Do, 18. Jänner 2018

"Homecoming"

12.07.2017 10:04

Spider-Man ist zurück - jünger und besser denn je!

Aller guten Dinge sind drei: Das haben sich wohl auch die erfolgsverwöhnten Blockbuster-Produzenten aus dem Hause Marvel gedacht, die jetzt in "Spider-Man: Homecoming" (Kinostart: 14. Juli) die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft in der dritten Neuverfilmung durch die Häuserschluchten von New York schwingen lassen. Aber kein Grund zum Gähnen, dank der tatkräftigen Unterstützung von Iron Man (Robert Downey jr.) und einer genialen Teenie-Schauspielertruppe zeigt Peter Parker (Tom Holland) seinen Vorgängern, wo das Spinnennetz hängt. Ein erfrischend junges Superhelden-Abenteuer - ganz ohne Weltenrettung, aber dafür mit viel Herz und dem spritzigen Charme einer Highschool-Komödie.

Die Geschichte von Spider-Man kennt heute wohl so gut wie jedes Kind. Immerhin ist Tobey Maguire schon drei Mal auf der großen Leinwand herumgekrabbelt, Andrew Garfield brachte es danach noch mal auf zwei Kino-Auftritte. Dessen war man sich auch bei den Filmstudios Marvel und Sony bewusst, die sich für die Neuauflage - das dritte Reboot in nur 15 Jahren - zusammengetan haben, um Spider-Man endlich ins Marvel-Universum einzugliedern. Fans und Filmbesucher danken herzlichst, wird uns doch eine Wiederholung der Geschichte über die "Geburt" des Spinnen-Superhelden erspart.

Dumme Anfängerfehler und fragwürdige Heldentaten
In "Homecoming" wird nicht zum dritten Mal erzählt, wie der junge Peter Parker von einer radioaktiv verseuchten Spinne gebissen wird und danach Superkräfte in ihm wachsen. Stattdessen ist Peter alias Spider-Man bereits einige Zeit als Nachwuchsheld im Einsatz, allerdings noch mitten in der Selbstfindungsphase - dumme Anfängerfehler und fragwürdige Heldentaten inklusive. Etwa wenn er einen Mann beim Aufbrechen eines Autos überwältigt, sich dann aber herausstellt, dass es sich um den Wagenbesitzer handelt, der nur den Schlüssel verlegt hat. Oder wenn Spider-Man beim schnellen Wechsel in sein Spinnen-Kostüm über sich selbst stolpert.

Der Film knüpft unmittelbar an das fulminante Debüt des neuen Spider-Man in "The First Avenger: Civil War" an. Beschwingt von der Tatsache, dass er tatsächlich bei einem Kampf der Avengers mitmischen durfte, kehrt der erst 15 Jahre alte Peter Parker aus Europa nach New York zurück, wo er im Stadtteil Queens mit seiner Tante May (Marisa Tomei, Oscar-prämiert für ihre Rolle in "Mein Vetter Vinnie") lebt.

Nachwuchsheld mit Teenie-Problemen
Der junge Peter führt kein leichtes Leben, muss er doch die sozialen Untiefen der Highschool durchtauchen und sich zugleich möglichst unerkannt als Superheld durch die Straßen von New York schwingen - alles unter den wachsamen Augen seines neuen Mentors Tony Stark alias Iron Man, der dem 15-Jährigen kurzerhand seinen Leibwächter Happy Hogan (Jon Favreau, "Iron Man") als Superhelden-Anstandsdame zur Seite stellt.

Vorgabe für den Nachwuchshelden: Er soll möglichst keine großen Wellen schlagen, brav zur Schule gehen und sich ab und zu um die kleinen Verbrechen in seiner Nachbarschaft kümmern.

Doch wie es sich für einen Teenager gehört, will Peter natürlich nicht auf die Erwachsenen und ihre Regeln hören. Vielmehr will der 15-Jährige beweisen, dass er mehr ist als nur der sympathische Spider-Man aus der Nachbarschaft. Er träumt davon, offizielles Mitglied der Avengers zu werden und Seite an Seite mit Hulk, Thor, Iron Man und Captain America - der übrigens gleich mehrere geniale Kurzauftritte hat - gegen das Böse kämpfen. Als aber The Vulture (Michael Keaton) als neuer Gegenspieler auftaucht, gerät plötzlich alles, was Peter im Leben wichtig ist, in große Gefahr.

Überfällige Frischzellenkur für das Superhelden-Genre
Regisseur Jon Watts ("Cop Car") ist es jedenfalls gelungen, was viele nicht für möglich gehalten haben: Spider-Man sprichwörtlich und buchstäblich eine Frischzellenkur zu verpassen. Die Entscheidung, Peter Parker wieder in die Schule zu schicken, war genau das, was das Superhelden-Genre gebraucht hat. Der Held als pubertierender Teenager, als Nesthäkchen unter den Superhelden. Näher an den Comics war Spider-Man, der aus Nervosität bei seinen Spinnweben-spinnenden Einsätzen Sprüche ohne Ende klopft, noch nie.

Wenn Peter Parker im Unterricht von seinen Klassenkameraden gehänselt, bei einer Party im Haus seiner Traumfrau in Verlegenheit gebracht wird oder als Spider-Man angesichts mangelnder Hochhäuser zu ebener Erde durch die New Yorker Vorstadt sprinten muss, fühlt man sich als Zuschauer wohlig-warm an die besten Highschool-Komödien der 80er- und 90er-Jahre zurückerinnert. Da verwundert es wenig, dass Marvel-Mastermind Kevin Feige sich bei der neuen Spider-Man-Reihe an der Erfolgsgeschichte eines anderen berühmten Schülers orientieren will: Harry Potter, nur halt mit Spinnweben statt Zauberstab.

Fazit: "Spider-Man: Homecoming" beweist, dass ein Superhelden-Film manchmal keine dramatische Weltenrettung braucht, um wahre Größe zu beweisen. Der neue Spidey ist mit Abstand auch der beste, der sich je über die große Leinwand schwingen durfte - und das Marvel-Universum aus einer neuen - jugendlichen und dringend fälligen - Perspektive zeigt.

Harald Dragan
Redakteur
Harald Dragan
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