Di, 17. Juli 2018

„Staatsfeind Nummer 1“

09.03.2018 20:47

„Meistgehasster Mann der USA“ muss ins Gefängnis

Der wegen drastischer Preiserhöhungen bei einem lebensrettenden Medikament umstrittene Pharmaunternehmer Martin Shkreli ist Medienberichten zufolge in New York zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Richterin Kiyo Matsumoto verkündete das Strafmaß am Freitag, nachdem eine Jury den auch als „meistgehassten Mann Amerikas“ bezeichneten 34-Jährigen bereits im August wegen Wertpapierbetrugs schuldig gesprochen hatte.

Bei dem Rechtsstreit in Brooklyn ging es nicht um Shkrelis Geschäfte im Pharma-Business, sondern um veruntreute Anlegergelder. Der 34-Jährige zeigte sich im Gerichtssaal reuevoll. „Geld war nie mein Beweggrund. Ich wollte meine Bedeutung und meinen Ruf vergrößern“, zitierte ihn der TV-Sender CNBC. „Ich habe noch Arbeit zu leisten. Ich bin hier wegen meiner groben, dummen, fahrlässigen Fehler beim Hedgefonds MSMB.“ Berichten zufolge kämpfte Shkreli mit den Tränen und bat die Richter um „Gnade“.

Berufung angekündigt
Shkrelis Anwalt Ben Brafman kündigte in seinem Schlussplädoyer an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Die Staatsanwaltschaft hatte im Prozess 15 Jahre Haft gefordert. Nach richterlicher Anordnung vom Montag muss Shkreli zudem knapp 7,4 Millionen Dollar (rund 6,2 Millionen Euro) zahlen und unter anderem seinen Besitz des einzigen Exemplars eines Albums der Rap-Gruppe Wu-Tang Clan aufgeben.

Im August hatte die Jury geurteilt, dass Shkreli den Wert der beiden zuvor von ihm geleiteten Hedgefonds - MSMB Capital Management und MSMB Healthcare Management - durch Aktienmanipulationen aufgebläht hatte.

„Gute Zeit, um mich zu entschuldigen“
„Dies wäre eine gute Zeit, um mich bei allen MSMB-Investoren zu entschuldigen“, sagte Shkreli am Freitag mit zittriger Stimme. „Es tut mir schrecklich leid, Ihr Vertrauen verloren zu haben. Sie haben Besseres verdient. Bitte geben Sie mir eine Chance, zu zeigen, wozu ich fähig bin.“ Shkreli sitzt seit September im Gefängnis.

Anwalt Brafman gestand ein, seinen Mandanten selbst manchmal kaum ertragen zu können. „Es gibt Zeiten, in denen ich ihn umarmen und festhalten und beruhigen will, und es gibt Zeiten, in denen ich ihn ins Gesicht boxen will“, sagte Brafman dem Finanznachrichtendienst „Bloomberg“ zufolge. Dennoch sei Shkreli aber ein „guter Mensch“, der der seine „seltsamen, unangemessenen Verhaltensweisen nicht immer kontrollieren kann“.

„Keinerlei Respekt vor dem Gesetz“
Die Staatsanwaltschaft bezeichnete Shkreli als „Mann, der Verantwortung für sein Handeln übernehmen muss“ und als jemanden, der „keinerlei Respekt vor dem Gesetz“ habe. Es sei ein Fehler, den jungen Unternehmer als missverstandenes Genie zu sehen.

Shkreli war 2015 in die Schlagzeilen geraten, als seine Firma Turing Pharmaceuticals den Preis für das Entzündungs-Medikament Daraprim - das unter anderem Aids-Patienten helfen soll - schlagartig von 13,5 auf 750 Dollar pro Pille anhob. Die Empörung über die drastische Preiserhöhung bei einem für manche Patienten überlebenswichtigen Medikament war riesig, Medien bezeichneten Shkreli teils als „meistgehassten Mann Amerikas“ und „Staatsfeind Nummer 1“.

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