Di, 25. September 2018

Lokalaugenschein

07.10.2008 16:29

Anrainer verärgert über Haiders "Sonderanstalt"

Zwischen Kühen und Katzen, versteckt auf der Alm liegt sie - die umstrittene "Sonderanstalt" für mutmaßlich straffällig gewordene Asylwerber auf der Kärntner Saualm. Über einen Forstweg gelangt man zu dem Gebäude im Gebiet der Ortschaft Griffen. Noch immer ist es als "Kinderheim Wölfnitz" angeschrieben. Eine lachende Diddlmaus an der Wand, verlassen wirkt der erste Blick. Doch die Anrainer sind verärgert: "Jetzt muss ich alles absperren", erzählt ein besorgter Landwirt. "Das hat Griffen nicht verdient."

Die Aussicht tief ins Jauntal versperrt eine morgendliche Nebeldecke, aber auf der Alm herrscht strahlender Sonnenschein. Aus einem der geöffneten Fenster des ehemaligen Kinderheims schallt Dancemusik von Kosheen: "Out of my way I'm running - I'm gonna catch you if I can..." Sehr passend, fast ein bisschen tragisch. Ein erster Blick in das Innere der sogenannten "Zwischenlösung" offenbart eine Flut an Mäusen - aufgemalt an den Wänden - gemeinsam mit zahlreichen anderen lustigen Wesen aus dem Tierreich.

"Chef is ok, Chefin is ok"
Im ersten Stock, von wo die Musik kommt, hört man Stimmen von Männern. Mischa (34) und Vladimir (28), der eine aus Georgien der andere aus Kasachstan, rauchen eine Zigarette und erzählen, dass sie seit einigen Tagen hier in dem Heim seien. "Der Chef is ok, die Chefin is ok", berichtet Vladimir von seinen Betreuern in der "Sonderanstalt". Seit fünf Monaten sei er in Österreich.

Mischa gefällt es hingegen nicht und er tut dies auch mit eindeutigen Worten kund: "Meine Frau ist in einer anderen Pension, hier sind alles Männer, das ist Sch...". Warum er hier sei, wisse er nicht. "Sie haben nichts gesagt, ich weiß nicht wie lange ich hierbleiben muss", so der Georgier.

Landwirt besorgt
Die Betreuer wollen keine Auskunft mehr geben, nur so viel: "Wir sind 24 Stunden am Tag hier." Die Bevölkerung rundherum scheint das nicht zu beruhigen. Landwirt Lorenz (50) und seine Ehefrau Sophie (46) arbeiten gerade etwa hundert Meter vom Heim entfernt an einem Stapel Holz. "Als die Kinder noch da waren, war das belebt", schwelgt der Landwirt in Erinnerungen. Die Kinder seien herumspaziert, heute "muss ich alles absperren, wenn da 50 von denen kommen sollen," zeigt sich Lorenz besorgt. Erfahren hätten die Einwohner davon viel zu spät: "Das hat Griffen nicht verdient."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.