Di, 19. Juni 2018

Drama am Attersee

01.03.2018 06:00

Kranke Frau vergiftete sich mit Quecksilber-„Kur“

Es begann als Umweltkrimi am Attersee und endete als Tragödie. Im Sommer fiel bei einer Routinekontrolle auf, dass in Lenzing der Klärschlamm mit Quecksilber kontaminiert war. Nun wurde eine Frau als Verursacherin ausgeforscht. Sie hatte sich ahnungslos mit Pulver von einer indischen Ayurveda-Kur vergiftet! Auf die Verursacherin kommen auch noch die Kosten für die Klärschlamm-Entsorgung und die Kanalreinigung zu: wahrscheinlich mehr als 100.000 Euro!

Am 3. Juli 2017 wurde der Klärschlamm des Reinhalteverbands Attersee in der Anlage in Lenzing routinemäßig kontrolliert – und eine erhöhte Quecksilberkonzentration festgestellt: 9 mg/kg statt der erlaubten 7 mg/kg. Die Bezirkshauptmannschaft ordnete die Entsorgung an, gleichzeitig begann die Landesdirektion Umwelt und Wasserwirtschaft zu ermitteln. Zuerst wurden alle Zahnärzte und Betriebe kontrolliert, doch ohne Erfolg.

Spurensuche dauerte mehrere Monate
Erst gegen Weihnachten wurde die mysteriöse Quelle ausgeforscht: Es handelte sich um eine knapp 50-jährige Frau, die in einem Mehrparteienhaus im 17 Kilometer entfernten St. Georgen im Attergau lebt. Sie hatte vor Jahren nach einer Ayurveda-Kur in einem Ashram in Indien mehr als vier Kilo „Heilpulver“ und eine Hautcreme mitgenommen, sich zu Hause damit selbst eine Salbe gemixt. Die Creme enthielt 32% Schwefel und 27% Quecksilber. Das Pulver enthielt sogar 36% Quecksilber. Die bis dahin ahnungslose Frau muss langjährig medizinisch behandelt werden. 

Anschober warnt vor „Medizin-Mitbringseln“
Landesrat Rudi Anschober warnt vor medizinischen Souvenirs aus dem Ausland: „Auch im Ausland kann ich nur empfehlen, auf Gütesiegel zu achten und sich zu informieren.“ Es gibtin Deustchland sogar Studien dazu, in denen speziell vor Schwermetall-Vergiftungen bei Aryuveda-Kuren im Ausland gewarnt wird.

Es droht eine Kostenlawine
Für die betroffene Frau kommt es nun doppelt dick. Sie hatte bereits eine schwere Krankheit hinter sich, in der Familie gab es einen tragischen Todesfall – und nun hat sie eine Quecksilbervergiftung und muss im schlechtesten Fall die Kosten für die Klärschlammentsorgung und die Kanalreinigung tragen – es soll sich um rund 100.000 Euro handeln.

Günter Minniberger von der Abteilung Umweltschutz des Landes OÖ erzählt im Interview, wie die Verursacherin bei der Entdeckung der Vergiftung reagierte.

“Krone“: Sie haben mit einem speziellen Gerät die heiße Spur entdeckt.

Günter Minniberger: Ja, mit einem tragbaren Kastl, einem Atomabsorptionsspektrometer. Der kostet 26.000 Euro, in ganz Österreich gibt es nur zwei solcher Apparate.

Krone“: Wie hat die Betroffene dann reagiert?

Minniberger: Ich hab beim Betreten der Wohnung einen indischen Schrein mit Hindufiguren und Teelichter gesehen und sie gefragt, ob sie Produkte aus Indien hat. Sie hat mir dann ihr Pulver und die Creme gezeigt. Eine Heilerin hat ihr in Indien gesagt, sie soll das Pulver anwenden, wenn es ihr schlecht geht. Sie hat gar nicht gewusst, was in dem Zeug drin ist.

“Krone“: Und als die Dame erfuhr, dass sie sich mit Quecksilber eingeschmiert hat, beim Einatmen der Dämpfe vergiftet hat?

Minniberger: Sie war extremst deprimiert und hat ärztlichen Beistand benötigt. Der Bürgermeister hat sich auch um sie gekümmert.

Christoph Gantner, Kronen Zeitung

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