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11.12.2016 - 01:09

Whitesnake: Eine kräftige Dosis Nostalgie- Magie

20.11.2015, 10:43
Vier Jahre nach dem eher mauen Gig in der Wiener Stadthalle war die 80er-Rocklegenden Whitesnake Donnerstagabend im Gasometer auf Wiedergutmachungstour. Mit einer bunt zusammengewürfelten Setlist aus Whitesnake- und Deep-Purple-Klassikern und David Coverdale in Hochform gelang das Vorhaben souverän. Nicht minder gut in Form - die Vorband The Dead Daisies.

Es passiert heutzutage nur mehr selten, dass alle Mitglieder eines Rockkonzerts über volles Haar und wallende Mähnen verfügen. So passiert Donnerstagabend im Wiener Gasometer, wo sämtliche zwölf Musiker von Whitesnake und The Dead Daisies als L'Oreal- Models glänzen könnten, doch damit nicht genug: Die Brusthaare quillen aus den offenen Hemden, die Jeans müssen nach der Show von den schwitzenden Körpern abgekratzt werden, bei Gitarrensoli verziehen sich die Gesichter der Instrumentalisten zu orgiastischen Fratzen und es wird ohne Unterlass dem Hedonismus gefrönt - Herzlich Willkommen, die 80er- Jahre sind zurück.

Überraschende Top- Form

Gut, überraschend kam das für die knapp 3.000 Fans nicht, denn es gibt in der Gegenwart nur wenige Bands, die das Jahrzehnt der Haarsprays und Spandex- Hosen dermaßen frivol zelebrieren wie die amerikanischen Hit- Garanten Whitesnake, die sich in ihrem Karrierespätherbst tatsächlich noch einmal in Hochform befinden. Manch treue Fan- Seele dachte bibbernd an den Stadthallen- Gig 2011 zurück, wo der ewig juvenile Frontmann David Coverdale mehr krächzte als sang und Kult- Hits wie "Still Of The Night" fast bis zur Unkenntlichkeit verunstaltete.

Davon ist an diesem Abend glücklicherweise nichts zu hören und der gut 105- minütige Gig gerät zu einem unerwarteten Triumphzug. Anlass des Erscheinens ist das "neue" Werk "The Purple Album", auf dem Coverdale noch einmal nostalgisch zurückblickt und die größten Hits seiner drei Jahre bei Deep Purple neu einspielte. Dementsprechend viel Wert wird in der Setlist auf die Hard- Rock- Legenden gelegt, gut die Hälfte des Auftritts basiert auf die unsterblichen Klassiker der Mk III- und Mk IV- Besetzung. Das macht die Show einerseits wesentlich rockiger und spannender, begeistert aber nicht alle Besucher, denn so mancher hätte sich mehr von den eingängigen Pop/Rock- Whitesnake- Hits der 80er gewünscht.

Gesangshilfe erlaubt

Die Hitdichte ist aber trotzdem groß genug, denn umgeben von seinen ausgezeichneten Instrumentalisten liefert Coverdale eine stimmliche Top- Performance. Besonders tiefer zu singende Nummern wie die Purple- Evergreens "Burn", "You Fool No One" oder die bluesige Whitesnake- Hymne "Ain't No Love (In The Heart Of The City)" gelingen ihm nahezu perfekt, wenn es allzu hoch und grell wird ("Still Of The Night", "Bad Boys"), dann helfen Fans oder Kollegen aus. Von denen stechen Reb Beach mit Gitarren- und Tommy Aldridge mit Drumsolo noch einmal speziell heraus. Auch wenn man diese Minuten mit zwei weiteren Songklassikern nützen könnte, machen gerade diese Instrumentalmasturbationen ein Erhebliches der Nostalgie- Magie dieses Abends aus.

Neben viel lautem Knall ist auch etwas Platz für die leisen Töne. Die grandiose Purple- Ballade "Soldier Of Fortune" widmet Coverdale seinen verstorbenen Freunden und Kultmusikern Tommy Bolin und Jon Lord, bei "Is This Love" schmachten nicht nur die Frauenherzen dahin. Insgesamt ist der Kitschfaktor ob der Songaufteilung aber weniger penetrant als erwartet, die Vermischung erdiger 70er- Hardrock- und pompöser 80er- Poserrock- Nummern gelingt formidabel. Kann die Band dieses Level halten, dann dürfte sich auch noch ein richtiges neues Studioalbum ausgehen. Alterserscheinungen sind jedenfalls keine auszumachen.

Stargespickte Vorband

Nicht weniger spektakulär war die Besetzung der Vorband The Dead Daisies. Wer mit dem Bandnamen wenig anfangen kann - hier tummeln sich Musiker wie Sänger John Corabi (ex- Mötley Crüe), Gitarrist Richard Fortus, Keyboarder Dizzy Reed (beide Guns N' Roses) oder Bassist Marco Mendoza (ex- Whitesnake, ex- Thin Lizzy), die sich aufgrund guter Freundschaft und Spaß am Rock einfach diese Spielwiese zusammenrichteten und damit schon beim Rock In Vienna und bei einer Akustik- Show im Wiener Hard Rock Café überzeugten. Der Hallen- Einstand in Wien gelingt auch bravourös, denn es wurde schon lange keine Vorband mehr mit derart viel Jubel in die Kabinen entlassen.

Das liegt nicht nur an starken Cover- Songs (der Joe- South- Hit "Hush" oder der Beatles- Evergreen "Helter Skelter") und Eigenkompositionen ("Evil", "Angel In Your Eyes"), sondern auch an einer gehörigen Portion und Fannähe. Das wild rockende "Devil Out Of Time" kündigt Corabi augenzwingend als "Love- Song für meine vielen Ex- Frauen" an, während "With You And I" schnappt er sich galant Foto und Stift aus der ersten Fanreihe, um während des Singens lässig zu unterschreiben. Das ist Leidenschaft und Hingabe, die man nicht mehr allzu oft von alten Rock- Heroen sieht. Schön, dass sie an diesem Abend gleich doppelt vorhanden war. Wallende Mähnen hin oder her.

20.11.2015, 10:43
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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