatte Microsoft sein neues Betriebssystem Windows 7 schon vor der offiziellen Markteinführung an Kunden verschickt, um Verzögerungen zu vermeiden. Die Post will rund 30.000 Leiharbeiter als Streikbrecher für den steigenden Bedarf in den verbleibenden zwei Monaten bis Weihnachten einsetzen. Knapp drei Viertel der 4,8 Millionen Kleinbetriebe sind nach Angaben des Mittelstandsverbands unmittelbar auf die Dienste der staatlichen Post angewiesen.

Dem Poststreik könnten sich bald andere Branchen anschließen. Bei Feuerwehr und U-Bahnen stehen Abstimmungen aus. Zuletzt hatten die Bergarbeiterstreiks 1985 solche Ausmaße angenommen.

Widerstand gegen geplanten Stellenabbau
Die Interessenvertreter der Postmitarbeiter protestieren mit dem Streik gegen die geplante Modernisierung und einen damit verbundenen Stellenabbau. Die Regierung und die Geschäftsführung der Royal Mail wollen dagegen verhindern, dass die Post im internationalen Wettbewerb noch weiter ins Hintertreffen gerät. Im Durchschnitt verliert sie jährlich zehn Prozent Marktanteil. Premierminister Gordon Brown rief beide Seiten dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. "Wenn immer mehr Kunden der Royal Mail den Rücken kehren, dann werden mehr Arbeitsplätze verloren. Insofern ist dies zwecklos."

Die Gewerkschaft kritisierte, dass die Post-Manager den Rotstift entgegen staatlicher Abkommen ansetzten, um das Unternehmen für eine Teilprivatisierung fit zu machen. Als mögliche Bieter für den 30-prozentigen Royal-Mail-Anteil wird neben der niederländischen TNT auch die Deutsche Post genannt. Die Regierung verschob den Verkauf nach dem Widerstand von Hinterbänklern in der Labour-Regierung.

Verteilzentren und Kurierdienste lahmgelegt 
Der Ausstand begann in den Verteilzentren und Kurierdiensten. Bis zu 42.000 Gewerkschaftsmitglieder waren in diesem Geschäftsbereich zum Streik aufgerufen. Am Freitag sollen ihm bis zu 78.000 Zusteller folgen. "Veränderungen und Modernisierungen sind seit Langem überfällig", sagte Postmann Mahmood Ali aus Birmingham. "Sie sollten im Sinne der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehung gemeinschaftlich eingeführt werden, aber Royal Mail will sie per Diktat aufzwingen."

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