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28.02.2017 - 09:36
Foto: Andreas Graf

Happy End am Strohacker

22.06.2009, 12:46
Nach zwei bitterkalten Nächten hat es am Sonntag, dem letzten Festivaltag, doch noch ein "Happy End" für die Besucher des Nova Rock im burgenländischen Nickelsdorf gegeben. Die Sonne feierte gleich in der Frühe ein Comeback und machte den Gatsch bis zu Mittag wieder zu halbwegs fester Erde. Den Rest erledigte die emsige Festival-Crew, die vor den Bühnen reichlich Stroh streute. Musikalisch machte am letzten Tag das Line-Up der Blue Stage bei den Fans das Rennen. Die Tageshighlights kamen dabei mehrheitlich aus Deutschland: Die Toten Hosen, Madsen und die wiedervereinten Guano Apes fanden neben den ebenfalls frisch reunierten Limp Bizkit den meisten Zuspruch.

"Auf da Red Stage is heut' Terror", erklärte ein fachkundiger Novarocker den schon am Nachmittag prall gefüllten Publikumsbereich vor der Blue Stage. Mit Bands wie Trivium, Dimmu Borgir und Machine Head richtete sich das Line- Up der Red Stage klar an eingefleischte Metal- Fans. Wer's gemütlich haben wollte, musste an diesem Tag aber ohnehin im Zelt oder Campingwagen bleiben, denn auch auf der Hauptbühne ging keiner vom Gaspedal.

Am letzten Tag schien die allgemeine Abwendung von den Normen des Alltags am Höhepunkt angekommen zu sein: Nicht nur liefen männliche Festivalbesucher zunehmend im Bikini herum (und nein, es gab keine Mädchen zu sehen, die "oben ohne" hinterherhetzten), auch Duff McKagan hat sich nach seinem Auftritt, bei dem u.a. Guns- N'- Roses- , AC/DC- und Rolling- Stones- Nummern erklangen, am Sonntagnachmittag um 16.00 Uhr mit "Good night" verabschiedet.

Die danach losbretternden Madsen wussten dafür genau, wie spät es war und was zusehends ermüdende bzw. durch steigenden Alkoholpegel am Rande der Kampfunfähigkeit balancierende Festivalbesucher um so eine Zeit (18.00 Uhr) brauchten. Nämlich eine g'scheite Dosis Mitsing- Hardrock. Denn kaum eine junge Band, die in Österreich so selten im (Breiten- )Radio läuft, kann von sich behaupten, dass (der Lautstärke nach zu urteilen) ein Drittel der Besucher vor einer Mega- Festival- Bühne bei fast allen Songs mitsingen kann. Ohrwürmer wie "Die Perfektion", das grenzgeniale "Nitro", "Du schreibst Geschichte" und "Nachtbaden" wurden mit unglaublichem Selbstbewusstsein und viel Dynamik sowie gekonnter Publikumsanimation dargebracht. Verdienter Jubel für die Nova- Rock- Stammgäste aus dem Nachbarlande!

Den Hit der danach auftretenden Guano Apes schlechthin, "Open Your Eyes", musste Frontfrau Sandra Nasic eigentlich nicht singen: Das Publikum, mit emporgereckten Händen, übernahm dies gerne. Vor allem auch beim Cover "Big in Japan" und bei "Lords of the Boards" kam viel Stimmung auf. Doch man entkam insgesamt dem Gedanken nicht: Im Reigen der prominenten wiedervereingten Bands von Faith No More bis Limp Bizkit, die heuer das Nova Rock bestimmten, sind die ehemals zerstrittenen und ganz frisch wieder guten Deutschen zu Recht nicht eben die illustreste. "Ich merke gar nichts von euch", sagte Nasic einmal. Auch umgekehrt ging der Auftritt eher ohne bleibenden Eindruck vorbei.

Stilistisch die selbe Bresche, nur ein wenig härter, schlugen daraufhin Limp Bizkit. Ein wenig Lokalkolorit gab es zu Beginn im burgenländischen Grenzgebiet: "Austria", schrie Fred Durst bei seinem Auftritt, und den DJ- Set zierte eine Österreich- Fahne. Als das erledigt war, zelebrierte die wiedervereinigte Band ihre eigene Crossover- Musikmischung von "My Generation" über "Eat You Alive" bis "Behind Blue Eyes", das ein wahres Feuerzeugmeer auslöste. Dass Durst mit seinem roten Kapperl und kurzen Hosen eine leicht abgetakelte Jugendlichkeit suggerierte, war ähnlich auch in der Musik zu erleben: Die ehemaligen Vorreiter der Nu- Metal- Flut suchen nun eine neue Welle, auf der es sich lohnt zu surfen. Bisher ist das die eigene Vergangenheit - aber ohne Innovation droht künstlerische Ebbe. Mittendrin hatte Durst "eine Idee", wie er den Fans verkündigte: "Schreit mal einfach nur so!" Und die taten es.

Mit den Toten Hosen, die laut Sänger Campino gerade eine "tolle Serie" haben und "super eingespielt" sind, ist das Nova Rock 2009 in den späten Sonntagnachtstunden würdig und krachend zu Ende gegangen. "You Never Walk Alone" schickte die trotz der Wetterkapriolen der Vortage bestens gelaunten und durchhaltenden Fans auf den Heimweg nach einem wieder einmal kraftvollen, souveränen Auftritt der deutschen Punkrocker. Insgesamt knapp 160.000 Besucher haben Österreichs größtes derartiges Open Air  besucht, sagte Veranstalter Ewald Tatar zur APA. Die Rechnung schließt allerdings Doppelt- und Dreifachzählungen nicht aus, da ja von den mehr als 50.000 Besuchern pro Tag der Großteil alle drei Tage am pannonischen Acker verbleibt - und gezählt wird...

Trotz der Menschenmassen und des durch die Niederschläge arg in Mitleidenschaft gezogenen Geländes gab es keine außergewöhnlichen Zwischenfälle, hieß es bei den Behörden. "In Bierzelten ist es oft kritischer. Die Leute führen sich hier zwar auf, aber bis auf einige Wenige bewegen sie sich im Rahmen", meint Veranstalter Ewald Tatar. Die Toten Hosen feierten bei bestem Wetter auf der Bühne übrigens den Geburtstag von Campino und gingen entsprechend ausgelassen zur Sache. Kracher wie "Strom", Hymnen wie "Alles aus Liebe" und Klassiker wie "Hier kommt Alex" wurden vom Publikum euphorisch mitgesungen. Zum furiosen Finale gab es "Sascha", ein Stück, das die Hosen seit dem Auftritt im Wiener Burgtheater "wieder ausgegraben haben", wie der Frontman berichtete. Von Österreich können die Düsseldorfer in letzter Zeit anscheinend nicht genug bekommen: Beim "Two Days A Week" im August in Wiesen kommen Campino und Co. nämlich wieder.  

Bericht: APA, krone.at
Fotos: Andreas Graf

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