Mi, 22. November 2017

Start bei den Herren

15.10.2017 13:54

ÖSV-Stars gegen Vonns Pläne: „Kasperltheater“

Soll Lindsey Vonn schon nächstes Jahr bei einer Herren-Abfahrt im alpinen Ski-Weltcup antreten dürfen? Eindeutig nein, wenn es nach den österreichischen Damen und Herren geht. "Wenn sie in Lake Louise startet, macht sich der FIS-Weltcup ein bisschen zum Kasperltheater", sagte Hannes Reichelt in Richtung des Weltverbandes, der diese vielleicht historisch bedeutsame Frage im Mai 2018 klären will.

Der US-amerikanische Skiverband hat bei der FIS-Herbsttagung in Zürich einen Antrag eingebracht, der es Vonn erlauben soll, im Jahr 2018 einmalig die Männer-Abfahrt in Lake Louise zu bestreiten. Auf der Strecke im kanadischen Banff-Nationalpark gilt die ab Mittwoch 33-jährige Vonn bei den Damen als fast unschlagbar, daher auch der Spitzname "Lake Lindsey". Beim jüngsten FIS-Kongress wurde beschlossen, über diesen Antrag erst bei der nächsten Sitzung im kommenden Mai zu entscheiden.

Reichelt: "Dann kannst du den Damensport gleich abschaffen"
"Wenn das die FIS zulässt, dann muss man ehrlich gesagt die FIS ernsthaft hinterfragen", machte Reichelt seinen Standpunkt klar. Demnach brächte ein punktueller Vergleich der Geschlechter weder dem Ski-Weltcup noch der Frauenbewegung etwas. "Weil dann kannst du den Damensport gleich abschaffen", meinte der Salzburger, der auch als Athletenvertreter fungiert.

Hütter: "Werde nie sagen, ich möchte bei den Herren fahren" 
Seine ÖSV-Kolleginnen beharren ebenfalls auf der strikten Geschlechtertrennung, die im Sport fast überall praktiziert wird. Die prominentesten Ausnahmen sind Pferdesport, Motorsport und Langstrecken-Segeln, Spezialfälle wie Mixed- und Tanzbewerbe sind da nicht mitgerechnet. "Meiner Meinung nach soll man dort bleiben, wo man ist. Ich werde sicher nie sagen, ich möchte mit den Herren fahren", befand Cornelia Hütter jüngst bei einem Medientermin in Salzburg.

Venier: "Darf auch nicht bei den Bayern mitspielen"
"Es geht nicht darum, ob ich das gerne tun würde", erklärte ihre österreichische Speed-Konkurrentin Stephanie Venier. "Herren sind Herren, Damen Damen. Ich darf auch nicht, wenn ein Fußballspiel bei den Herren ist, als Dame bei den Bayern mitspielen", meinte die aktuelle Abfahrts-Vizeweltmeisterin.

"Wir haben unser eigenes Rennen in Lake Louise", sagte auch Anna Veith. Für sie geht es Vonn in Wahrheit nicht um den sportlichen Vergleich, sondern rein um Werbung in eigener Sache. "Sie kann bei jeder Abfahrt, wo sie will, wo die Herren starten, als Vorläuferin runterfahren. Das hat ihr keiner verboten. Warum tut sie es nicht, wenn sie es will?", fragte Veith und lieferte folgende Antwort gleich selbst: "Sie will ja gesehen werden."

ÖSV-Damen wittern PR-Strategie
Ramona Siebenhofer pflichtete bei: "Sie will halt schon sehr viel Aufmerksamkeit erregen." Die Aussage von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel, der gemeint hatte, wenn schon Geschlechterkampf, dann auf einer anspruchsvolleren Strecke, unterschrieben alle Befragten. "Es ist, glaube ich, die leichteste Herrenstrecke", meinte Siebenhofer. "Wenn sie einen wirklichen Vergleich will, soll sie in Bormio, in Wengen, Gröden oder Kitzbühel starten", sagte Reichelt.

Der Routinier würde innerhalb der FIS-Gremien tätig werden, wenn das Thema mehr Traktion gewinnen sollte. "Jetzt bin ich aber einmal sehr froh, dass das vertagt ist aufs Frühjahr." Der Weltcup ist für den 37-Jährigen kein Experimentierfeld. Wenn Vonn ernsthaft an einem Kräftemessen mit Männern interessiert sein sollte, "muss ihr Sponsor ein Einladungsrennen organisieren und hoffen, dass einige Topläufer kommen".

Eine Skype-Konferenz von Athletensprechern mehrerer FIS-Sportarten förderte laut Reichelt hundertprozentige Übereinstimmung zutage. "Im Endeffekt haben dort auch die Damen gesagt, sie finden es nicht richtig." Auch eine Befragung aller Alpin-Athleten bei Damen und Herren zu der Materie kann er sich vorstellen. "Es gibt im Frühjahr immer einen Fragebogen, den wir ausschicken, nachher hat man wenigstens eine Meinung dazu." Laut Reichelt wäre das ein Statement, das die FIS nicht ignorieren könnte.

krone Sport
Redaktion
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