27.11.2008 16:26 |

Großer Erfolg

Lenzing AG bleibt in Oberösterreich

Der börsenotierte oberösterreichische Faserhersteller Lenzing wird nicht ins Ausland verkauft. Wie in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Donnerstag in Linz bekannt gegeben wurde, kauft die B&C Holding - sie ist mit 90,2 Prozent Mehrheitseigentümerin des Unternehmens - von der UniCredit die Genussrechte zurück. Sie braucht dafür Fremdmittel von 650 Millionen Euro, das Land Oberösterreich übernimmt die Haftung für 350 Millionen Euro. Der Deal soll bis Jahresende stehen.
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Die Lenzing AG ist fette Beute für Konkurrenten aus dem Ausland: Sie ist Marktführer in der Faserherstellung. Und das Lenzing-Management investiert sehr viel in die Forschung, was sich in immer wieder neuen, innovativen Produkten äußert, die für die Konkurrenz natürlich sehr schmackhaft sind.

Land garantiert 350 Millionen
Das Land Oberösterreich unterstützt die B&C-Holding, die sogenannte "Genusrechte" von der Unicredit zurückzukaufen. Die hatte nämlich aufgrund der Bankenkrise Anstalten gemacht, diese an den größten Konkurrenten, die indische Birla, zu verkaufen.

"Hinter den Kulissen ist während der letzten Tage an einer EU-konformen Lösung gearbeitet worden", sagte Landeshauptmann Josef Pühringer. Sollte die Haftung schlagend werden, erhält das Land Oberösterreich eine Sperrminorität. "Damit ist ein Verkauf ans Ausland abgewendet", so Pühringer.

Positive Reaktionen
In ersten Reaktionen sagte Oberösterreichs SPÖ-Vorsitzender Erich Haider: "Es erweist sich einmal mehr, dass in schwierigen Zeiten die öffentliche Hand eine besondere Verantwortung für die heimischen Arbeitsplätze wahrnehmen muss. Mit der Haftung im Ausmaß von bis zu 400 Millionen Euro für den Rückkauf der Anteile an der Lenzing AG durch die B & C-Holding wird sichergestellt, dass dieser wichtige oberösterreichische Leitbetrieb samt seinen Arbeitsplätzen vor einem Ausverkauf an das Ausland geschützt werden kann. Dieses Sicherungsnetz muss auch für andere OÖ-Industrieperlen zur Verfügung stehen. Denn es geht um die Arbeitsplätze der Menschen in OÖ", stellt Erich Haider, Vorsitzender der SP OÖ, zu den Landeshaftungen für die OÖ Unternehmen fest.

Er sei auch sehr froh, dass der Landtag in einem 4-Parteien-Antrag schon nächste Woche einen Gesamtrahmen im Ausmaß von 1 Milliarde Euro für die Absicherung der OÖ Leitbetriebe beschließen werde. Dafür sei es höchste Zeit, damit im Bedarfsfalle rasch auf drohende Ausverkäufe an das Ausland und feindliche Übernahmen von OÖ Leitbetrieben reagiert werden könne.

"Seit 2000 hat die SP OÖ ein Sicherungsnetz für die wichtigen OÖ-Betriebe beantragt und gefordert. Seit 4. November 2008 gibt es einen SP-Antrag im Landtag zur Lenzing AG. Ich bin sehr froh, dass nun alle Landtagsparteien der SP-Linie folgen", macht Haider klar.

FPÖ ist auch zufrieden
Ähnlich erfreut zeigte sich FPÖ-Chef Günther Steinkellner: "Es gilt, gemeinsam gegen die Absichten ausländischer Mitbewerber vorzugehen, die Genussrechte der Lenzing AG und damit indirekt auch das Wissen und die Innovationskraft der Mitarbeiter dieses Unternehmens zu übernehmen. Darum stimmt die FPÖ auch zu, dass das Land Oberösterreich die Haftung für den Rückerwerb der Genussrechte durch die B & C Holding bzw. die B & C Stiftung übernimmt", sagte der oö. FPÖ-Klubobmann Mag. Günther Steinkellner bei einer Pressekonferenz in Linz.

Steinkellner bezeichnete die Entstehungsgeschichte rund um den Verkauf dieser Genussrechte als "trauriges Beispiel einer Entwicklung, bei der die Realgeschäfte eines Unternehmens von den Finanzgeschäften entkoppelt wurden."

Jetzt müsste deshalb das Land die Genussrechte für die Stiftung sichern helfen, um den Standort dieses Unternehmens abzusichern, um den Abfluss von Wissen und Erfahrung in ein anderes Land zu verhindern.

"Die Lenzing AG ist ein Vorzeigeunternehmen für die Region und für ganz Österreich. Viele kleine und mittlere Unternehmen in der Region und deren Arbeitsplätze sind direkt und indirekt vom Erfolg dieses Betriebes abhängig", betonte Steinkellner.

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