Mo, 20. November 2017

24.10.2017 19:42

„Überstunden für Ärzte nicht verbieten!“

Darf ein Arzt nach 2020 noch länger als 48 Stunden pro Woche arbeiten? Das soll jeder selbst entscheiden und längere Dienste frei wählen können, fordern jetzt Klinik-Leitungen und Landesvize Christian Stöckl. Die Ärztekammer legte zuletzt Daten auf den Tisch, wonach vor allem junge Mediziner nicht mehr dazu bereit sind.

Die Prognosen sind düster: Bis 2020 fehlen an Salzburgs Spitälern 80 bis 100 Ärzte, wenn tatsächlich jeder Mediziner nur noch maximal 48-Stunden pro Woche arbeitet. Noch liegen die Dienstzeiten weit darüber. Die Ärztekammer legte vor kurzem Daten vor, wonach vor allem die junge Generation künftig nicht mehr bis zu 60 Stunden oder mehr in der Klinik verbringen will.

Mediziner sollen frei entscheiden können
Derzeit wählen genügend Ärzte die sogenannte Opt-Out-Regel, stimmen also freiwillig längeren Arbeitswochen zu. Rund die Hälfte arbeitet in den SALK länger, im Krankenhaus Schwarzach sind es sogar 72 Prozent. Sollten in Zukunft nur 25 Prozent zur Verfügung stehen, spare das 50 zusätzliche Stellen, rechnet SALK-Chef Paul Sungler. Auch Patienten würden unter ständig wechselnden Gesichtern bei Visiten leiden, so Sungler.

Kliniken sind gegen 48-Stunden-Grenze
Der Blick über die Grenze zeigt: Auch in Bayern geht der Trend zu strengeren Dienstzeit-Regelungen. Aus dem Klinikum Großhadern in München mit 1800 Ärzten heißt es: "Der Arbeitseinsatz ist für Ärzte pro Woche auf 48 Stunden limitiert." Betriebsvereinbarungen als "Schlupfloch" sind nicht vorgesehen. Einzige Möglichkeit, Ärzte länger ans Spital zu binden, seien Bereitschaftsdienste wie etwa in Notaufnahmen. Zur Zeit interessieren sich auch noch genügend Ärzte für die Uni-Klinik. Gerd Rasp, Vorstand der HNO in Salzburg, kennt als Bayer beide Seiten: In Deutschland seien Sonderverträge gängige Praxis. Auch in Dänemark gelten 48-Stunden-Dienste. Dort wurde aber seit der Jahrtausendwende jedes dritte Klinikum geschlossen.

Zentrale Forderung für die Zukunft von allen Seiten: Mehr Qualität und Kreativität bei der Ausbildung! Die geforderte Ärzte-Assistenz sei an den SALK schon vorhanden. 22 sogenannte MOA’s - medizinische Sekretärinnen bzw. auch spezielle Pflege wie Cancer Nurses - entlasten.

Sabine Salzmann, Kronen Zeitung

Inverview: Jörg Hutter
"Junge Kollegen wollen das nicht"
Dozent Jörg Hutter ist in der Ärztekammer Kurienobmann der Spitalsmediziner. Die Umfrage soll eine Warnung an die Politik sein. Warum macht die Ärztekammer gegen 60-Stunden-Wochen mobil?
Die Umfrage zeigt uns, dass junge Kollegen nicht mehr länger arbeiten wollen. Das freiwillige Opt Out (Mehrarbeit) ist ein Rettungsanker, mit dem man versucht, das System aufrecht zu erhalten.

Soll man Überstunden verbieten?
Die Politik muss erkennen, dass es Änderungen im System braucht. Nur über Dienstzeit zu diskutieren, ist zu wenig.

Befürchten Sie, dass Ärzte unter Druck mehr arbeiten?
Schon jetzt gaben 63 Prozent an, dass sie längere Dienste aus organisatorischen Gründen übernehmen.

Inverview: Ludwig Gold
"Wir pflegen gutes Miteinander!"
Ludwig Gold, kaufmännischer Geschäftsführer im Krankenhaus Schwarzach, fordert flexiblere Modelle bei der Arbeitszeit.Wie viele Spitalsmediziner arbeiten in Schwarzach freiwillig länger?
Wir haben 1400 Mitarbeiter, davon 200 Ärzte. 74 Prozent haben unterschrieben, dass sie länger arbeiten. Es gibt die unbefristete und die auf ein Jahr begrenzte Variante.

Sie sind gegen die 48-Stunden-Grenze?
Wir sind für flexible Modelle und gehen bereits auf Wünsche der Mitarbeiter ein. Viele Junge sagen mir: ,Ich möchte mehr Dienste machen, sonst lerne ich zuwenig.’

Wie akut ist der Ärztemangel in Schwarzach?
Im Moment geht es uns noch gut. Aber in Zukunft wird es den ländlichen Raum verstärkt treffen.

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