12.10.2009 14:13 |

Trotz Zahlentricks

Kriminalität: Mehr Anzeigen, niedrige Aufklärungsquote

Mehr Anzeigen, steigende Aufklärungsquote: Das ist die auf den ersten Blick recht positive ausschauende Kriminalitätsstatistik für die ersten drei Quartale 2009. Doch auf den zweiten Blick sieht es bei Weitem nicht mehr so rosig aus: Ein groß angelegter Internetbetrug mit 6.100 geklärten Fakten in Wien verzerrt die Auswertung gewaltig. Die Wahrheit: mehr Fälle angezeigt, dadurch mehr geklärt - aber die Aufklärungsquote ist insgesamt nicht gestiegen.

Die offiziellen Zahlen des Bundeskriminalamtes: In den ersten neun Monaten 2009 wurden 441.767 Strafdelikte angezeigt. Das sind um 4,6 Prozent mehr Anzeigen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Weniger gab es im August und Juli im Vergleich zu den entsprechenden Monaten des Vorjahres.

Die Zahl der geklärten Fälle sei gegenüber dem Vorjahr um 7,5 Prozent gesteigert worden, dadurch lag die Aufklärungsquote bundesweit bei 39,3 Prozent, hieß im BK. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres betrug sie 38,3 Prozent. Die Steigerung sei unter anderem auf kriminalpolizeiliche Schwerpunktsetzungen, die vermehrte Ausbildung der Polizisten im Bereich der Tatortarbeit sowie auf eine verstärkte DNA-Auswertung zurückzuführen.

Die Zahlen minus der 6.100 Fakten durch den Internetbetrug würden allerdings lauten: 435.667 Anzeigen (plus 3,2 Prozent gegenüber 2008), davon 167.731 geklärt (plus 3,7 Prozent) und eine Aufklärungsquote von 38,5 Prozent. Das sind gerade einmal plus 0,2 Prozentpunkte statt dem "getricksten" einen Prozent.

Wien ohne Betrugszahlen sogar im Minus
Für die Bundeshauptstadt, der die offiziellen Zahlen unter Einrechnung des Falles ein Plus von 9,8 Prozent bei den Anzeigen, plus 14,9 Prozent bei den geklärten Fällen und plus 1,3 Prozentpunkte bei der Aufklärungsquote ausweisen, sieht es mäßig aus: Mit plus 5,9 Prozent Anzeigen, plus 1,1 Prozent Klärungen, aber minus 1,3 Prozentpunkten bei der Aufklärungsquote stünde Wien bei Herausrechnung des einen Falles wesentlich schlechter da als in den offiziellen Zahlen. In Absolutzahlen läge die bereinigte Aufklärungsquote trotz U-Bahn-Streifen, Soko Ost und anderer Schwerpunktaktionen bei 26,7 Prozent.

Eine Steigerungen der Aufklärungsquote gab es in sieben Bundesländern. Die offizielle Statistik weist nur dem Burgenland ein Minus von 0,1 Prozentpunkten auf, dazu käme bei Bereinigung der Zahlen eben noch Wien. Als positiv wertete das Bundeskriminalamt, dass die Quote in den Landeshauptstädten gestiegen ist. In St. Pölten gab es beispielsweise ein Plus von 7,3, in Innsbruck von 6,5 und in Eisenstadt von 3,5 Prozentpunkten.

Einbrüche bleiben das Sorgenkind in Wien
Die Einbrüche bleiben das Sorgenkind der Wiener Polizei bei der Kriminalitätsbekämpfung. Doch es gibt beispielsweise bei den Wohnungseinbrüchen auch Lichtblicke, wie Hannes Scherz von der kriminalpolizeilichen Abteilung am Montag sagte. Denn die Kurve wird flacher bzw. weise für die vergangenen Monate sogar nach unten. Insgesamt gab es in den ersten neun Monaten 7.250 Einbrüche in Wiener Wohnungen, im Vergleichszeitraum des Jahres 2008 waren es 6.671 oder um 8,7 Prozent weniger. Scherz zufolge geht die Steigerung vor allem auf das Konto der Monate Februar und März, in denen es um 402 bzw. 577 mehr derartige Delikte als in den entsprechenden Monaten 2008 gab. Jetzt liege man bei 579 mehr als im Vorjahr. Man habe auf diesem Gebiet einige Anstrengungen unternommen, um das Problem in den Griff zu bekommen.

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