Di, 21. November 2017

Emotionale Szenen

28.07.2017 20:50

Wut, Fassungslosigkeit und Tränen

Betroffenheit, Schulterklopfen, Durchhalteparolen: Vor dem Landesgericht spielten sich berührende Szenen ab, das zermürbende Warten auf ein Urteil zehrte an den Nerven. Bürgermeister Heinz Schaden kam um 17.45 Uhr, gefasst. Vor dem Eingang nahmen in seine Wegbegleiter in die Arme. Dann flossen die Tränen.

Viele waren gekommen, um ihm beizustehen: Heinz Schadens langjährige Wegbegleiter, Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer, sein Nachfolger Bernhard Auinger, seine Mitarbeiter, Parteifreunde. Sie warteten vor dem Landesgericht, immer und immer wieder wurde die Urteilsverkündung nach hinten verschoben. Schaden blieb gefasst, schüttelte noch Hände, doch am Ende übermannten ihn die Gefühle. Umarmungen, Tränen, herzliche Worte - sein schwerster Gang.

"Sauerei" zischte es aus den Zuschauerreihen

Bis zuletzt lebte die Hoffnung vor der Tür: "Ein Freispruch muss es werden, der Bürgermeister ist kein Verbrecher, er hatte immer das Wohl der Stadt vor Augen."

Zehn Minuten später war alles vorbei, die Richterin las die Urteile über die sieben Angeklagten vor, die Köpfe sanken gegen Boden.

Fassungslosigkeit, versteinerte Gesichter, wütendes Aufschnaufen, Kopfschütteln. "Sauerei", zischte es aus den Zuschauerreihen: "Die Chancen sind bestens mit einer Nichtigkeitsbeschwerde, das hält nicht."

Während der Urteilsbegründung protestierte Othmar Raus, Eduard Paulus rief: "Ein Fehlurteil!"

Wütender Protest nach Ende des Verfahrens

Als die Richterin die Verhandlung schloss, stand die Tochter von Raus auf, warf einen Satz nach vorne: "Lernen Sie unabhängiges Denken in Den Haag, Frau Rat!" (Geisselhofer wird für drei Monate im Herbst berufsbedingt dorthin wechseln).

Schaden stand auf, Wegbegleiter stützten ihn auf dem Weg nach draußen, mit einer Decke vor Blicken geschützt, wurde er in einen Wagen gesetzt und weggefahren.

Angeklagte, Beobachter und SPÖ-Begleiter blieben betroffen wie ratlos zurück, am Wochenende beraten die Parteigremien. Den anderen Angeklagten sprachen die Verteidiger Mut zu, Angehörige waren zur Unterstützung gekommen. Große Hoffnungen liegen nun auf dem Obersten Gerichtshof.

Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer

Aus dem Gerichtssaal wanderten massenweise SMS und Facebook-Postings nach draußen, nur mehr dieses Thema beherrschte die sozialen Netzwerke. Auch dort Betroffenheit, aber auch viel Zustimmung zu den Urteilen.

Michael Pichler, Kronen Zeitung

Stadtpolitik im Schock: Reaktionen auf das Urteil

Harald Preuner (ÖVP):
"Für mich ist das Urteil zur Kenntnis zu nehmen und ich werde es nicht weiter kommentieren, weil es noch nicht rechtskräftig ist. Unabhängig davon ist es für mich persönlich eine menschliche Tragödie, denn der Bürgermeister und ich haben immer sehr gut zusammengearbeitet."

Helmut Hüttinger (BL):
"Ich bin wirklich erschüttert und halte es für einen traurigen Schlussstrich unter eine sehr erfolgreiche Tätigkeit als Bürgermeister. Heinz Schaden ist für mich nach wie vor für ein integrer Mensch, der meines Erachtens nicht jemanden vorsätzlich schädigen wollte. "

Barbara Unterkofler (Neos):
"Ich bin gerade ein bisschen sprachlos, weil mich die Intensität doch überrascht. Menschlich bedauere ich das Urteil, aber es ist auch ein klarer Appell mit politischer Macht verantwortungsvoll umzugehen."

Andreas Reindl (FPÖ):
"Ein hartes Urteil, habe damit nicht gerechnet. Ich gehe davon aus, dass er sich jetzt freiwillig zurückzieht. Danach muss sofort ein Sondergemeinderat einberufen werden, um den Weg frei zu machen für Gemeinderatswahlen. Die Karten müssen ganz neu gemischt werden."

Christoph Ferch (Salz): "Sehr bedauerlich, ich glaube persönlich nicht, dass er vorsätzlich gehandelt hat."

Anna Dobler, Kronen Zeitung

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