So, 19. November 2017

„Blade Runner 2049“

04.10.2017 15:35

Atemberaubend schöner (Alb)Traum vom Menschsein

Wie knüpft man 35 Jahre später an einen Meilenstein der Filmgeschichte an? Dieser schwierigen Herausforderung hat sich Regie-Ass Denis Villeneuve ("Arrival", "Sicario") mit "Blade Runner 2049" gestellt, als er die Regie bei diesem mit Spannung erwarteten Sci-Fi-Thriller übernommen hat. Fans können aufatmen, denn die mit Harrison Ford, Ryan Gosling und Jared Leto hochkarätig besetzte Fortsetzung ist ein absolutes Highlight des Kinojahres 2017 und ein mehr als würdiger Nachfolger des 80er-Kultfilms von Meister Ridley Scott. Ab Donnerstag im Kino.

Wir schreiben das Jahr 2049. 30 Jahre sind vergangen, seit Harrison Ford als der titelgebende Blade Runner Rick Deckard Jagd auf abtrünnige Replikanten, künstlich geschaffene Menschen, gemacht hat. Am Ende brannte Deckard mit der überirdisch schönen Androidin Rachael (Sean Young) durch, gemeinsam ließen sie das verregnete Los Angeles der Zukunft hinter sich - und die Zuschauer mit der bis heute teils heftig diskutierten Frage zurück: Ist Deckard selbst ein Replikant?

Tiefer Blick in eine überbevölkerte und unterernäherte Zukunft
Seither hat sich die Welt weiter an den Rand des Abgrundes bewegt. Eine zunehmend digitalisierte Menschheit ächzt unter den Auswirkungen einer zerstörten Umwelt. Überbevölkert und unterernährt lebt die Mehrheit in einer dystopischen Welt, in der die wenigsten jemals einen lebenden Baum zu Gesicht bekommen haben - und ein Stück Holz dich reich machen kann. Ein gewaltiger Blackout wurde zu einer Art Zäsur in der Geschichte, die nun in Vor- und Nach-dem-Blackout unterteilt wird. Riesige Datenmengen, und damit auch wertvolles Wissen über unsere Zivilisation, gingen bei der Katastrophe unwiderruflich verloren.

Replikanten sollen sich jetzt selbst fortpflanzen können
Das eigentlich eingestellte Replikanten-Programm der Tyrell Corporation wurde von dem blinden Visionär Wallace (Oscar-Preisträger Jared Leto, "Dallas Buyers Club", "Suicide Squad") wieder aufgenommen. Weil die Menschheit ihr Heil in den Sternen sucht, steigt die Nachfrage nach Replikanten, die nun als "biotechnisch hergestellte Wesen" präsentiert werden, ins Unermessliche. Sie sind die Arbeitssklaven der Zukunft, nachdem die Menschen ihren "Magen" verloren haben, ihresgleichen zu versklaven, wie es Wallace formuliert. Der mächtige Firmenmogul, der einem modernen Imperator gleichkommt, will deshalb das scheinbar Unmögliche möglich machen: Replikanten, die sich selbst fortpflanzen können.

Neuer Blade Runner Gosling macht Jagd auf Harrison Ford
Hier setzt die Handlung von "Blade Runner 2049" mit dem neuen Blade Runner, dem LAPD-Cop K (Ryan Gosling), ein. Als K ein veraltetes Replikantenmodell "in den Ruhestand" versetzen will, gräbt er buchstäblich ein Geheimnis aus, das die ohnehin fragile Weltordnung endgültig ins Chaos stürzen könnte. Die Ermittlungen rund um ein verschwundenes Kind bringen K schließlich auf die Spur eines früheren Blade Runners: Rick Deckard.

Atemberaubend schön in Szene gesetzt
Visuell muss sich "Blade Runner 2049" mit Sicherheit nicht hinter dem ikonischen Original verstecken. Egal ob K gerade mit seinem Flugauto - vom Automobil-Hersteller Peugeot - über riesige Solarzellen-Felder fliegt oder durch die sandumwehten Ruinen eines postapokalyptischen Las Vegas schreitet - optisch ist der 163 Minuten lange Film atemberaubend schön in Szene gesetzt. Musikalisch knüpfen Hans Zimmer und Benjamin Wallfisch äußerst behutsam an die ätherische Synthesizer-Musik an, für die 1982 Vangelis verantwortlich zeichnete. Positiv bemerkbar macht sich - just in einem Film über eine digitalisierte Zukunft - auch der verstärkte Einsatz von praktischen Effekten, die alles einfach plastischer und gelebter wirken lassen.

Ebenso genial und frustrierend wie das Original
Das wichtigste ist aber letztlich die Handlung: Hier denkt die Fortsetzung die Themen des Originals rund um das Menschsein konsequent weiter. Regisseur Villeneuve und seinen Drehbuchautoren gelingt es darüber hinaus, einen tieferen Blick auf die Welt von "Blade Runner" zu werfen und den Zuschauer mit neuen Fragen zu konfrontieren - die nicht alle fein säuberlich aufgelöst werden. Somit ist "Blade Runner 2049" am Ende ein ebenso geniales wie frustrierendes - wie schon Scotts Film vor 35 Jahren -, modernes Meisterwerk. Eine würdige Fortsetzung, von der vielleicht sogar eines Tages gesagt wird, sie sei besser als das Original ...

"Blade Runner 2049" läuft ab Donnerstag, 5. Oktober, in den heimischen Kinos.

Harald Dragan
Redakteur
Harald Dragan
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