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10.12.2016 - 16:03
Foto: Red Bull Stratos / EPA / picturedesk.com , APA/HARALD SCHNEIDER

Baumgartner: "Liebe Österreich und seine Menschen"

06.03.2015, 19:35
Sein Interview mit der Schweizer Zeitung "Blick", in dem er auch den Wunsch äußerte, Schweizer werden zu wollen, sorgte in seiner Heimat Österreich für teils heftige Reaktionen. Jetzt hat All-Springer Felix Baumgartner auf die Kritik reagiert und in einer Stellungnahme erklärt, er liebe und respektiere "Österreich und seine Menschen, und ich habe diesem Land viel zu verdanken - der österreichischen Politik allerdings sehr wenig". Zudem wehrte sich der 45-Jährige gegen Anschuldigungen, er sei aus Steuergründen in die Schweiz gezogen.

In einer Stellungnahme wies Baumgartner am Freitag den Vorwurf der Steuerflucht zurück, der "aus Teilen der österreichischen Bevölkerung und natürlich von manchen Journalisten erhoben" werde. Der 45- Jährige übte in dem umfangreichen Schreiben an die APA heftige Kritik an der Vorgangsweise der österreichischen Finanzbehörden im Umgang mit ihm.

Streit mit Österreichs Finanz um Sportlererlass

Hintergrund des Verfahrens ist der sogenannte Sportlererlass aus dem Jahr 2000, wonach heimische Profisportler - selbstständig tätige Sportler, wie es im Gesetzestext heißt - pauschal ein Drittel ihrer Einkünfte an Preisgeldern und Werbeeinnahmen versteuern müssen. Dies umfasst auch im Ausland erworbene Einkünfte.

Baumgartner verteidigte zunächst den unter anderem vom Finanzexperten Werner Doralt heftig bekämpften Erlass, mit den Argumenten, dass Profisportler nur eine begrenzte Zeit zu verdienen hätten und dass der Erlass die Steuerflucht heimischer Sportler aus Österreich verhindere.

Danach legte er umfassend den eigenen Fall dar: "Ich bin seit 1997 Profi Sportler und wurde durch meine damalige Steuerberaterin auch dementsprechend im Sportlererlass veranlagt", betonte der Stratosphären- Springer. Eine schriftliche Bestätigung seitens der Finanzbehörde gebe es nicht, auch eine einsehbare Liste, wer bei den Finanzbehörden als Sportler geführt werde, gebe es nicht.

"Plötzlich der Meinung, dass ich kein Sportler sei"

"Als ich dann 2008 eine Steuerprüfung hatte, wurde mir die steuerliche Begünstigung aberkannt. Und das, obwohl ich seit Jahren jedes Jahr meine Steuererklärungen beim Finanzamt eingereicht habe", so Baumgartner weiter. "Die Finanz war plötzlich der Meinung, dass ich kein Sportler sei, und forderte für acht Jahre rückwirkend die Steuern zurück."

Verschiedene Institutionen hätten sich ausführlich mit seinem Fall beschäftigt. Baumgartner führte Franz Karl Leitgeb, Vorsitzender der Bundessport Organisation/Abteilung Rechtskommission, an, der "in einem ausführlichen Gutachten von 30. Mai 2008 eindeutig meinen Status als Sportler bestätigte".

"Österreichische Finanz kappte alle meine Lebensadern"

"Das alles interessierte die Finanz nicht und wurde dementsprechend abgelehnt", kritisierte der Salzburger. "Danach überschlugen sich die Ereignisse. In den Jahren danach reicht die Palette von Kontensperrungen, Blockieren von Sponsoren- Zahlungen bis hin zur Hausenteignung. Die österreichische Finanz kappte alle meine Lebensadern."

Er habe gegen die seitens der Finanz ausgestellten Bescheide Berufung eingelegt und "warte seit Jahren auf ein Verfahren beim zuständigen Finanzsenat". Die Steuern habe er rückwirkend für die Jahre, in denen er im Sportlererlass gewesen sei, zur Gänze beglichen, "obwohl zahlreiche Gutachten das Gegenteil ergaben", betonte Baumgartner. Der Sportlererlass stehe ihm jedenfalls zu.

Rechtssicherheit "wurde mir in meiner Heimat Österreich leider verwehrt. Aus diesem Grund bin ich in die Schweiz gezogen und nicht, um Steuern zu sparen", beteuerte er. Wäre Steuerschonung sein Ziel gewesen, wäre er schon vor vielen Jahren dort hingegangen. Er liebe und respektiere "Österreich und seine Menschen und habe diesem Land viel zu verdanken - der österreichischen Politik allerdings sehr wenig".

"Eines Tages werde ich vielleicht auch Schweizer"

Baumgartner weiter: "Wenn ein System, das einem schadet, nicht geändert werden kann, dann ist es manchmal klüger, sich dem System zu entziehen. Deshalb lebe ich jetzt in der Schweiz und eines Tages werde ich vielleicht auch Schweizer."

06.03.2015, 19:35
AG/red
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