Vor dem Start in Adelaide dämpfte Armstrong allerdings die Erwartungen. "Ich fühle mich gut, aber einen Sieg zu erwarten, wäre unrealistisch", erklärte der Superstar, der mit seinen Werten zufrieden ist. "Für einen alten Mann ist das gar nicht schlecht", sagte Armstrong, der in Australien wie ein Staatsgast empfangen worden war. Bereits die Trainingsfahrten des Texaners waren von einem eigenen Polizeiaufgebot begleitet worden.
Armstrong ist zwar ein Star, aber nicht unumstritten. Mehrfach war er mit Doping in Verbindung gebracht, aber nie gesperrt worden. "Ich bin der am meisten kontrollierte Athlet aller Zeiten", betonte Armstrong immer wieder seine Unschuld. Die Sportzeitung "L'Equipe" hatte allerdings nach seinem Rücktritt 2005 Ergebnisse von nachträglich analysierten, eingefrorenen Proben vom ersten Tour-Sieg 1999 veröffentlicht, in denen EPO-Spuren gefunden worden waren.
Für eine Verurteilung hat es nie gereicht
Für eine Verurteilung fehlten die Gegenanalysen. In Frankreich ist Armstrong dennoch nicht mehr der strahlende Held, erfährt von den Tour-Organisatoren keine Sonderbehandlung. Dem Rekordsieger ist in seinem Astana-Rennstall im Juli nicht einmal die Kapitänsrolle bei der Frankreich-Rundfahrt sicher, hat er mit Alberto Contador doch den vermutlich besten jungen Rundfahrer der Welt neben sich. Der Spanier beginnt seine Saison erst im Februar in Portugal.
Armstrongs erste Bewährungsprobe dürfte der Giro d'Italia sein, in dessen Rahmen der Ausnahmeathlet im Mai auch in Tirol (Etappenziel Mayrhofen, Etappenstart Innsbruck) zu bewundern sein wird. Geld erhält der US-Amerikaner keines für seine Auftritte. Armstrong fährt unentgeltlich für Astana, das Team seines Mentors und Freundes Johan Bruyneel. "Ich bin als Freiwilliger zurückgekommen. Es geht mir nicht um finanzielle Dinge", betonte Armstrong.
Viel Geld für den guten Zweck
Hauptmotivation sei es stattdessen, auf seine Krebsstiftung "Livestrong" aufmerksam zu machen, die seit 1997 knapp 300 Millionen Dollar (226 Millionen Euro) umgesetzt hat. Am 2. Oktober 1996 hatte Armstrong als 25-Jähriger, der drei Jahre zuvor Weltmeister war, die Diagnose Hodenkrebs erhalten. Der Radprofi nützte die 50-prozentige Überlebenschance, die ihm die Ärzte gegeben hatten. Drei Jahre und mehrere Chemotherapien später war er erstmals Tour-Sieger.
Sechs weitere Titel sollten folgen, Armstrong galt als unschlagbar - ein Nimbus, den der Texaner durch sein Comeback gefährdet. "Damit habe ich kein Problem. Ich liebe den Sport", erklärte der Vater dreier Kinder. Zudem habe er härter trainiert denn je. "Tests haben gezeigt, dass meine Fitness zu diesem Zeitpunkt besser ist als in den Jahren, in denen ich die Tour gewonnen habe", verriet Armstrong vor der Australien-Tour. "Trotzdem bin ich etwas unsicher und nervös."
Dreijährige Rennpause
Immerhin fehlen dem bekanntesten Radprofi der Gegenwart drei Jahre Rennpraxis. "Hoffentlich werde ich auf der Straße nicht zu sehr verprügelt", scherzte Armstrong vor der Tour, die mit einem nicht zur Gesamtwertung zählenden Kriterium beginnt. Seine Konkurrenten sind auch zwei Österreicher - Thomas Rohregger und Bernhard Eisel. "Etwas Besseres als sein Comeback hätte dem Radsport gar nicht passieren können", meinte Eisel.
Debüt für Rohregger
Rohregger gibt für Milram sein Debüt auf der ProTour. Der 26-jährige Tiroler hatte zuletzt zwar mit einer Verkühlung zu kämpfen gehabt, rechnet sich aber dennoch auf zwei anspruchsvollen Etappen Chancen aus. "Mein großes Ziel für heuer ist aber die Tour de France. Dort will ich stark sein", erklärte Rohregger. Es wäre seine erste Teilnahme an der Großen Schleife, der Armstrong wie kein Zweiter seinen Stempel aufgedrückt hat.
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