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08.12.2016 - 13:15
Foto: EPA

Michael Douglas über Sex, Stigma, zu viel Schminke

20.10.2013, 10:46
Vergessen wir Gossip und Gerüchte. Michael Douglas ist vor allem eines: ein großartiger Schauspieler. Ein Weltstar im "Krone"-Interview.

Noch vor 20 Jahren wäre es undenkbar gewesen, dass ein Hollywoodstar eine homosexuelle Rolle annimmt. Die blieben Charakterdarstellern vorbehalten. Doch für "Liberace" gewann Regisseur Steven Soderbergh nicht einen, sondern zwei Superstars. Michael Douglas ist der Entertainer, der zeit seines Lebens seine sexuellen Präferenzen geheim hielt, Matt Damon spielt seinen Lover.

In wenigen Wochen kommt Douglas auch noch mit der Komödie "Last Vegas" ins Kino. Eine gereatrische Version von "Hangover", in der er – was sonst? – einen alternden Casanova darstellt, der ein letztes wildes Wochenende mit seinen Kumpels in Las Vegas verbringt. Der 69- jährige Star spricht offen über Sexualität, Stigma und zu viel Schminke.

"Krone": Sie galten jahrzehntelang als Sexsymbol. Wie sehr mussten Sie über Ihren Schatten springen, um diese Rolle anzunehmen?
Michael Douglas: Als ich in Matt Damons Alter war, wäre so etwas nicht möglich gewesen. Aber die Zeiten haben sich geändert. Die Homosexuellenehe ist nun in vielen Staaten legal. Das ist einem langen Prozess zu verdanken, wo viele sich gegen das Stigma aufgelehnt haben. Ein Kritikpunkt an Homosexualität war immer die Promiskuität. Aber wenn jemand seinen Partner heiraten wollte, war das verboten. Das war und ist absurd.

"Krone": Wie reagiert das ältere Publikum auf Sie in dieser Rolle?
Douglas: Ich kann die Reaktionen ja gar nicht fassen! Da kommen diese kleinen, blauhaarigen alten Damen auf mich zu und erklären mir, wie sehr sie mich in diesem Film lieben. Die Mütter meiner Freunde werden nicht mal rot bei den Liebesszenen!

"Krone": Warum überrascht Sie das? Der echte Liberace hatte ja auch vor allem ältere, weibliche Fans.
Douglas: Ja, und ich habe auch kapiert, dass unsere Interpretation der Story offensichtlich die richtige war: Matt und ich beschlossen sehr früh, es einfach als Liebesgeschichte zu betrachten und es auch so zu spielen. Wir wollten nicht in die Kamera zwinkern, nicht "La Cage aux Folles" daraus machen, sondern die Menschen hinter den Figuren zeigen. Und genau das kommt auch rüber.

"Krone": Wie schafften Sie es, mit so viel Schminke und so opulenten Kostümen umzugehen?
Douglas: Ich habe mich davor gefürchtet, dass meine Rolle unter den Tonnen von Make- up, Perücken und diesen unglaublichen Verkleidungen verschwinden würde. Dass ich den Menschen darunter nur schwer zutage bringen könnte. Doch das Drehbuch und die Regie von Steven Soderbergh waren so gut, dass ich mir nach dem ersten Drehtag keine Sorgen mehr machte.

"Krone": In vielen Ihrer Filme geht es um Sexualität. Aber so etwas wie "Basic Instinct" würde heute von keinem großen Studio mehr gemacht werden, oder?
Douglas: "Liberace" auch nicht. Studios haben das jahrelang abgelehnt. In den USA war es letztendlich Kabel- TV, das das Projekt durchgezogen hat. Wenn wir nicht Kabel hätten, würde uns heute vieles entgehen. Was "Basic Instinct" betrifft, würde sich heute jedes Studio daran stoßen, dass Sharon Stones Rolle bisexuell ist.

"Krone": Sie bezeichnen "Liberace" als den Beginn Ihres dritten Aktes, Ihres letzten Lebensabschnitts. Was erwarten Sie sich von diesem letzten Akt?
Douglas: Ich teile mein Leben so ein: Bis zu "Einer flog übers Kuckucksnest" war es der erste Akt - die ganzen Jahre als TV- Schauspieler, bis ich zum Filmproduzenten wurde, was damals viel schwieriger war als heute. Und der zweite Akt waren meine Erfolge im Filmbusiness bis hin zu meiner Krebserkrankung. "Liberace" ist der Beginn des dritten Aktes für mich, weil ich während meiner gesundheitlichen Probleme nicht nur nicht wusste, ob ich überhaupt einen dritten Akt erleben würde, sondern weil ich auch nicht sicher sein konnte, dass ich je wieder ein gutes Projekt bekommen würde. Und als man mir dieses Drehbuch gab – und dann ein Jahr auf mich wartete, bis ich wieder gesund war –, da war das wie ein Geschenk.

"Krone": Hat sich Ihre Art zu arbeiten geändert?
Douglas: Ich habe bemerkt, dass ich nun jede Rolle mit viel mehr Hingabe und Ungezwungenheit angehe als früher. Ich habe viel mehr Freude an der Arbeit. Und ich liebe es, riskante und fordernde Rollen anzunehmen. Ich weiß natürlich nicht, wohin das führen wird und wie lange ich es noch machen kann, aber dann denke ich an Kirk, und der ist immerhin 96.

"Krone": Ihr Vater schreibt an seinem zehnten Roman. Wann schreiben Sie denn Ihre Memoiren?
Douglas: Wenn ich 96 bin! Nein, ich glaube, er hat sein erstes Buch mit 82 geschrieben...

"Krone": In Ihrem nächsten Film – "Last Vegas" – spielen Sie einen von vier alten Männern, die ein Junggesellenwochenende in Vegas verbringen, so eine Art "Hangover" für Alte. Stimmt es, dass keiner von Ihnen – Kevin Kline, Morgan Freeman und Robert De Niro – je mit den anderen gedreht hatte?
Douglas: Ja, ist das nicht unglaublich? Wir mussten so alt werden, bis wir das schafften.

"Krone": Wurden Sie wie im Film auch in Wirklichkeit Freunde?
Douglas: Schauspieler werden nicht Freunde auf einem Set. Aber wir hatten viel Spaß. Und je länger wir drehten, desto mehr behandelten wir einander wie im Film. Lustige Beschimpfungen inklusive.

"Krone": Haben Sie Angst vor dem Älterwerden?
Douglas: Die hat sich mit dem Überstehen meiner Krebserkrankung gelegt. Und ich habe immer meinen Vater vor Augen: Kirk hat sogar den Schlaganfall gut überstanden und ist mit 96 immer noch nicht zu bremsen. Wenn das mit den Genen also stimmt, mache ich mir noch lange keine Sorgen.

20.10.2013, 10:46
Elisabeth Sereda (aus Hollywood), Kronen Zeitung
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