Willkommen
|
Facebook Twitter Google Plus
24.08.2017 - 02:28
Er verschwieg und tarnte und pflegte ein Netzwerk: Uni-Rektor Dr. Marcic
Foto: Universität Salzburg

Kriegsverbrecher als „Vorbild“

02.03.2017, 23:30

"Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit" heißt es und so tauchte nun nach der neuerlichen Verleihung des "Marcic- Preises 2016" ein Dokument auf, das den früheren Rektor der Uni Salzburg schwer belastet. Er lobt einen wegen Kriegsverbrechen verurteilten Richter als sein großes "Vorbild."

Der Salzburger Journalist MMag. Christian Granbacher stieß bei seinen Recherchen für die Illustrierte "Echo" auf ein Vorwort von Marcic zu dessen Buch "Vom Gesetzesstaat zum Richterstaat", in dem dieser sich in "wir"- und "er"- Form blumig beschreibt (wörtlich):

Foto: SLA/Lazlo Vuray, picturedes.com/awkz, wikipedia

"Einen Menschen muss und will er besonders nennen: Dr. Bruno Nardelli, die Richtergestalt in Kroatien, die mir für mein Leben lang die Achtung vor dem Recht und die Liebe zum Richteramt eingegeben hat. Das Schicksal hatte es gefügt, dass dieser vorbildliche Richter in einer schweren Zeit ein hohes Verwaltungsamt besorgen musste und dass ich als sein erster und engster Mitarbeiter neben ihm wirken durfte. Damals habe ich erkannt, dass, wenn Not einbricht und Formen zerbrechen, der Richter es ist, auf den die ganze Verantwortung fällt, ein Ereignis, das echte Tragik birgt."

Geschrieben hat Marcic dies im Sommer 1957, zwei Jahre vor seinem Aufstieg vom Gerichtsberichterstatter zum Chefredakteur der "SN".

Was er nicht erwähnte: Nardelli war Leiter der Zivilregierung von Dalmatien während der furchtbaren Zeit des Ustascha- Terror- Regimes, wo im Konzentrationslager Jasenovac 85.000 Menschen umgebracht wurden und es eigene Lager zur Tötung von Kindern gab. Damit Marcic den Posten eines Präsidialsekretärs bekam (in einem Dossier, das der Salzburger Historiker Siegfried Göllner in einer Dokumentation veröffentlichte, wird Marcic als "Geheimdienstbeamter" bezeichnet) bedurfte es einer Intervention: Diese kam von Mladen Lorkoviæ, dem Außenminister des so genannten "Unabhängigen Staates Kroatien", der mit ausdrücklicher Duldung von Mussolini und Hitler entstanden war. Lorkoviæ wurde 1945 hingerichtet.

Marcic betreute vom Februar bis Juni 1943 das Kulturreferat des kroatischen Generalkonsulates in Wien, stand 1943 als Bürochef (offizielle Bezeichnung Geheimdienstbeamter) in Diensten des Ministers für "befreite Gebiete", Edo Bulat, war von September 1943 bis November 1944 Präsidialsekretär von Bruno Nardelli in Dalmatien, dann wirkte er als Presseattache wieder beim Generalkonsulat in Wien und flüchtete vor dem Einmarsch der Sowjets mit Angehörigen des Konsulats über St. Gilgen nach Salzburg.

Edo Bulat entkam per Schiff zum Regime von Diktator Juan Peron in Argentinien und starb 1984 in Buenos Aires.

Was im Ustascha -Staat unter dem Führer Ante Paveliæ und dem Kommandeur der Streitkräfte, Slavko Kvaternik geschah schildert Edmund Glaises von Horstenau, deutscher bevollmächtigter General am Balkan: " . . . Abscheu vor dem Geschehenen . . . alles hingemordet . . . Frauen vergewaltigt . . . Kinder getötet . . . "

Auch Paveliæ flüchtete nach Südamerika, wo er 1957 Opfer eines Attentats wurde: Genau am Gründungstag des kroatischen Staates, nämlich am 10. April wurde er von Heckenschützen in Lomas del Palomar niedergeschossen und starb zwei Jahre später an den Folgen seiner Verletzungen. Marcic war von 1963 bis zu seinem Tod beim Flugzeugabsturz in Belgien im Jahr 1971 Professor an der Universität Salzburg, in den Studienjahren 1966/67 auch Rektor.

Sein "Gaskammer"- Kommentar gegen einen jüdischen Wiener Schriftsteller hatte der Karriere nicht geschadet. Wie Marcic ein Netzwerk unterhielt, das sogar einen SS- Offizier und KZ- Chef aus Heinrich Himmlers "Ahnenerbe" zu einem Posten an der Uni verhalf, berichtet die "Krone" morgen.

Hans Peter Hasenöhrl, Kronen Zeitung

Kommentare  
Kommentare sortieren nach:
km_num_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
Antworten sortieren nach:
km_antworten_com
km_datum_formatiert_com
von km_nickname_text_com  
km_text_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_notify_status(Object({'object_id':km_object_id_com}))"); km_kmcom_js_end_com
km_kmcom_js_begin_com kmcom_add_trigger("readcomplete","kmcom_set_delete_status(Object({'object_id':km_object_id_com, 'status':km_status_com}))"); km_kmcom_js_end_com
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).
Werbung
Werbung
Angaben gem ECG und MedienGesetz: Medieninhaber, Hersteller und Herausgeber bzw. Diensteanbieter
Krone Multimedia GmbH & Co KG (FBN 189730s; HG Wien) Internetdienste; Muthgasse 2, 1190 Wien
Krone Multimedia © 2017 krone.at | Impressum