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Foto: Michaela Braune / Video: krone.tv

"Pferdeflüsterer": "Gewalt ist niemals die Lösung"

03.07.2017, 17:40

Tradition trifft Modernes: Der weltberühmte Pferdetrainer Monty Roberts hat am Sonntag erstmals eine Vorführung in der Spanischen Hofreitschule in Wien abgehalten. Roberts demonstrierte an fünf Problempferden seine gewaltfreie und auf Kommunikation basierende Methode, um die Vierbeiner zu zähmen. krone.at traf den "Pferdeflüsterer" zum Interview und sprach mit ihm über die besondere Gelegenheit, in dem 452 Jahre alten Reitinstitut aufzutreten, seine enge Beziehung zum britischen Königshaus und dass sich Pferde und Menschen ähnlicher sind als viele denken ...

Seit 1565 wird die klassische Reitkunst in der Spanischen Hofreitschule in Wien gepflegt. Ende 2015 wurde sie sogar Teil des UNESCO- Weltkulturerbes. Historischer Boden also, auf dem Tradition großgeschrieben wird. Umso beachtlicher war jenes Event, das am Sonntag in der Winterreitschule stattfand. Monty Roberts (82) arbeitet nach durchaus modernen Methoden mit den ihm anvertrauten Pferden. Reitgerten sind bei ihm tabu, Schläge und Gewalt lehnt Roberts, der selbst als Kind von seinem Vater schwer misshandelt wurde, ab.

Seit er 1989 von der Queen engagiert wurde, um ihre Pferde zu trainieren, erobert Roberts mit seiner "Join- up- Methode" die Pferdewelt. Seine Bücher sind Bestseller und seine Shows zumeist ausverkauft. Manche sehen die Vermarktung seiner Ideen skeptisch und wie jeder populäre Trainer hat auch Roberts seine Kritiker. Doch der mittlerweile 82- Jährige macht weiter und bleibt seinem Credo "Gewalt ist niemals die Antwort" treu.

Dabei ist er durchaus ein bisschen Showman, wie er auch wieder am Montag bei einem Pressetermin in der Spanischen Hofreitschule zeigte. Dort kuschelte er mit Lipizzaner- Fohlen, die im Rahmen des Sommerprogramms "Piber meets Vienna" in Wien zu sehen sein werden.

Foto: Michaela Braune

krone.at: Mister Roberts, am Sonntag hatten Sie Ihre Vorführung in der Spanischen Hofreitschule. Wie war es denn?
Monty Roberts: Das war gestern ein Schlüsselerlebnis für mich, man könnte sogar sagen: der Höhepunkt in meiner Karriere. Seit ich vier Jahre alt bin, habe ich immer wieder von der Spanischen Hofreitschule gehört. Ich habe Filme darüber gesehen und auch mit Menschen gesprochen, die schon einmal hier waren. Arthur Godfrey (US- Moderator und Schauspieler, Anm.) zum Beispiel. Er hatte Pferde, die ich geritten bin, die hat er immer aus Deutschland geholt. Dabei ist er auch einmal nach Wien gefahren. Ich wollte schon immer einmal hierher, die weißen Hengste sehen.

Was denken Sie über die klassische Reitkunst?
Nun ja, ich habe manches gesehen, das mir nicht so gefallen hat, und was man auch verbessern könnte. Ich habe mir oft gedacht, vielleicht kommt einmal der Tag, an dem ich auch hier zeigen kann, wie ich arbeite. Und gestern war dieser Tag. Mein Team und ich, wir waren sehr aufgeregt.

Die Lipizzaner-Fohlen sind die Stars des Sommerprogramms "Piber meets Vienna".
Foto: Michaela Braune

Es muss aufregend sein, an so einem geschichtsträchtigen Ort aufzutreten.
Absolut. Das hier sind die heiligen Hallen der Reitkunst. Ich war einmal kurz in dem Gebäude, aber hierher eingeladen zu werden und zu arbeiten - das hätte ich nie für möglich gehalten.

Wie gefällt Ihnen Wien? Haben Sie schon etwas von der Stadt gesehen?
Ja, ich habe schon zweimal in Wien Vorführungen abgehalten, es ist eine wunderschöne Stadt. Ich liebe die Architektur, die ganze Stadt ist voller Geschichte. Ich fand es großartig, dass man die Lipizzaner während des Krieges gerettet hat, der US- General John Patton hat da ja viel dazu beigetragen.

Sie trainieren seit vielen Jahren ja auch die Pferde der Queen. Wie kam es dazu?
Damals haben zwei Journalisten in Magazinen über einen Tag der offenen Tür auf meiner Farm in Kalifornien berichtet. Die Queen hat das gelesen und mir daraufhin ihren Stallmeister Sir John Miller geschickt. Der war zuerst gar nicht begeistert und hat gemeint: "Das sind ja alles nur Tricks." Aber dann kam er doch und ich habe ihm meine Methoden gezeigt. Schließlich hat er zu mir gesagt: "Ich glaube, die Queen wird das sehen wollen." Ich bin dann nach England geflogen und war sehr nervös. Aber als ich mit dem ersten Pferd angefangen habe, war die Nervosität weg. Heute trainiere ich alle ihre jungen Pferde. Sie meinte, ich habe dort einen Job für den Rest meines Lebens. Aber naja ... Ich bin jetzt 82. (Schmunzelt.) Wer weiß, wie lange das noch ist.

Monty Roberts trainiert seit 1989 auch die Pferde von Queen Elizabeth II.
Foto: montyroberts.com

Sie haben auch ein Buch darüber geschrieben, wie sich Ihre Methode auf Menschen anwenden lässt. Können Sie das kurz erklären?
Ich habe zwei Uniabschlüsse in Verhaltensforschung, das schließt natürlich Menschen mit ein. (Lacht.) Stellen Sie sich vor, ich arbeite heute schon mehr mit Menschen als mit Pferden. Zu Hause arbeite ich mit Kriegsveteranen, die an posttraumatischem Stresssyndrom leiden, mit missbrauchten Kindern und Hilfseinrichtungen, die Menschen unterstützen, die unter häuslicher Gewalt leiden.

Das heißt, Sie helfen Pferden genauso wie Menschen?
Das Konzept ist im Prinzip das gleiche. Die Pferde müssen dir vertrauen. Sie lügen nicht für dich. Wenn sie zu dir kommen und dir folgen, dann weil sie es wirklich wollen. Wenn die Pferde dir nicht folgen, musst du etwas in dir selbst ändern, um entspannter zu werden. Die Pferde lehren uns, was wir zu tun haben. Sie sind Fluchttiere, sie zu schlagen ist furchtbar. Sie sehen dann nur noch den Schmerz und laufen davon. So ist es auch mit Menschen, die Schlimmes erlebt haben.

Lassen Sie uns etwas über den Pferdesport sprechen, der ja heutzutage sehr wettkampforientiert ist. Viele kritisieren Springreiten, Dressur oder auch andere Pferdesportarten als zu brutal und nicht mehr zeitgemäß. Man überlegte sogar vor einigen Jahren, den Pferdesport bei Olympia zu streichen. Was denken Sie darüber?
Ich bin der Meinung, dass es viele Missstände gibt, absolut. Aber ich bin nicht dafür, diese Dinge abzuschaffen, auch nicht die Fiaker in Wien zum Beispiel. Oder die Pferderennen. Oder die Springturniere. Die Pferde würden dann aussterben. Idealerweise ändert man die Dinge so, dass es für die Pferde besser wird. Und dass sie Spaß daran haben, mit den Menschen zu arbeiten. Aber auf eine faire Art und Weise! Und diese Art und Weise kann ich der Welt zeigen.

Foto: Michaela Braune

Sie haben Ihr ganzes Leben mit Pferden gearbeitet. Haben Sie das Gefühl, dass sich im Umgang mit den Tieren etwas verbessert hat?
Ja, ich finde schon, dass der Umgang mit den Pferden freundlicher geworden ist. Sie arbeiten dann auch besser und lieber für den Menschen, ganz klar. Ich sage immer, ein guter Trainer kann ein Pferd dazu bringen, so gut wie alles für einen Menschen zu machen. Aber ein großartiger Trainer kann das Pferd dazu bringen, das auch selbst leisten zu wollen. Und dann kriegt man auch großartige Leistungen!

Glauben Sie, dass Sie die Einstellung der 500 Besucher, die sich am Sonntag Ihre Vorführung angesehen haben, verändert haben?
Nein, ich glaube dass das vielleicht zehn oder 20 waren. Aber ich würde mir natürlich 100 Prozent wünschen. Und ich nehme, was ich kriegen kann. Stellen Sie sich vor - diese zehn oder 20 kommen mit ihren Pferden weiter und dann sehen das andere Menschen. Die fragen sich dann vielleicht, warum diese Personen mit ihren Pferden erfolgreich sind. Und dann verändert sich etwas. Es ist ein langsamer Prozess, zu langsam für mich. Aber es tut sich etwas.

Zur Person:

Monty Roberts wurde 1935 in Salinas, Kalifornien geboren. Seine Eltern betrieben eine Reitschule, Roberts wuchs mit den damals gebräuchlichen, brutalen Trainingsmethoden auf. In seinem ersten Buch "Der mit den Pferden spricht" erzählt er von den Misshandlungen durch seinen Vater, der nicht nur die Pferde, sondern auch Monty und seinen Bruder regelmäßig verprügelte. In jungen Jahren war Roberts als Stuntreiter in Hollywoodfilmen tätig und ritt erfolgreich Rodeos. Später überzeugte er als Trainer berühmter Rennpferde, Gastdozent an Universitäten und Bestsellerautor. Roberts ist verheiratet und lebt mit seiner Frau Pat auf seiner Farm in Kalifornien. Neben drei eigenen Kindern zog das Paar auch zahlreiche Pflegekinder groß.

Redakteurin
Michaela Braune
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