Magna-Krise

Proteste gegen “freiwilligen” Gehaltsverzicht

Steiermark
27.03.2009 17:21
Obwohl die Börsenwerte der US-Autoriesen Chrysler und General Motors in den vergangenen Tagen ordentlich angezogen haben, blickt man bei Magna sorgenvoll in die Zukunft. Um den Kollaps des Grazer Werkes zu verhindern, sollen Angestellte auf einen Teil ihres Gehalts verzichten (siehe Story in der Infobox). Ein Beispiel, das in der Steiermark Schule machen könnte. Aus der Wirtschaft kommen dazu positive Signale, die Arbeiterkammer lehnt eine solche Maßnahme aber ab.

Die Verlängerung des "Mercedes-G"-Auftrags hatte zwar für eine kurzfristige Verschnaufpause gesorgt - aktuell überlagert die viel zitierte Krise aber wieder alles.

"Anschlag auf Geldtaschen"
"Die wirtschaftlich angespannte Situation angemessen überbrücken" nennt Magna-Sprecher Daniel Witzani das, was viele intern als "Anschlag auf unsere Geldtaschen" bezeichnen: Die Konzernführung - Chef Siegfried Wolf war am Donnerstagabend zu entsprechenden Gesprächen in Graz - wirbt bei rund 3.500 Mitarbeitern um einen Solidarbeitrag. Angestellte, die bis zu 50.000 Euro im Jahr verdienen, sollen auf fünf Prozent ihres Lohnes verzichten, Manager auf 20 Prozent. Wolf, der die Hälfte seiner Gage hergibt, will die finanziellen Verhandlungen in zwei Wochen abgeschlossen wissen: "Nur so können wir die Krise bewältigen." 

Hoffen auf positive Nachrichten
Im Werk hofft man jetzt jedenfalls, dass die für ein Jahr anberaumte Maßnahme nicht auch noch auf die "Hackler" ausgedehnt wird. Arbeiter-Betriebsrat Thomas Stoimaier zur "Krone": "Man hat uns versichert, dass wir nicht betroffen sind." Die Stimmung in der Belegschaft sei nicht die beste, "wir hoffen, dass wieder positive Nachrichten aus Übersee kommen". 

"Flächenbrand" befürchtet
Die jüngsten Entwicklungen beim weiß-grünen Autozulieferer nähren Gerüchte, wonach es auch in anderen steirischen Firmen zu Lohnkürzungen kommen könnte. AK-Vizepräsident Franz Gosch fürchtet einen "Flächenbrand": "Der volkswirtschaftliche Schaden wäre dann enorm!" 

Die Reaktionen im Überblick
Landeshauptmann Franz Voves: "Ich denke, dass sich die Politik in dieser Angelegenheit mit Kommentaren zurückhalten sollte. Jetzt ist primär die Gewerkschaft gefordert, zu einer Entscheidung im Sinne der Arbeitnehmer zu kommen." 

Hermann Schützenhöfer, Landeshauptmann-Stellverteter: "Die soziale Balance muss gesichert sein. Es geht darum, dass Familien ihre Existenzgrundlage nicht verlieren. Daher ist eine solche Maßnahme nur vorübergehend akzeptabel, und das auch nur, wenn die Arbeitsplätze im Werk erhalten bleiben." 

Werner Kogler, Landessprecher der Grünen: "Konzernmanager mit hohen Steuerförderungen müssen auf ein erträgliches Gehaltsmaß zurückgestuft werden. Magna-Chef Siegfried Wolf soll in der Krise nicht mehr verdienen als der Bundeskanzler. Und: Land und Bund sollen weitere Millionenförderungen an Magna einstellen!" 

Walter Rotschädl, Arbeiterkammer-Präsident: "Wir werden uns jeden einzelnen Fall sehr genau anschauen. Und sollte auch nur einer der Betroffenen, der nicht verzichtet, gekündigt werden, dann werden wir das als Motivkündigung auch anfechten." 

Franz Gosch, AK-Vizepräsident: "Wenn ein Magna-Manager mit zehn Millionen Euro Jahresgage auf die Hälfte verzichtet, hat er immer noch ein Einkommen von fünf Millionen. Das wird einigermaßen zu verschmerzen sein. Wenn aber ein kleiner Angestellter auf fünf Prozent verzichten muss, dann verliert er immerhin mehr als 1.000 Euro im Jahr!"

von Gerhard Felbinger und Gerald Schwaiger, "Steirerkrone"

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