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03.12.2016 - 13:22
Foto: Krone-Grafik, APA/Helmut Fohringer

Die große Aufholjagd des grünen Professors

23.05.2016, 16:29

Nach diesem stundenlangen Wahlkrimi kann Alexander Van der Bellen endlich durchatmen: Seine Aufholjagd  war ein Riesenerfolg, die Kampagne seiner beiden Wahlkampfmanager Lothar Lockl und Martin Radjaby war professionell und sympathisch (die Drecksarbeit, sämtliche Norbert- Hofer- Sympathisanten ins Nazi- Eck zu stellen, wurde an andere willfährige Helfer und einige Social- Media- Charakterschweinderln delegiert).

Dem 72- jährigen Van der Bellen konnte somit nicht einmal die recht peinliche Aktion der ORF- Moralisten schaden, die absolut unnötig und live im allerletzten TV- Wahlduell eine "Wer lügt mehr?"- Tempelberg- Debatte vom Zaun gebrochen hatten, die Hofer erneut in die Opferrolle drängte.

Der langsam sprechende Universitätsprofessor behielt im Wahlkampf die Nerven, nur ein einziges Mal verlor er die Beherrschung: als der stellvertretende Vorsitzende der FPÖ ihn in der höchst seltsamen ATV- Konfrontation minutenlang reizen konnte. Sonst blieb "VdB" gelassen, herzlich - und sammelte damit wichtige Punkte.

Dass der Ex- Chef der Grünen jetzt klug genug ist, auf die Millionen Hofer- Wähler zuzugehen, ihnen die Hand zu reichen, darf angenommen werden: Van der Bellen muss versuchen, mit Herz und Hirn die aktuelle Spaltung unseres Landes zu verringern.

Noch eins zu Norbert Hofer: Ein schwerer Fehler in seinem Amtsverständnis dürfte ihn den Sieg gekostet haben. Viele Politikexperten hatten ihn gewarnt, andauernd über seine künftigen Möglichkeiten zur Entlassung der Regierung zu referieren - im Land wuchs aufgrund seiner Nero- und Caligula- Rhetorik eine große Skepsis, ja sogar eine gewisse Angst vor diesem Führertypus. Der Spin vom kornblumenblauen Mini- Kaiser war dann doch um einige Stimmen zu krass.

Apropos Verlierer: Dass ein FPÖ- Kandidat fast 50 Prozent der Stimmen erhält, ist für die rot- schwarze Bundesregierung das bisher größte Debakel bei einer Wahl. Ohne angetreten zu sein...

23.05.2016, 16:29
Richard Schmitt, Chefredakteur Krone Multimedia
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