Fr, 17. August 2018

Aktion scharf

09.10.2008 22:07

Kroatien plant Schlag gegen Mafia

Die kroatische Regierungs- und Staatsspitze wird laut einer Tageszeitung beim für Freitag einberufenen Nationalen Sicherheitsrat einen umfassenden Schlag gegen die Organisierte Kriminalität beschließen. Der Sicherheitsrat wurde von Staatspräsident Stjepan Mesic einberufen, nachdem die Tochter des Anwalts von Ex-General Vladimir Zagorec (Bild) mit Kopfschüssen regelrecht hingerichtet wurde.

Aus Regierungskreisen erfuhr die kroatische Tageszeitung "Slobodna Dalmacija", dass der Kampf gegen die Mafia ähnlich der serbischen Aktion "Sablja" (Säbel) aufgezogen werden soll. Im März 2003 wurde in Serbien kurz nach der Ermordung des Premiers Zoran Djindjic eine breit angelegte Aktion gegen die Organisierte Kriminalität durchgeführt.

Damals wurden mehr als 1.000 Verdächtige verhaftet, unter anderem die Spitze der serbischen Mafia. Damit konnte auf einen Schlag bis dahin ungeklärte Morde gelöst werden. Die serbische Polizei erstattete fast 500 Strafanzeigen. Laut der Quelle der kroatischen Zeitung wollen die obersten Staatsorgane beim Sicherheitsrat rasche Maßnahmen der Polizei, Staatsanwaltschaft und Justiz gegen die Organisierte Kriminalität einfordern.

Spekulationen um Mord an Anwaltstochter  
Die 26-jährige Rechtspraktikantin Ivana Hodak war am Montag im Zentrum der kroatischen Hauptstadt Zagreb in einem Hausflur mit Kopfschüssen regelrecht hingerichtet worden. Über Verbindungen zum "Fall Zagorec" gibt es freilich nur Spekulationen. Dessen Wiener Anwältin Elisabeth Rech hatte die Auslieferung des Ex-Generals von Wien an Zagreb mit dem Argument bekämpft, dass dieser sich dort seines Lebens nicht sicher sei.

Zagorec lebte seit dem Jahr 2000 in Österreich und hatte das kroatische Gerichtsverfahren gegen ihn als politisch motiviert bezeichnet. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, Edelsteine im Wert von fünf Millionen Dollar (3,42 Millionen Euro) veruntreut zu haben. Bei seinem ersten Auftritt vor einem Zagreber Gericht am vergangenen Freitag schwieg Zagorec. Sollte er sein Insiderwissen über die kroatische Politik der 1990er Jahre preisgeben, könnte dies hochrangigen Vertretern der seit 2003 wieder regierenden Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft (HDZ) sehr unangenehm werden.

Zagorec besitzt über 26 Millionen Euro
Während des Kroatien-Krieges (1991-95) war der frühere enge Vertraute des ersten kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman für die Beschaffung von Waffen zuständig gewesen, und umging dabei das für Ex-Jugoslawien geltende UNO-Waffenembargo. Später stieg Zagorec zum zweiten Mann im Verteidigungsministerium auf, musste diesen Posten aber nach der Abwahl der langjährigen Staatspartei HDZ im Jahr 2000 räumen. Mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 26 Millionen Euro gilt er heute als einer der reichsten Kroaten überhaupt.

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