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05.12.2016 - 21:16
Foto: APA/HERBERT PFARRHOFER / Video: APA

20 Jahre Haft für Attacke auf 17- jährigen Sohn

22.11.2016, 20:38

"Ich war sehr zornig und verzweifelt" - mit diesen Worten hat ein 59- jähriger Mann am Dienstag im Wiener Landesgericht zu erklären versucht, weshalb er seinen 17 Jahre alten Sohn mit brühend heißem Wasser übergoss und anschließend mit einem Küchenmesser attackierte. "Ich wollte ihm nicht großen Schaden zufügen. Aber ich hab nicht Anatomie studiert", stellte der Angeklagte fest. Er wurde wegen versuchten Mordes zu 20 Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Verteidiger Rudolf Mayer meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an.

Zu dem blutigen Drama kam es am 8. Mai in einer Reihenhaussiedlung in Floridsdorf, wo der gebürtige Ägypter mit seiner Ehefrau, zwei Töchtern und dem Sohn jahrelang ein unauffälliges Leben geführt hatte. Dann ließ sich die Frau jedoch scheiden. Im Zuge der Trennung wurde festgelegt, dass sie dort mit den Kindern wohnen bleiben durfte und der Mann sich eine neue Bleibe suchen musste.

Angeklagter fühlte sich betrogen

Das dürfte der Mann, ein Akademiker, der vor 33 Jahren nach Österreich gekommen war, um "in einem friedlichen Land zu leben", nicht verwunden haben. Die Frau habe ihn überlistet und erwirkt, dass er "obdachlos" wurde, beklagte er. "Mir wurde das Haus unter Betrug genommen", rief der Angeklagte im großen Schwurgerichtssaal. Nachdem er sich, um seinen Kummer zu ertränken, am 7. Mai in einem Lokal dem Alkohol hingegeben hatte, ließen sich Mutter und Tochter erweichen und erlaubten ihm, ausnahmsweise in der einst ehelichen Wohnung zu übernachten. Da die Frauen aber Schwierigkeiten befürchteten, fassten sie den Entschluss, die Nacht bei Bekannten zu verbringen. Einzig der 17- jährige Sohn blieb in der Wohnung, weil er stark verkühlt war und leicht fieberte.

Nach einiger Zeit - der Bursch lag im Halbschlaf im Bett - ging der Vater in die Küche, machte einen Wasserkocher halb voll, erhitzte diesen bis zum Kochen, nahm noch ein Messer an sich und trat damit ans Bett seines Sohnes. Er habe diesem "ein bisschen Wasser auf den Kopf gegossen", gab der Angeklagte zu Protokoll. "Ich war total fertig, ich war verzweifelt. Ich wollte ihn verletzen." Hundertmal habe er seinen Sohn gebeten, sich auf seine Seite und gegen die Mutter zu stellen, "dass er mir zurück ins Haus hilft". Der Sohn sei aber nicht zu ihm gestanden: "Er wollte nicht, dass ich wieder zurückkomme."

"Papa, bring mich bitte nicht um!"

Der Jugendliche, dessen linke Gesichtshälfte, linke Hand und rechter Unterschenkel verbrüht wurden, ließ sich panikartig aus dem Bett fallen. Da machte der Vater laut Anklage vom Messer Gebrauch, fügte ihm Schnittwunden am Hinterkopf und im Nacken zu und stach ihn einmal in den Rücken. "Papa, bring mich bitte nicht um!", schrie der 17- Jährige in Todesangst, während er sich unter einem Schreibtisch verkroch. Schließlich gelang es ihm, den Angreifer mit einem Fußtritt zu Fall zu bringen. Diese Gelegenheit nutzte der Bursche dann, um zu flüchten. Der Vater folgte ihm mit dem Messer in der Hand. Passanten, die auf die Szene aufmerksam wurden, alarmierten Polizei und Rettung. Schließlich brach der Jugendliche zusammen.

Die Verletzungen stellten sich im Zuge der Verhandlung als wesentlich dramatischer als in der Anklageschrift beschrieben dar. Das stellte der gerichtsmedizinische Sachverständige bei einer Untersuchung des Jugendlichen fest. Dem Burschen waren mit dem Küchenmesser mindestens 15 Stich- und Schnittverletzungen zugefügt worden, mehrere davon gingen in den Kopf. Speziell bei dem Stich in den Rücken hatte der Sohn immenses Glück: "Wäre er ein paar Zentimeter weiter seitlich erfolgt, hätte er die Brusthöhle eröffnet und damit ein Verbluten ermöglicht", so der Gerichtsmediziner.

Die Vielzahl der Verletzungen hätte, auch wenn keine inneren Organe beschädigt wurden, grundsätzlich eine lebensgefährliche Situation bewirkt, wäre der Bursch nicht rasch medizinisch versorgt worden. Aufgrund der Verbrühungen dürfte der 17- Jährige gezeichnet bleiben. Der Gerichtsmediziner führte deutliche Pigmentierungen an der linken Halsseite und am linken Unterarm auf das Übergießen mit heißem Wasser zurück.

22.11.2016, 20:38
AG/red
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