Mi, 17. Jänner 2018

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11.07.2017 22:16

Katia Wagner: Schuld sind immer die anderen

"Willkommen in der Hölle" nannte sich einladend die militante Anti-Globalisierungs-Demo, unter deren Deckmantel bis zu 10.000 gewaltbereite Linksextremisten Molotowcocktails und Steine warfen. Vermummte Krawalltouristen zogen durch die Straßen Hamburgs, zerschlugen Schaufenster, plünderten Geschäfte, zündeten Autos an, warfen Steine auf Menschen. Zwei Tage lang war Hamburg ein einziger Gewalt-Ballermann. Später wird es heißen: Alle anderen sind schuld an der Zerstörung und an der Gewalt - die Polizei, die Medien, die Merkel, der Trump - alle, nur nicht die Linken.

Entlarvt wurde dieses selbstgerechte Eigenbild durch Statements wie von Ralf Stegner (SPD), der erklärte, dass es gar keine gewalttätigen Linken gäbe. Ganz im Gegenteil, denn nur "bei Rechten gehört Gewalt zur politischen DNA".

Auch die österreichischen Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) meldeten sich zu Wort: Auch wenn die eine oder andere Demonstration im Rahmen des G20-Gipfels möglicherweise "kritisch" zu sehen ist, sei es die Polizei, die mit ihrer "Eskalationsstrategie" und mit der "massiven Repression", die hier übers Ziel geschossen sei. Diese Logik ist schon spannend: verwüstete Straßen und vor Schutt stehende Bürger - und am Ende beklagt man aber die böse und gemeine Polizeigewalt. Auf dem linken Auge ist man im Zweifel blind.

Schon Ernst Jandl wusste: Lechts und Rinks kann man velwechsern. Was Linksextremen übrig bleibt, ist ihre scheinbare moralische Überlegenheit. Autos anzünden für eine "gute" Sache, Geschäfte plündern gegen die Armut in der Welt, Steine werfen gegen die Ungerechtigkeit des Kapitalismus. Aber: geworfene Steine tun weh, egal, ob sie von rechts oder links geworfen werden. Extremismus bleibt Extremismus, egal, ob rechts oder links.

Im Adidas-Jogger gegen den Kapitalismus
Worum es den linksmilitanten Demonstranten eigentlich geht? In Vans-T-Shirt, mit Jim Beam in der Hand, untenrum ein Jogger von Adidas, es guckt eine Calvin-Klein‐Unterhose hervor, werden markige Sprüche geklopft, wie: "Kampf dem Kapitalismus", "Uns eint die Ablehnung des Kapitalismus", "Gegen die Herrschaft und Unterdrückung". Frei nach dem Motto: Kapitalismus nein danke, aber Diesel macht schon ganz gute Mode.

Auf Bildern, die durch die Medien gehen, sieht man antikapitalistische Demonstranten vor brennenden Autos Selfies machen, stilecht mit einem Iphone 7. Ob sich Marx, Engels und Lenin je vorgestellt hätten, dass ihre Ideologien einmal neben Feel-good-Smoothies und aufblasbaren Schwimm-Einhörnern zum Instagram-Trend pervertiert werden? Präsentieren statt demonstrieren. Narzissmus statt Überzeugungen. Mir waren die Linksextremen, die sich gegen Waldrodungen selbstlos an Bäume gekettet haben, lieber, als jene Wohlstandsdemonstranten, die heute mit der Parole "Nein zu Kapitalismus" Apple-Stores plündern und das neueste Iphone gleich mit einpacken.

Gewonnen hat Calvin Klein
Was übrig bleibt, sind verwüstete Straßenstriche, zerstörte Supermärkte, vor den Trümmern ihrer Geschäfte stehende Kleinunternehmer und abgebrannte Autoleichen von unbeteiligten Bürgerinnen und Bürgern. Es war ein harter Kampf zwischen Polizei und Demonstranten. Gewonnen hat nicht der Staat, nicht der Antikapitalismus, nicht links, nicht rechts. Gewonnen hat Calvin Klein.

Katia Wagner

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