Mo, 18. Dezember 2017

3 Tote nach Bankraub

10.10.2017 18:10

D: "Geiselgangster" kommt nach 30 Jahren frei

Bald ist er ein freier Mann: Einer der "Geiselgangster" von Gladbeck, der heute 60 Jahre alte Dieter Degowski, kann jetzt im Gefängnis die Koffer packen, er wird nach fast 30 Jahren Haft entlassen. Der Langzeit-Insasse war 1988 mit seinem Komplizen Hans-Jürgen Rösner (59) nach einem missglückten Bankraub mit Geiseln auf der Flucht vor der Polizei. Das Geiseldrama - eines der spektakulärsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte - hielt Deutschland drei Tage lang in Atem. Drei Menschen starben. Es hagelte damals Kritik an Politik, Polizei und Medien.

Am Morgen des 16. August 1988 stürmten Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner schwer bewaffnet eine Bank im nordrhein-westfälischen Gladbeck. Sie nahmen zwei Geiseln und forderten einen Fluchtwagen sowie 420.000 D-Mark. Journalisten gaben sie ein erstes Interview. Kurz nachdem die Kriminellen am Abend mit Geiseln und Geld losfahren, stieg Rösners Freundin zu. Am nächsten Tag kaperten sie in Bremen einen Linienbus und nahmen 35 Geiseln. Sie gaben Interviews und ließen mehrere Geiseln frei.

Geiselnehmer erschoss 15-jährigen Burschen
Als die Polizei Rösners Freundin vorübergehend festhielt, erschoss Degowski eine Geisel, einen 15-jährigen Burschen. Bei der weiteren Verfolgung verunglückte ein Polizist tödlich. Die Geiselnehmer ließen den Bus stehen und flüchteten mit zwei Bremer Geiseln in einem Auto. Ein Journalist fuhr in Köln sogar ein Stück mit. Am Mittag des 18. August griff ein Sondereinsatzkommando auf der Autobahn bei Bad Honnef zu. Die 18-jährige Silke Bischoff starb durch eine Kugel aus Rösners Waffe.

Die Polizei überarbeitete danach ihre Einsatztaktik für solche Szenarien grundlegend. Bremens Innensenator Bernd Meyer (SPD) trat zurück. Die Medien wurden wegen mangelnder Zurückhaltung kritisiert. Der Deutsche Presserat legte später fest, dass es Interviews mit Tätern während des Geschehens nicht geben dürfe.

Komplize Rösner sitzt weiter ein
Rösner und Degowski wurden vor 25 Jahren, im März 1991, zu lebenslanger Haft verurteilt, Rösner mit anschließender Sicherungsverwahrung. Anträge auf Hafterleichterungen und Gnadengesuche wurden bisher ablehnt. Im Fall Degowski hatte das Landgericht die JVA bereits 2013 aufgefordert, ihn schrittweise auf die Entlassung vorzubereiten. Degowski hatte daraufhin einige Ausgänge einwandfrei bewältigt.

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