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08.12.2016 - 14:44
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER, LangenMüller, EPA

Conchita Wurst: Das Jahr des Phoenix

28.12.2014, 12:00
Es war ihr Jahr – Conchita Wurst fliegt seit ihrem Sieg beim Song Contest in luftigen Höhen. Mit der "Krone" hat sie kurz vor Silvester die vergangenen Monate Revue passieren lassen.

Kurz vor den Feiertagen war der Terminkalender von Conchita Wurst noch einmal ordentlich gefüllt. "Ich wurde in so viele TV- Jahresrückblick- Shows eingeladen. Ich bin sehr dankbar, da in ganz Europa dabei zu sein", lacht sie fröhlich, als die "Krone" sie am Telefon erreicht. Auf einer sonnigen Hotelterrasse in Rom blickt sie mit uns noch einmal auf die aufregendsten Monate ihres Lebens zurück.

"Krone": Silvester vor einem Jahr – was war da Ihr größter Traum für 2014?
Conchita: Ach, ich weiß gar nicht mehr. Ich bin eigentlich kein Mensch, der Pläne schmiedet. Natürlich stand damals schon der Song Contest im Mittelpunkt. Ich bin in Wien im MuTh- Theater aufgetreten, und die Opernsängerin Natalia Ushakova hat immer wieder zu mir gesagt: Du gewinnst garantiert! Darüber habe ich nur gelächelt.

"Krone": Wie werden Sie ins Jahr 2015 rutschen?
Conchita: Ich habe zum ersten Mal seit drei Jahren frei und keinen Auftritt. Also werde ich ganz klein, ganz privat mit Freunden feiern. Kein großes Tamtam.

"Krone": Ihr Jahr war voller Highlights – Song Contest, Treffen mit großen Stars, Auftritt im Crazy Horse. Was waren für Sie persönlich die größten Momente?
Conchita: Den 10. Mai, den Song Contest selbst, konnte natürlich nichts toppen. Eigentlich kann ich es immer noch nicht ganz glauben und habe es nicht ganz verarbeitet. Alle Erinnerungen an diesen Abend musste ich mir künstlich mit Mitschnitten der Sendung wiederherstellen, weil ich mich tatsächlich nicht erinnern kann. Der Moment war einfach zu groß.

"Krone": Was war dann Ihr nächster Höhepunkt?
Conchita: Eine der berührendsten Erinnerungen für mich ist ein Anruf meines Papas ca. zwei Wochen nach dem Song Contest. Da hat er mir erzählt, das sein Gasthaus jeden Tag bummvoll ist und er sich freut. Darüber war ich so froh – schließlich habe ich es ja von meinen Eltern gelernt, das zu tun, was man liebt. Und dass das dann auch von Erfolg gekrönt ist, war ein unbeschreibliches Gefühl.

"Krone": Was waren für Sie die wichtigsten Begegnungen?
Conchita: Da muss man natürlich als erstes Jean Paul Gaultier nennen. Ich habe ihn in diesem Jahr ungefähr siebenmal getroffen. Mittlerweile begrüße ich einen der größten Modeschöpfer der Welt mit: Was machst denn du da? (lacht) Unfassbar, wie schnell er mich aus dieser professionellen Distanz in sein emotionales Umfeld geholt hat und mit mir spricht, als ob wir uns seit Jahren kennen würden. Dann ging es weiter mit Karl Lagerfeld, Valentino . . . und jetzt bin ich sogar zu den Golden Globes eingeladen. Das ist schon unfassbar.

"Krone": Eigentlich wollten Sie ja Anfang des Jahres Ihr Album aufnehmen – da kommen jetzt die Globes dazwischen...
Conchita: Die kann ich doch auf keinen Fall absagen. Aber das ist der einzige Termin, den ich annehme. Ich will ja endlich mein Album aufnehmen, schließlich ist es mein allererstes Solo- Album. Ich kann es kaum noch erwarten.

"Krone": Vor kurzem ist Ihre Single "Heroes" erschienen – schon für die haben Sie sich erstaunlich viel Zeit gelassen.
Conchita: Der Wirbel war einfach zu groß. Ich wollte mich nicht einsperren für die Aufnahme, sondern alles sehen, erleben und genießen. Und ich finde es schön, dass die Menschen so lange gewartet haben.

"Krone": Am 3. 3. erscheint auch ein Buch – "Ich, Conchita". Ist das Ihre Biographie?
Conchita: Das maße ich mir mit 26 Jahren noch nicht an. Es ist die Geschichte vom Song Contest bis hierher, mit vielen Bildern und Anekdoten. Die Arbeit daran war für mich sehr schön, weil ich alles in Ruhe noch einmal reflektieren konnte.

"Krone": Seit Ihrem Sieg gelten Sie auch als Symbol der Toleranz – ist das nicht manchmal eine Bürde?
Conchita: Ich finde eigentlich nicht, dass ich vertretend für irgendwen ein Symbol bin. Natürlich ehrt es mich, aber ich selbst habe das nie gesagt oder versprochen. Deswegen lasse ich mich davon auch nicht unter Druck setzen. Ich kann nur versprechen, das zu tun, woran ich glaube. Wenn es Menschen gibt, die das so sehen wie ich, dann sind sie herzlich eingeladen, sich meiner Meinung anzuschließen. Und wenn nicht, dann eben nicht.

"Krone": Sie wurden in diesem Jahr auch mit wirklich bösartigen Beschimpfungen konfrontiert - haben Sie es wirklich geschafft, sich nicht verletzen zu lassen?
Conchita: Ja, obwohl ich mich für eine sehr sensible Person halte, ist es mir tatsächlich gelungen, es nicht an mich heranzulassen. Ich habe einfach festgestellt, dass ich nur verletzt werden kann, wenn ich jemanden mag. Aber diese Menschen kenne ich ja nicht.

"Krone": Conchita Wurst stand heuer ständig im Rampenlicht – wie viel Platz blieb da für Tom Neuwirth?
Conchita: Es war schon das Jahr der Frau Wurst. Aber ich habe mir immer wieder Pausen genommen, sodass es genug Platz für Tom gab. Ich liebe es, nach einem anstrengenden Tag die Perücke abzunehmen, die Tür hinter mir zuzumachen und Zeit alleine zu genießen.

"Krone": Wie gelingt es Ihnen, nicht die Bodenhaftung zu verlieren?

Conchita: Das liegt sicher daran, dass die Leben von Conchita und Tom so unterschiedlich sind. Tom ist nicht berühmt, muss die Wäsche machen und Rechnungen bezahlen, Conchita erlebt all diese spannenden Dinge. Dadurch verliere ich nie den Kontakt zur Realität. Aber es hat sicher auch etwas mit meiner Erziehung zu tun – und dass man Respekt für seinen Mitmenschen hat.

"Krone": Viele glauben, Sie sind seit dem Song Contest Millionärin – ist das wirklich so?
Conchita: Da zitiere ich gerne meine Oma: Über Geld spricht man nicht. Nur so viel: Um mich hat man sich vorher nicht sorgen müssen, und jetzt auch nicht. Aber ich brauche keinen Ferrari und habe einen guten Sinn fürs Haushalten.

"Krone": Nach so einem aufregenden Jahr, kann man da für das nächste noch groß träumen?
Conchita: Auf jeden Fall – ich habe noch keinen Grammy (lacht). 2014 durfte ich den Sieg genießen, 2015 werde ich den Fokus auf mich als Musikerin richten. Da muss ich schauen, dass ich als Künstlerin in dieser harten Branche überlebe.

"Krone": Haben Sie Angst davor, dass der Erfolg plötzlich vorbei sein kann?
Conchita: Nein, sicher hat man Stress, weil man immer nur so erfolgreich ist, wie sein letztes Produkt. Aber das motiviert ja auch sehr. Und selbst wenn es einmal vorbei ist, dann hat es halt nicht sein sollen. Ich möchte in meinem Leben einfach für immer glücklich sein. Das mag vielleicht ein bisschen naiv sein, aber für mich hat das bis jetzt gut funktioniert.

28.12.2014, 12:00
Von Franziska Trost, Kronen Zeitung
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