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21.07.2017 - 15:25
Foto: pertramer.at, Ursula Grande

Neues Album der progressiven Wiener Milk+

21.01.2013, 09:01
Die Wiener Progressive-Rocker Milk+ sind nichts für die Easy-Listening-Fraktion. Mit ihrem neuen Album "Band On Wire" fordert das Trio nicht nur zum genauen Hinhören, sondern vor allem zum Entdecken auf. Für die Produktion griff man dabei auf einen internationalen Fachmann zurück.

Schon interessant, wie sehr sich völlig voneinander unabhängige Bands thematisch gleichen können. So haben die holländischen Düster- Popper The Nits im Frühling 2012 auf ihrem Album "Malpensa" den "Man On A Wire" besungen, während die österreichischen Senkrechtstarter Milk+ der Thematik, zumindest sinngemäß, ein ganzes Album widmen. Es geht um den legendären französischen Artisten Philippe Petit, der 1974 als erster Mensch ungesichert 45 Minuten lang über ein 2,5 Zentimeter starkes Drahtseil in 417 Metern Höhe zwischen den Türmen des World Trade Centers balancierte.

Schweben und stürzen

Womit auch schon die Parallele zum Wiener Progressive- Rock- Projekt Milk+ gefunden wäre, denn das Trio versucht ebenso "die Balance zu halten. Manchmal schwebt unsere Musik, aber öfter stürzt sie im Steilflug in die Gehörgänge", beschreibt Sänger und Gitarrist David Furrer das musikalische Leben und Wirken der heimischen Zukunftshoffnung. Ganz und gar abstrakt, innovativ und zuweilen richtig "spacig" schlängeln sich Furrer, Navid Djawadi (Bass) und Alex Kerbl (Drums und Percussion) durch die neun ausladenden Songkapitel, und propagieren dabei unbewusst ein hehres Ziel – nur ja nie, niemals, zu sehr nach Mainstream klingen.

Es wäre auch tatsächlich schade, würden Milk+ ihre instrumentalen Fähigkeiten für biederen Radiopop verschenken und sich somit ihrer speziellen, zwischen Avantgarde und Progressivität angelehnten Mystik berauben. Man muss sich als Hörer schon bemühen, sich konzentrieren und das Internetsurfen oder Fernsehzappen einmal sein lassen, um den aufregenden Klangkosmos dieses begabten Trios standesgemäß folgen zu können. Großteils überlange Songs, das absichtliche Ignorieren sämtlicher Genre- Grenzen und die vielfach dargebotene Vertracktheit fordern aber nicht nur, sie fördern auch. Nämlich das Hörvergnügen und die Toleranz abstrakten Klängen gegenüber.

Trip in die 60er- Jahre

Was die EP "Venus Breakdown" (2012) schon angedeutet hat, führen Milk+ mit diesem Longplayer endgültig aus: Die Songs oszillieren zwischen 70er- Jahre- Prog- Rock, einer modernen Alternative- Kante, kruden Electro- Einsprengsel und einer – vor allem in den Instrumentalpassagen hörbaren – untrüglichen LSD- Space- Trip- Psychedelic- Atmosphäre der späten 60er- Jahre. Mit diesem Abwechslungsreichtum stört es auch nicht, dass Milk+ in "Meltdown" mit dem 90er- Jahre- Grunge kokettieren oder sich bei "The Cigarette's Arsonphobia" geistig in trockene Wüstengebiete versetzen, um tighten Stoner- Rock zu zitieren.

Das Name- Dropping hätten die Wiener gar nicht nötig, doch es sei dennoch erwähnt, dass sie mit Isaiah Ikey Owens (u.a. Jack White, The Mars Volta) einen Produzent von Weltformat engagieren konnten und die klischeebefreite, wunderbar eingängige Ballade "Melaforint" von der großartigen Indie- Pop- Stimme Clara Luzia's lebt. Zuvor erwähnte The Mars Volta sind – salopp gesagt – auch ein durchaus brauchbarer Gradmesser für die Musik von Milk+, denn auch die Mexikaner rund um Gitarrist Omar Rodriguez- Lopez fürchten sich nicht vor regelmäßigen Ausbrüchen aus gewohnten Schemen.

Gelungener Drahtseilakt

Milk+ liefern auf "Band On Wire" Musik zum Genießen, zum Träumen und zum entspannten Zurücklehnen. Es ist schön zu wissen, dass die Musiker spieltechnische Schwerstarbeit leisten und die daraus resultierenden Ergüsse doch so leichtfüßig und zart durch die Gehörgänge gleiten. Der Drahtseilakt ist den Wienern jedenfalls gelungen und der Abstand zur internationalen Konkurrenz müsste sich auf ein Minimum reduzieren. Wer unbedingt Vergleiche braucht – stellt euch eine Dreiecksbeziehung zwischen Muse, King Crimson und Alice In Chains vor. Damit seid ihr auf jeden Fall am richtigen Weg.

21.01.2013, 09:01
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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