"Es war im Jahre 1985 am Gasherbrum IV. Da bin ich gemeinsam mit dem Polen Voytek Kurtyka zehn Tage lang in der 3.000 Meter hohen Westwand festgesessen. Fünf Tage gab's nichts zu essen, wir haben nur Schnee und Eis gelutscht. Ich hab zehn Kilo abgenommen. Die einzige Rettung ist da eine Wetterbesserung. Energie und Nerven gehen irgendwann einmal zu Ende. Man weiß, dass man ausharren muss. Aber wie lange? Der Unterschied zwischen Leben und Tod hat bei uns am Ende nur ein paar Stunden ausgemacht."
Nur nicht den Kopf verlieren
Er weiß auch, was zur Zeit in den beiden Südtirolern vorgeht. "Das Überleben spielt sich in den Köpfen ab. Man kann zwar manchmal kurz abschalten, soll zugleich aber auch hellwach bleiben. Wenn der richtige Zeitpunkt zum Absteigen kommt, muss man ihn sofort nutzen. Wenn man dann weiter wartet, kann es zu spät sein. In dieser Höhe baut man nämlich ständig ab. Andererseits sollte man aber auch nicht kopflos handeln und das Zelt zum falschen Zeitpunkt verlassen."
Die Südtiroler wissen, dass ihr Kamerad Karl Unterkirchner unter ihnen tot in einer Gletscherspalte liegt. Schauer: "Auch das habe ich erlebt. Man quält sich mit Selbstvorwürfen, muss aber trotzdem stark bleiben. Sonst überlebt man nicht."
von Werner Kopacka, "Steirerkrone"
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