Heinz Prüller: Didi, darf man jetzt schon gratulieren?
Didi Mateschitz: Wozu genau?
Prüller: Zu Hamilton. Auch in Silverstone wird darüber geredet. Es gibt sogar Fotomontagen – Lewis im blauen Overall?
Mateschitz: So a Bledsinn. Eine Ente von A bis Z, mediale Erfindung, von uns nicht einmal angedacht.
Prüller: Warum war er dann in deiner Energy-Station auf ein Getränk?
Mateschitz: Er wollte vielleicht Akzente setzen. So etwas passiert doch immer wieder bei Spitzenfahrern in der Formel 1, die momentan mit sich oder dem Auto nicht zufrieden sind, egal ob bei Ferrari, Mercedes oder McLaren. Aber von einer Transferidee stimmt nichts, auch nicht irgendwas.
Prüller: Weil es deiner Pyramidenidee – junge Talente von ganz unten bis in die Formel 1 zu bringen – widerspricht?
Mateschitz: Stimmt, es gibt so viele Fahrer, die nur drauf warten – die würden die Welt nicht verstehen. Daniel Ricciardo vor allem, aber auch Vergen, momentan der beste Franzose. Die Grande Nation leidet ja schon lang darunter, dass sie niemanden in der Formel 1 hat. Und vergiss nicht bei Toro Rosso Alguersuari, der sich stark verbessert hat, und Buemi. Erst wenn wir in unserem Pool keine Formel-1-fähigen Piloten hätten, käme einer von den Arrivierten in Frage. Und abgesehen davon: Wir haben noch Mark Webber, von dem wir sehr viel halten: athletisch, schnell, verlässlich.
Prüller: Klingt so, als würde Webber auch über die Saison 2011 hinaus bleiben…
Mateschitz: Das ist theoretisch noch offen, aber wahrscheinlich, nur noch nicht bestätigt. Wir wussten ja nicht, was er vorhat, und waren auch selber nicht sicher. Aber im Frühsommer hat er dem Team gegenüber definitiv erklärt: Ich fühle mich gut, schnell und stark – ich häng noch ein Jahr dran.
Prüller: Also noch ein Jahr das Stallduell mit Sebastian Vettel, aber hoffentlich kein Stallkrieg?
Mateschitz: Rivalität ist normal, fair sein auch. Also müssen sich auch zwei Alphatiere verstehen.
Prüller: Wie happy macht dich diese Saison? Wie lang dauert's, bis Vettel wieder Formel-1-Weltmeister ist?
Mateschitz: Wenn Vettel bis jetzt in acht Rennen nur 16 mögliche Punkte liegengelassen hat und Mark Webber WM-Zweiter ist, wäre es Blasphemie, wenn du nicht zufrieden bist…
Prüller: Trotz der Querschüsse, die wiederholt vom Automobil-Weltverband FIA abgefeuert werden?
Mateschitz: Das war zu erwarten, dass es eine "Lex Red Bull" geben wird. Zuerst wurden die heißen Auspuffgase verboten, die wir gar nicht wirklich verwendet hatten, jetzt wurden die kalten verboten.
Prüller: Und trotzdem steht Vettel, dem wie gesagt ein Traumstart gelungen ist, vor seinem zweiten WM-Titel. Wie lang kann's dauern?
Mateschitz: Dass diese Weltmeisterschaft noch nicht gelaufen ist, wissen auch alle. Aber das bissl Pech von 2010 hat Sebastian schon vergessen lassen.
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