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23.09.2017 - 06:52
Foto: APA/HELMUT FOHRINGER

Hickhack rund um Jagdbetrieb in Allentsteig

27.03.2012, 10:56
Die Pläne von Verteidigungsminister Norbert Darabos, die Heeresforste - sie verwalten den forst- und landwirtschaftlichen Betrieb auf militärischem Gelände -, auszulagern, lassen die Gerüchteküche brodeln. Dabei rückt nun die Jagd auf dem Truppenübungsplatz in Allentsteig ins Zentrum des Interesses: Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad bzw. sein Nachfolger als Landesjägermeister, Josef Pröll, sollen daran interessiert sein.

Man munkelt, dass die Bundesforste, die die Verwaltung anstelle der Heeresforste übernehmen, mit dem Landesjägerverband über die Verpachtung der lukrativen Jagd am Truppenübungsplatz bereits im Einvernehmen seien. Konrad, der am 14. April die Flinte als Landesjägermeister an Pröll übergibt, ließ wissen, dass er "kein persönliches Interesse" an der Jagd in Allentsteig habe. Er sei über die aktuelle Entwicklung nicht informiert und wisse auch nicht, ob andere Interesse daran haben. Konrad kennt das Jagdgebiet jedenfalls, er ist dort schon auf die Pirsch gegangen.

Der Landesjagdverband bestritt, Gespräche über die Jagd am Truppenübungsplatz in Allentsteig geführt zu haben. Es sei nicht die Absicht und auch nicht die Aufgabe des Landesjagdverbandes, eine Jagd zu pachten, hieß am Dienstag.

Studie unter Verschluss

Das Ministerium argumentiert, dass mit der Auslagerung der Heeresforste Einsparungen in Höhe von drei Millionen Euro erzielt werden könnten. Über die genauen Pläne hüllt sich das Ressort bisher allerdings in Schweigen, was für Nervosität unter den Betroffenen sorgt. Das Ministerium hat zwar eine Studie über den Betrieb am Truppenübungsplatz erstellen lassen, zu Gesicht bekommen haben diese bisher aber weder die Forstmitarbeiter noch das militärische Personal oder die Bauern, die rund um das militärische Gelände Felder vom Bundesheer gepachtet haben.

Landwirte bangen um Existenzgrundlage

Die Landwirte waren es auch, die die Pläne des Ministers öffentlich zur Sprache gebracht haben. Sie befürchten nämlich, dass sich durch die Auslagerung der Forstverwaltung ihre Pacht um das Doppelte, wenn nicht Dreifache erhöhen könnte und viele von ihnen damit die Existenzgrundlage verlieren würden (siehe Infobox). Das Ministerium versicherte den Bauern zwar, dass sie ihre Felder weiter bewirtschaften können, lässt sie aber bisher über die genauen Pläne oder die Erhöhung der Pacht im Unklaren.

Die Bauern beklagen, dass sie immer wieder hingehalten werden. Dabei müssten sie bis Mitte des Jahres schon für das nächste Jahr den Kauf der Saat planen. Ihre Pachtverträge sind jeweils auf ein Jahr befristet. Sie wollen daher bald Klarheit darüber haben, wie es am Truppenübungsplatz weiter geht.

Aus Ärger über die Politik des Ministers bereiten die Landwirte auch eine Klage auf Restitution der von den Nazis beschlagnahmten Gründe in Allentsteig vor. Ein Großteil der rund 200 Bauern sind Nachfahren jener Menschen, die zwischen 1938 und 1942 von den Nazis für die Errichtung des Truppenübungsplatzes vertrieben wurden.

Restitutions- Klagen als "eigenartiger Vorstoß"

Darabos will sich vom "Druck", der in Sachen Auslagerung der Heeresforste aus Allentsteig kommt, nicht beirren lassen, wie er am Dienstag vor dem Ministerrat festhielt. Voraussichtlich nächste Woche werde ein entsprechendes Konzept vorliegen, kündigte er an. Derzeit sei man "in der Endphase, was die Planung betrifft".

Klagen der Landwirte, sie würden hingehalten, kann Darabos nicht nachvollziehen. Und gar kein Verständnis hat er für den Plan der Bauern, eine Klage auf Restitution der von den Nazis beschlagnahmten Gründe in Allentsteig vorzubereiten: Dies sei ein "eigenartiger Vorstoß". Allerdings würde dies die Heeresforste auch nicht tangieren, und die Vermischung mit der Auslagerung hieße, "Äpfel mit Birnen" zu vergleichen.

Bekommt Darabos' Kabinettchef Job bei Bundesforsten?

Zuvor hatte Darabos seine Pläne, die er schon seit 2010 verfolgt, nicht nur mit Einsparungen begründet, sondern auch mit einer Änderung der Finanzverfassung. Diese sieht nämlich vor, dass es ab 2013 nicht mehr möglich sei, sogenannte flexibilisierte Betriebe - wie es die Heeresforste sind - zu führen.

Im Bundesheer hält sich allerdings hartnäckig das Gerücht, dass sein Kabinettschef Stefan Kammerhofer nach seinem Ausscheiden aus der Politik einen Posten bei den Bundesforsten bekomme. Kammerhofer hielt allerdings am Rande der Regierungssitzung am Dienstag einmal mehr fest, dass er keinerlei Ambitionen habe, in die Bundesforste zu wechseln.

27.03.2012, 10:56
AG/red
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