Sa, 18. November 2017

Happy Birthday

14.11.2017 11:00

Weltmusiker Hubert von Goisern wird 65

Momentan ist eine Ruh'. Wann immer er ein Projekt zu Ende gebracht hat, verschwindet Hubert von Goisern von der Bildfläche, nimmt sich eine Auszeit. Seine letzte Unternehmung, den US-Südstaatenblues mit den heimatlich-alpinen Klängen zu verquicken, brachte in Form von Studio- und Liveplatte sowie einer ausgedehnten Tour reichlich Frucht. Am 17. November wird der Schmelztiegel der Musiken 65.

Hubert Achleitner, so sein bürgerlicher Name, trat mit zwölf Jahren als Trompeter der Blasmusikkapelle in Bad Goisern bei, als 19-Jähriger, mittlerweile langhaarig und renitent, wurde er rausgeworfen. Viel später erst, 1986, griff er erstmals zur Ziehharmonika, die er jahrelang nicht angerührt hatte. "Einmal hatte ich eine ganze Flasche Schnaps intus und war so nudeldicht, dass ich beschlossen hab, das Ding zu zerreißen, was natürlich nicht ging", schilderte von Goisern den Beginn einer großen Liebe. Das Jodeln erlernte er auf einer Autobahnbrücke bei Regensburg, jüngste autodidaktische Aneignung seines instrumentalen Talents: das Alphorn. Aber: Geübt wird so gut wie nicht, denn "Üben ist Blödsinn", sagt er selbst.

Musikalischer Querkopf
Anfang der 1970er-Jahre versuchte er sich in Südafrika als Chemielaborant und Apartheid-Gegner, später in Kanada als Musikstudent, zwischenzeitlich heiratete er seine Freundin, nahm ihren Namen an und hieß Hubert Sullivan. Zurück in Österreich traf er in Wien auf den Musiker Wolfgang Staribacher, mit ihm gründete er die Alpinkatzen, derweil seine Ehe in die Brüche ging. Das erste Album "Alpine Lawine" (1988) floppte, das Duo trennte sich und "HvG" übersiedelte nach Salzburg, wo er auch heute noch lebt. Den Bandnamen nahm er mit, bestückte die Formation mit neuen Musikern, u.a. mit Sabine "Alpine Sabine/Zabine" Kapfinger. Mit zwei Alben, Hits und Konzerthöhepunkten wie "Koa Hiatamadl", "Heast es net" und "Weit, weit weg" sowie ausgedehnten Tourneen gingen die Alpinkatzen förmlich durch die Decke, doch just am Höhepunkt der noch jungen Bandkarriere machte von Goisern Schluss und wechselte das Metier.

Für Joseph Vilsmaiers "Schlafes Bruder" komponierte er die Filmmusik, vor der Kamera trat er in "Hölleisengretl" an der Seite von Martina Gedeck in Erscheinung. 2014 nutzte er eine "Auszeit" abermals für Arbeiten an film- und ausstellungsbegleitender Musik.

Ab 1996 erweiterte Von Goisern seinen persönlichen und künstlerischen Horizont mit Reisen nach Tibet und zu Jane Goodall nach Tansania - die ethno-musikalische Aufarbeitung beider Ausflüge gibt's auf CDs. Nach seiner Rückkehr erschienen wieder Alben in gewohnter "Hubert-Manier". Von 2007 bis 2010 bestritt er sein wohl gewagtestes Abenteuer: Auf einem Konzertschiff musizierte er mit Band die Donau entlang bis zum Schwarzen Meer und bis zur Nordsee, in Buchform unter dem Titel "Stromlinien" nachzulesen, als Live-Dokument auf "Haut und Haar" nachzuhören. Im Frühjahr 2011 konzertierte er mit unveröffentlichtem Liedgut in zahlreichen Provinz-Wirtshäusern, im Herbst erschien dann das Album "EntwederUndOder", das ihm mit "Brenna tuats guat" spät aber doch die allererste Nummer eins in den heimischen Charts bescherte.

Leidenschaftlicher Weltenbummler
Ende 2014 wurde der Ehrenbürger von Bad Goisern, sechsfache Amadeus Music Award-Gewinner und Vater zweier erwachsener Kinder zum Wiederholungstäter - wieder tourte er durch die Lande und spielte gänzlich unbekannte Kompositionen. Die Monate zuvor hatte er den Süden der USA erkundet und war mit reichlich unangenehmen Erfahrungen und massenhaft Blues im Gepäck zurückgekehrt. Das Werk "Federn" erblickte erst ein halbes Jahr nach der Tour das Licht der Welt, fast zeitgleich mit der filmdokumentarischen Würdigung "Brenna tuat's schon lang". Am 23. November wird er als Schirmherr der Volksliedwerk-Aktion "Komm, sing mit" präsentiert.

Er, der sich selbst als Lebensverschwender bezeichnet, er, der mit der Bezeichnung seiner Musik als "Alpenrock" nie wirklich glücklich ist ("Wenn man mich fragt: Es ist meine Musik"), er, der sich gegen die Einvernahme seiner Musik bei Parteiveranstaltungen verwehrt und sich klar zu Bundespräsident Alexander van der Bellen bekennt, gönnt sich momentan eine schöpferische Pause. Aber er kommt wieder - sein Website-Eintrag vom Neujahrstag 2017 verspricht: "Kopf und Herz sind randvoll mit eigenen Träumen und Plänen, die der Umsetzung harren."

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