08.10.2009 14:37 |

Freispruch für Arzt

Vorwurf einer Sex-Attacke auf Kollegin nicht bestätigt

Ein 60-jähriger Arzt hatte sich am Donnerstag wegen versuchter Vergewaltigung vor einem Wiener Schöffensenat zu verantworten. Er soll am 18. Juni 2008 während seines Nachtdiensts in einem Wiener Krankenhaus über eine 34 Jahre alte Assistenzärztin hergefallen sein. Der Mediziner leugnete die behauptete Sex-Attacke und wurde schließlich freigesprochen.

"Insgesamt gibt es Zweifel, die so erheblich sind, dass mit der für ein Strafverfahren nötigen Sicherheit nicht mit einem Schuldspruch vorgegangen werden konnte", begründete Richterin Sonja Höpler-Salat die Entscheidung. Zugleich betonte sie: "Ein schaler Nachgeschmack bleibt schon." Der Staatsanwalt legte Rechtsmittel ein, der Freispruch ist daher nicht rechtskräftig.

"Mädchen, beruhige dich!"
Der Arzt war 14 Jahre an dem Spital tätig, ehe er im Vorjahr fristlos entlassen wurde, nachdem der Krankenanstaltenverbund ihn bei der Staatsanwaltschaft angezeigt hatte. Eine an seiner Abteilung beschäftigte Assistenzärztin behauptete, er sei gegen 23.30 Uhr in ihr Dienstzimmer gekommen, habe sie aufs Bett geworfen, ihr das Kleid aufgerissen, sie geküsst und "Mädchen, beruhige dich!" geflüstert. Er habe erst abgelassen, als sie ihm versicherte, sie nehme nicht die Pille.

Verteidiger Manfred Ainedter glaubte dieser Schilderung kein Wort: "Wenn die an Quietscher macht, laufen doch die Leut' z'samm!" Sein Mandant ortete einen "Racheakt": Die Ärztin, mit der ihn "ein gutes, nahes, kollegiales Verhältnis" verbunden habe, habe ihn "nur oberflächlich interessiert". Sie aber habe sich ihm gleichsam angeboten, was er abgelehnt habe.

"Ich wollte nicht, und sie war sicher enttäuscht"
"Hat Sie Ihnen gefallen?", wollte die Vorsitzende wissen. "Ich bin verheiratet!", gab sich der Angeklagte entrüstet. "Ich habe mir sagen lassen, man kann trotzdem auch andere Frauen anziehend finden", bemerkte die Richterin.

Daraufhin erzählte der 60-Jährige, die Ärztin habe nur mit einem Badetuch bekleidet ihr Dienstzimmer geöffnet, als er anklopfte: "Dann habe ich sie umarmt und es ist das Tuch aufgegangen. Da habe ich gesehen, dass sie nur eine weiße Unterhose anhat." Er sei daraufhin aufgestanden und habe "Das geht zu weit!" befunden. "Ich wollte nicht, und sie war sicher enttäuscht", gab der Arzt zu Protokoll.

Dass sie daraufhin im Spital von seinem angeblichen Vergewaltigungsversuch erzählt habe, sei ein "psychologisch ganz normales Phänomen", nämlich Ausdruck ihrer Enttäuschung. Die Frau wären eine "labile Persönlichkeit" und habe "seelische Schwankungen".

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