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05.12.2016 - 22:44
Foto: UMG

Indie- Rocker Kensington wollen Europa erobern

03.06.2013, 16:56
Die Indie-Alternative-Rocker Kensington erfahren gerade einen kometenhaften Aufstieg in ihrer Heimat Holland. Mit seinem aktuellen Album "Vultures" will das Quartett aus Utrecht nun auch in Resteuropa Fuß fassen. Im "Krone"-Interview erzählten die Bandmitglieder bereitwillig Geschichten über den plötzlichen Aufstieg, warum sie die besten Songs immer nach Albumveröffentlichungen schreiben und weshalb Christina Stürmer der perfekte Gaststar für das nächste Werk wäre.

"Krone": Warum habt ihr euch eigentlich Kensington genannt? Seid ihr so große London- Fans?
Band: Als wir uns den Namen ausgesucht haben, haben wir nicht einmal an London gedacht. Wir haben sicher drei Monate lang diskutiert und sind uns nicht einig geworden – im Endeffekt musste die Münze entscheiden. Der Name sieht auf T- Shirts auch gut aus.

"Krone": Er sieht auch auf eurem neuen Album "Vultures" gut aus.
Band: Ja, stimmt (lachen). Der Name ist auch nicht schwer auszusprechen und man merkt ihn sich sehr leicht. Außerdem passt er perfekt zu unserer Musik. Von allen Kensingtons auf der ganzen Welt ist der Bereich in Liverpool wohl der älteste, aber das wussten wir damals auch nicht (lachen).

"Krone": Welche Namen standen denn sonst noch im Raum?
Band: Ein ganzer Haufen. Sun Caller war so eine Variante. Es kommt immer auf die Musik an. Red Hot Chili Peppers oder Arctic Monkeys etwa sind wirklich verrückte Bandnamen, aber wenn die Musik gut ist, dann fließt das perfekt zusammen. In unserer Heimat Holland denkt man bei Kensington an uns und nicht an London. Das ist der springende Punkt – du willst deinem Bandnamen eine Identität geben. Nachdem es in Holland funktioniert hat, versuchen wir uns jetzt auch in anderen Ländern durchzusetzen (lachen).

"Krone": Was steckt denn hinter dem Albumtitel "Vultures"?
Band: Als wir den Albumtitel finden mussten, hatten wir schon ziemlichen Zeitstress. Der Begriff "Vultures" ist im Song "Ghosts" zu finden und weil wir keine bessere Idee hatten, haben wir uns dafür entschieden. Der Titel spiegelt auch unsere damalige Situation wieder. Es gab viele Leute, die wie Geier Geld oder Freundschaft von uns wollten. Diese Leute wurden dann auch ziemlich aggressiv, als sie auf Widerstand gestoßen sind.

"Krone": Hattet ihr persönliche Probleme mit diesen "Business- Geiern"?
Band: Wir steckten zwischen verschiedenen Labels fest und hatten ziemlich viel Stress. Wir haben uns dann für den riskanten Weg entschieden und das Album auf eigene Faust eingespielt. Das war vor allem finanziell gesehen ein ziemliches Husarenstück. Wir haben uns nicht in Frieden von der alten Plattenfirma getrennt, aber Universal zeigte gleich darauf Interesse. Wir haben uns aber in eine Art Kokon eingeschlossen und Mauern um uns herum aufgebaut, um wirklich in Ruhe am Album arbeiten zu können. Wir hatten eine sehr hektische Zeit und pendelten dauernd zwischen unserer Heimat Utrecht und Berlin, wo wir das Album aufgenommen haben. Ich denke, diese Hektik kann man auch am Album hören. Wir glauben wirklich an unser Material und deshalb haben wir auch so viel Risiko auf uns genommen. Am Ende ist alles gut gelaufen.

"Krone": Die Songs auf dem Album weisen auch eine große Variabilität auf.
Band: Wir haben einfach geschrieben. Mal war das Piano das tragende Instrument, mal ein Drum- Beat, dann haben wir einfach nur gejammt. Alles war möglich. Wir haben einfach all diese Ideen vermischt und daraus entstand die finale Tracklist. Es war auch ein guter Weg, um zu sehen, wie abwechslungsreich wir sein können.

"Krone": Hierzulande seid ihr durch den Jack- Wolfskin- Werbespot bekannt, wo euer Song "Home Again" gespielt wird. Ihr habt auch schon mal einen Song für Adidas zur Verfügung gestellt. Wie entscheidet ihr, wem ihr Songs für Werbung zur Verfügung stellt?
Band: Grundsätzlich wird für uns entschieden, nicht umgekehrt. Mit Jack Wolfskin sind wir da absolut konform gegangen, aber ich kann mir schon Firmen vorstellen, für die wir nichts machen würden. Waffenfabriken etwa. Es muss sich schon gut anfühlen, sonst würden wir es nicht machen. Andererseits ist es aber eine große Chance, denn der Jack- Wolfskin- Sport läuft in acht Staaten. Das ist auch einer der Gründe, warum wir jetzt dieses Interview führen. Es war einer unserer ersten Schritte, mit denen wir auch international für Aufmerksamkeit gesorgt haben. Wir hätten diese Chance auch anderweitig genutzt, denn unser primäres Ziel ist es, auch außerhalb Hollands Erfolg zu haben.

"Krone": Dann müsst ihr mit Jack- Wolfskin- Zeug auf der Bühne stehen.
Band: (lachen) Die haben den Song nur verwendet, weil er so perfekt zu den schneebedeckten Bergen in dem Spot passt. Der Song ist doch mehr episch angehaucht und hat nicht so viel mit Rock 'n' Roll zu tun. Ich glaube, diese Kombination ist wirklich passend.

"Krone": Dabei war "Home Again" gar nicht mal auf der regulären Version des Albums.
Band: Wir haben irgendwie das Talent dafür, die besten Songs zu spät zu schreiben (lachen). Auch den erfolgreichsten Song des ersten Albums mussten wir auf das Re- Release packen, weil wir ihn erst nach Veröffentlichung des Albums geschrieben haben. Jetzt ist uns wieder das Gleiche passiert.

"Krone": Also werdet ihr diese Tradition weiterführen – die besten Songs zu spät zu schreiben?
Band: (lachen) Das würde das Nervenkostüm unseres Managers wohl nicht ewig aushalten.

"Krone": In eurer Heimat seid ihr eine wirklich große Nummer und habt auch unlängst drei der prestigeträchtigen FM- Awards gewonnen. Darunter für die beste Liveband und das beste Album. Was bedeutet euch das?
Band: In Holland ist das sehr wichtig, denn erst dann wirst du im Geschäft so richtig bemerkt. Egal wie viele Menschen Kensington auch kannten, erst mit den Awards wirkte sich diese Bekanntheit auch kommerziell aus. Das Album machte nach den gewonnenen Preisen gleich 30 Plätze in den Charts gut. Obwohl wir es im Mai 2012 veröffentlichten, ist es jetzt wieder in den Top Ten. Das war ganz lustig, denn als wir dort über den roten Teppich gelaufen sind, haben sich die Leute gefragt, wer wir eigentlich sind. (lachen) Zurzeit zählen wir in unserer Heimat sicher zu den drei größten Rockbands, und das wirkt sich auch auf die Festivalspots aus.

"Krone": Hattet ihr beim Schreiben des Albums schon das Gefühl, dass "Vultures" euer großer Durchbruch werden könnte?
Band: Auf jeden Fall. Wir waren so stark von unserem Material überzeugt, dass wir dem alten Label voller Selbstbewusstsein sagen konnten: "Ihr liegt falsch und wir gehen unseren Weg, wie wir ihn wollen." Anfangs waren das zwei Schritte zurück, aber dann zehn Schritte nach vor. Wir waren damals bankrott und hatten nur den Glauben an unsere Musik. Es war aber glücklicherweise die richtige Entscheidung, worüber wir sehr froh sind. Du musst immer die Passion für die Musik haben, sonst wirst du niemals was erreichen. Jetzt starten wir quasi wieder von vorne und das ist sehr aufregend.

"Krone": Letztes Jahr konntet ihr eine Menge Shows in eurer Heimat ausverkaufen. Kam das für euch überraschend?
Band: Letztes Jahr haben wir 19 von 20 Clubshows ausverkauft, das war schon eine große Überraschung. Uns hat vor allem das Tempo überrascht. Bei der kommenden "Home Again"- Tour haben wir alles in nicht einmal fünf Wochen total ausverkauft. Selbst die Shows im Oktober sind schon ausverkauft und wir werden in größere Hallen verlegt. Als wir für das Paradiso in Amsterdam gebucht wurden, dachten wir erst: "Wissen die überhaupt, wer wir sind?" (lachen) Das Schöne daran ist, dass wir wirklich klein angefangen haben und unseren eigenen Aufstieg total erleben durften.

"Krone": Also erinnert ihr euch noch an die Anfänge in versifften Kellern?
Band: Klar, wir haben auf dreckigen Böden geschlafen und für gratis Alkohol gespielt. Gratis Alkohol kriegen wir aber immer noch – insofern hat sich nichts verändert (lachen).

"Krone": Was hat sich denn die letzten drei, vier Jahre speziell verändert?
Band: Wir haben uns selbst praktisch zu Tode geprobt. Wir haben einfach jeden angebotenen Auftritt angenommen – völlig egal ob mit oder ohne Bezahlung. Die Tour im letzten Jahr hat uns als Liveband stark verändert. Wenn du permanent vor vollen Hallen spielst, lernst du auch, besser mit dem Publikum zu interagieren. Es ist leichter, zu 3.000 Leuten zu sprechen, die für dich kommen, als zu zehn Leuten, die gerade zufällig im Saal herumlungern. Wir haben uns dabei kontinuierlich weiterentwickelt und wissen jetzt, wer wir sind und was wir können.

"Krone": Verspürt ihr noch Nervosität auf der Bühne?
Band: Es macht uns momentan nervöser, vor kleinerem Publikum zu spielen. Vor dem Auftritt kommt das schon noch vor, aber sobald wir die Bühne betreten, ist das wie weggeblasen. Wenn du weißt, dass 15.000 Menschen Geld für dich ausgegeben haben, willst du alles geben. Wenn du als beste Liveband prämiert wirst, gibt es naturgemäß wenig Ausreden, warum du nicht gut auf der Bühne agieren solltest (lachen).

"Krone": Da wäre es doch an der Zeit, auch eine richtige Europatour zu spielen.
Band: Wir hoffen, dass wir zwischen unseren Holland- Shows auch in Deutschland und Österreich auftreten können. Außerdem spielen wir im August beim ungarischen Sziget- Festival, das ja nicht sehr weit von Österreich entfernt liegt. Es wird uns auch guttun, dass wir in anderen Ländern in den kleineren Clubs anfangen müssen. Wir haben in Holland unsere Zeit gebraucht und freuen uns schon darauf, uns auch in Resteuropa das Publikum zu erspielen. Wir wollen auch nicht mehr auf Biegen und Brechen alle Shows annehmen, sondern nach einem guten und vernünftigen Plan arbeiten.

"Krone": Schreibt ihr bereits an neuem Material?
Band: Ja, wir sind schon fleißig dabei und schreiben auch zwischen den Touren an neuem Material.

"Krone": Wird das kommende Album in eine ähnliche Richtung gehen wie "Vultures"?
Band: Es wird definitiv ein großer Schritt nach vor sein. Wir haben aus dem letzten Album sehr viel gelernt und wenn wir das beherzigen, könnte es unser bestes Album werden.

"Krone": Nach dem Erfolg müsst ihr aber schon mit viel Druck umgehen können.
Band: Natürlich. Wir haben für "Vultures" Awards gewonnen und es hat uns den Durchbruch beschert. Die Latte liegt sogar verdammt hoch, aber wir denken nicht so viel daran. Natürlich wollen wir uns etwas verändern und nicht das Gleiche machen, aber es wäre vermessen zu sagen, dass das nächste Album nicht nach Kensington klingen wird. Wir schreiben einfach so lange daran, bis das Material für uns gut genug ist. Meistens ist es dann auch gut genug für unsere Fans.

"Krone": Kann man auch mit Gastbeiträgen rechnen?
Band: Das haben wir noch nicht geplant. Auf "Vultures" hatten wir einen Song für ein Duett vorbereitet, aber das kam dann nicht zustande. Der Beitrag muss den Song schon stärken, denn wir wollen nicht mit einem berühmten Namen angeben. Eine weibliche Stimme wäre toll – vielleicht ja eine österreichische Sängerin.

"Krone": Christina Stürmer zum Beispiel.
Band: Sie supportet doch Bon Jovi bei der Show in Wien oder? Das haben wir auf den Plakaten und Postern gesehen. Sieht sie gut aus? (lachen) Christina – wenn du das hier liest, melde dich doch bei uns. (lachen)

"Krone": Euer Top- Song "Home Again" wurde von der ehemaligen The- Gathering- Sängerin Anneke van Giersbergen gecovert. Eine Querverbindung von Kensington zu einer weiblichen Stimme gibt es also bereits.
Band: Das ehrt uns natürlich sehr, vor allem weil uns erstmals jemand gecovert hat. Wir mögen ihre Version unseres Songs, zumal er nicht einfach zu covern ist.

"Krone": Welche Band würdet ihr als perfekt ansehen, um einen Kensington- Song zu covern?
Band: Die Maccabees wären fantastisch. Oder Bon Jovi. Oder auch Christina Stürmer (lachen).

"Krone": Ihr habt auch schon drei Shows in Indonesien gespielt – wie ist es dazu gekommen?
Band: Wir haben damals gemeinsam mit Thirty Seconds To Mars, Good Charlotte und Helloween beim größten Festival des Landes gespielt. Eine kleine Radiostation hat den perfekten "Festival- Botschafter 2011" gesucht, und so sind wir zu den zwei Shows beim Java- Rockingland- Festival gekommen. Wir haben dort zweimal vor 20.000 Fans gespielt und dann eine kleine ausverkaufte Clubshow vor etwa 300 Fans. Nach einem 17- stündigen Flug in ein Land, in dem du noch nie zuvor warst, erwartet dich ein vollgefüllter Klub mit Kids, die deine Texte mitsingen können - das war wirklich verrückt. Dort reichen dir Sonnenbrillen und ein Swimmingpool. Der beste Plan wäre wohl, dort mit Christina Stürmer abzuhängen (lachen).

03.06.2013, 16:56
Robert Fröwein, Kronen Zeitung
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