So, 24. Juni 2018

DSV abgestürzt

04.05.2009 12:09

Leobner "Heimwerker" basteln an ihrer Zukunft

Ausgerechnet zum 80-Jahr-Jubiläum ist die "Axt" gefallen. Nach dem Finanzcrash von Mäzen Hans Linz schlitterte die Profi-GmbH in Konkurs (der Ende Mai abgeschlossen sein sollte) und DSV Leoben, seit 1956 Fixstern in der Bundesliga, muss sich in den Amateurfußball zurückziehen. In Leoben macht bereits das Gerücht die Runde, dass selbst ein Budget für die Regionalliga in Zeiten der Wirtschaftskrise nicht aufzustellen sei. (Links im Bild ist "Vorarbeiter" Thomas Stadler beim Bau der neuen Trainingsstätte.)

Die Stadionerhaltung (95.000 Euro), Nachwuchs- (60.000) und Amateurkosten (50.000) wären zu hoch - freiwilliger Rückzug in die Oberliga (wo das Amateurteam spielt) sei beschlossene Sache...

DSV-Geschäftsführer Andreas Kindlinger winkt ab ("laut Statuten ist das gar nicht möglich"), auch Präsident Edi Lieber dementiert energisch: "Oberliga ist kein Thema - wir spielen in der Regionalliga! Wir werden uns nach der Decke strecken, soviel wie möglich aus der eigenen Jugend rausholen und mit 500.000 Euro auskommen."

Den Förderungen, die hereinkommen, entsprechend (die Gemeinde gibt 140.000 Euro) wird das Team gebastelt. Als Leitwolf hätte Lieber gerne Bernd Muhr an Bord: "Er ist ein Kapitän, wie ihn sich jeder Verein wünscht." Ob Trainer Heimo Kump (Lieber: "Ein hervorragender Mann") es sich leisten kann, auf Amateurbasis beim Klub zu bleiben, oder wieder als Lehrer arbeitet, ist offen und hängt von der Perspektive ab.

Spieler legten selbst Hand an
Dass Sponsoren in der Finanzkrise nur schwer zu finden sind, ist Lieber klar: "Ich bin selbst in der Holzbranche und sehe wies den Firmen geht. In dieser Zeit Geld für den Fußball herzugeben, ist fast pervers." Aber in der Krise ziehen alle an einem Strang: Trainer Kump hat einmal pro Woche Arbeitseinsatz angeordnet. Am Dienstag legten die Spieler selbst Hand an, um ein neues Trainingsgelände herzurichten.

Der ungenutzte ESV-Platz, der zwei Kilometer vom Stadion entfernt brach liegt, wurde saniert, Rasen gesät, die Kabinen hergerichtet. Die in St. Peter und Trofaiach verstreute DSV-Jugend soll wieder in Leoben heimisch werden. Auch das Leobner Amateur-Team, das bisher in St. Peter/Fr. spielte, übersiedelt heim ins Stadion Donawitz.

"Qualität statt Quantität"
Die Jugend-Teams werden künftig von 13 auf acht reduziert: "Qualität statt Quantität", ist das Motto von Manager Kindlinger. Mit Hilfe ehemaliger Galionsfiguren wie Jürgen Hartmann soll DSV wieder zur Talentefabrik (die einen Walter Schachner und Roland Linz hervorbrachte) werden - alle Direktoren des Bezirks werden zu neuen Schulkooperationen eingeladen: "Nachwuchsspielern aus dem Umkreis von 50 Kilometern muss es künftig wieder eine Ehre sein, bei DSV Leoben spielen zu dürfen."

von Volker Silli, "Steirerkrone"

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.