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10.12.2016 - 02:59
Foto: APA/EPA/VALDRIN XHEMAJ, Jürgen Radspieler

Grazer Bürgermeister: "Habe in die Hölle geblickt"

22.06.2015, 00:04
Der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl im Interview mit der "Steirerkrone": Er entkam dem Amoklenker, der am Samstag in der Landeshauptstadt drei Menschen tötete und 34 teils lebensgefährlich verletzte, nur um Haaresbreite. Der Zustand dreier Schwerverletzter ist nach wie vor kritisch. Für Nagl gibt es nun ein Graz vor dem 20. Juni 2015 und eines danach. Für die vielen Opfer wird ein Hilfsfonds eingerichtet.

"Krone": Wie geht es Ihnen heute, einen Tag nach der Wahnsinnstat ? Sie wären ja selbst beinahe Opfer geworden.
Siegfried Nagl: Ich habe in die Hölle geblickt am Samstag. Das ist ein Albtraum.

"Krone": Graz steht unter Schock. Die Menschen sind traurig, zornig. Viele fühlen sich hilflos. Was kann man tun? Man kann sich kaum vorstellen, dass demnächst wieder die Normalität einkehren soll bzw. kann.
Nagl: Es gibt ein Graz vor dem 20. Juni 2015 und es gibt eines danach. Was am Samstag Menschen hier erlebt und gesehen haben, das wird sie ihr Leben lang begleiten, auch mich. Es wird verblassen, aber niemals weggehen. Wenn du das Böse so nah gesehen hast, dann wirst du aber verstärkt in deinem Leben das Gute suchen. Was ich an Solidarität erlebt habe in dieser Stadt, so viele junge Menschen auch, die geholfen haben. Mit Menschlichkeit wurde eine Spur der Unmenschlichkeit gefüllt. Das gibt mir viel Zuversicht.

"Krone": Einige haben Angst davor, dass es sich vielleicht doch um einen Terroristen gehandelt hat, der auf eigene Faust operiert hat. Können Sie diese Menschen beruhigen?
Nagl: Ich kann gar nichts ausschließen. Die Polizei hat klar gesagt, dass sie religiöse Motivation ausschließt.

"Krone": Gibt es bei dem Täter einen auffälligen, hinterfragenswerten, islamistischen Hintergrund? Er soll jedenfalls in letzter Zeit oft in die Moschee gegangen sein und seine Frau gezwungen haben, ein Kopftuch zu tragen.
Nagl: Das weiß ich nicht. Es waren auch Muslime betroffen von diesem Irrsinn. Ich bin neben Opfern gekniet, hatte ihr Blut überall. Ich sehe den Menschen, nicht die Religion. Das Thema Asyl und Ausländer ruft Besorgnis hervor und Ängste. Es gibt Handlungsbedarf. Wir in der Politik und in der Gesellschaft stehen angesichts der aktuellen Flüchtlingsströme vor einer gewaltigen Herausforderung. Wir alle sind gefordert, nicht nur die Politik.

"Krone": Und wie?
Nagl: Die richtigen Instrumente und Rezepte liegen nicht in der Schublade. Aber so eine Tat, wie die vom Samstag, darf man nicht mit diesem Thema vermischen. Das ist unverantwortlich. Es ist menschlich, dass man nach Schuldigen sucht. Wir haben einen Schuldigen. Und der ist verhaftet. Im Moment haben wir einen Einzeltäter.

"Krone": Der Täter war ein amtsbekannter Gewalttäter. Haben hier Ihrer Meinung nach die Mechanismen versagt?
Nagl: Ich weiß nur von einer Wegweisung. Da muss es Gewalt gegeben haben. Wir machen weggewiesenen Männern künftig ein Hilfsangebot, geben Informationen, an wen sie sich nach einer Wegweisung wenden können.

"Krone": Wie geht es jetzt weiter? Was sind, was können die nächsten Schritte sein?
Nagl: Wir richten für die Betroffenen einen Hilfsfonds ein. Für Spitalskosten, Pflegekosten, Begräbniskosten. Die GRAWE (Grazer Wechselseitige Versicherung, Anm.) macht mit, das Land Steiermark auch.

"Krone": Wie sehen die Details zum Hilfsfonds aus?
Nagl: Die arbeiten wir gerade aus. Es wird ab Montag auch ein Spendenkonto geben. Viele Menschen haben sich gemeldet, um zu spenden. Die Nummer geben wir noch bekannt. Wir gehen in die Kindergärten und Schulen, um das Geschehene mit den Kindern aufzuarbeiten. Das Kriseninterventionsteam ist ab Montag zwischen 8 und 20 Uhr für jeden im Grazer Rathaus greifbar. Das Team geht auch auf die Geschäftsleute zu. Wir sagen für die nächste Zeit alle Veranstaltungen in der Innenstadt ab. Und lassen Sie mich bitte noch all unseren fantastischen Einsatzkräften danken!

22.06.2015, 00:04
Gerald Richter, Kronen Zeitung/kal
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