Do, 26. April 2018

Gesetz im Visier

03.01.2018 13:48

Wie Behinderten das Recht auf Arbeit genommen wird

Der Fall des Tirolers Matthias Rossmann offenbart die gesetzliche Diskriminierung von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt. Der Verein Vianova will eine Gesetzesänderung erwirken und sammelt dafür derzeit Unterschriften.

Matthias Rossmann ist Autist. Er kann nicht alles, aber einige Dinge viel besser als andere Menschen. Der 41-Jährige ist verlässlich, belastbar, genau. Das hat sein Chef sehr geschätzt. Sechseinhalb Jahre arbeitete Rossmann in einer Kerzenfabrik. Als diese zusperrte, verlor er seinen Job. Und er verlor noch viel mehr!

"Recht auf selbstbestimmtes Leben genommen"

"Mein Sohn hat das Recht auf Arbeit verloren", formuliert es Martha Rossmann und ergänzt: "Und man hat ihm damit sein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben genommen." Früher sei ihr Sohn jeden Tag gut gelaunt zur Arbeit gegangen, habe sehr viel auch in der Freizeit selbst erledigt. Heute sei Matthias verzagt, traurig und kapsle sich immer mehr von der Welt ab, schildert die Mutter.

Auslöser war eine Einstufung der Arbeitsfähigkeit des Innsbruckers, für die das AMS ein Gutachten in Auftrag gab. Die Pensionsversicherungsanstalt prüfte. Am Ende kam man zum Schluss, dass Matthias Rossmann "dauernd invalid" sei. Diese Einstufung hatte weitreichende Folgen. "Matthias fiel damit komplett aus dem System hinaus. Er bekommt nie mehr Arbeitslosengeld, keine Förderungen für eine Integration am Arbeitsmarkt. Er darf faktisch gar nicht mehr arbeiten, was natürlich auch fatale Auswirkungen auf die Pension hat. Die öffentliche Hand zahlt lieber 3000 Euro Behindertenbetreuung für Matthias, anstatt ihm die Möglichkeit zu geben, seinen Beitrag in der Gesellschaft zu leisten." So fasst Katja Rief, Obfrau des Außerferner Vereins Vianova, die Konsequenzen zusammen.

Parlamentarische Bürgerinitiative

Der Verein Vianova kämpft für die Integration von Behinderten in Schulen und am Arbeitsmarkt. Der Fall von Matthias Rossmann war nun Anlass für eine parlamentarische Bürgerinitiative. Rief: "Bundesgesetze lassen diese Diskriminierung zu. Dort wollen wir eine Änderung erwirken." Mindestens 500 Unterschriften sind notwendig, damit das Anliegen überhaupt behandelt wird. Bis 31. Jänner will man das schaffen. Wer unterschreiben will, kann das über die Homepage des Vereins tun: www.vianova-austria.at

Martha Rossmanns sehnlichster Wunsch: "Ein Job für Matthias. Vielleicht in einer Bibliothek. Mein Sohn liebt Bücher über alles."

Claudia Thurner, Kronen Zeitung

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