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22.07.2017 - 03:12
Foto: Uta Rojsek-Wiedergut

Kärntnerin (69): "In mir schlägt ein Geheimnis"

24.12.2016, 10:45

Rosina Zettinig (69) wartete auf ein lebensrettendes Spenderherz. Am Heiligen Abend letztes Jahr war es so weit. Das Protokoll ihres Weihnachtswunders.

Manche Menschen glauben, dass das Herz der Sitz der Seele ist. Man sagt ja auch, der oder die ist herzensgut oder eben herzlos. Wenn das stimmt, wie verhält es sich dann mit jemandem, in dem das Herz eines anderen schlägt? Diese Frage habe ich mir schon oft gestellt. Früher. Heute habe ich eine eindeutige Antwort darauf: Es bedeutet Leben.

Transplantation war einzige Überlebenschance

Es war 2015, am Tag vor dem Heiligen Abend, als das Telefon geklingelt hat. Ich war grad dabei, mein Wohnzimmer zu schmücken. Am Apparat war mein Arzt vom Wiener AKH. Er hat mir gesagt, dass es einen passenden Spender gibt, und mich gefragt, ob ich bereit bin für ein neues Herz. Vielleicht hätte ich jubeln sollen vor Freude - oder einfach "Ja" rufen. Keines von beiden habe ich getan. Ich hatte Angst und um Bedenkzeit gebeten. Erst nach einer Stunde habe ich zugestimmt. No na. Eine Herztransplantation war nun mal die einzige Überlebenschance für mich.

Haben Sie auch ein Schicksal gemeistert und können damit anderen Mut machen? Bitte schreiben Sie mir: brigitte.quint@kronenzeitung.at 

Rosina Zettinig
Foto: Uta Rojsek-Wiedergut

"Infekt hat mein Herz geschädigt"

Angefangen hatte alles mit einer normalen Grippe. Verschleppt habe ich sie, wie man so schön sagt. Ich war 49 Jahre alt und Näherin bei der Polizei in Klagenfurt. Der Infekt hat mein Herz geschädigt - und damit mein Leben lahmgelegt. Von einem Tag auf den anderen durfte ich nichts mehr arbeiten. Auch daheim nicht. Weder im Garten noch im Haushalt. Schon die kleinste Anstrengung war lebensgefährlich. Ein Albtraum für einen umtriebigen Menschen wie mich.

Aber ich habe es durchgezogen - und mich auf diese Art 20 Jahre lang über Wasser gehalten. Mein Herz ist aber dann trotzdem immer schlechter geworden und im Jänner 2015 haben sie mir dann ein Kunstherz eingesetzt. Das ist so eine Art Motor, der das eigene Herz unterstützt.

Rosina Zettinig in ihrem Haus in Maria Saal
Foto: Uta Rojsek-Wiedergut

Eine Dauerlösung war das aber auch nicht. Im Sommer 2015 hat dann eine der Psychologinnen im Spital mit mir reden wollen. Es ging um die Transplantationsliste. Sie meinte, dass jetzt auch mein Name draufgesetzt werden muss. "Würde ich denn erfahren, wer sterben musste, damit ich leben kann?", habe ich damals gefragt. Die Dame hat den Kopf geschüttelt und erklärt: "Das bleibt in den Akten verborgen."

OP dauerte elf Stunden

Und ausgerechnet am Heiligen Abend war es dann so weit. Zuerst wurde ich mit Blaulicht nach Wien gebracht. Dort haben sie mich dann an die Herz- Lungen- Maschine angeschlossen. Elf Stunden soll die OP gedauert haben. Mitgekriegt habe ich nichts davon. Genau genommen habe ich drei Monate lang kaum etwas registriert. So lange bin ich im Halbschlaf auf der Intensivstation gelegen.

Die Kärntnerin zündet für ihren Schutzengel eine Kerze an.
Foto: Uta Rojsek-Wiedergut

In mir schlägt ein Geheimnis. Es kann sein, dass das Herz aus einem fernen Land kommt. Oder dass der Spender direkt vor meiner Haustür zusammengefahren worden ist. War es ein Kind? War es ein Mann? Ich werde es nie erfahren.

Schlüsselwort heißt Dankbarkeit

Das Schlüsselwort heißt Dankbarkeit. Ich bin dankbar für die Tatsache, dass ich lebe. Das Herz ist drin, und es funktioniert. Der Arzt hat gesagt, dass ich noch ein paar gute Jahre habe. Die werde ich nutzen, um ein guter Mensch zu sein.

Ich habe eine Tochter und einen Sohn. Und vier Enkerln. Zwar sind alle schon erwachsen, aber um auf die Redensarten zurückzukommen: Dass man als Oma das Herzstück der Familie ist, da ist schon was dran, oder?

TIPPS UND INFOS

  • Eine Herztransplantation ist der Ersatz des kranken Herzens durch ein Spenderorgan.
  • Organspender sind hirntote Patienten, bei denen Organfunktionen (aber nicht jene des Gehirns) am Leben erhalten werden. Eine Organentnahme erfolgt in Österreich nur dann nicht, wenn sich der Patient zu Lebzeiten dagegen ausspricht.
  • Die Stiftung "Eurotransplant" stellt sicher, dass für ein Spenderorgan in kürzester Zeit ein passender Empfänger gefunden wird, und koordiniert den Austausch zwischen Belgien, Deutschland, Luxemburg, Holland, Österreich und Slowenien.
  • Mit rund 50 OPs im Jahr ist das Allgemeine Krankenhaus der Stadt Wien (AKH) das größte Zentrum für Herztransplantationen Österreichs.

Brigitte Quint, Kronen Zeitung

Alle Teile der Serie "Meine Geschichte" finden Sie unter: krone.at/meine Geschichte! 

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