Fr, 15. Dezember 2017

Nach Abbruch

03.06.2017 12:45

"Rock am Ring"-Veranstalter: "Büßen für Fall Amri"

"Rock am Ring"-Veranstalter Marek Lieberberg hat bei einem Statement zum Abbruch des Festivals am Freitagabend schwere Vorwürfe gegen die Behörden erhoben. "Ich glaube, dass wir hier für das büßen müssen, was im Fall Amri oder in anderen Fällen zu wenig getan wurde." Durch Versäumnisse der Ermittlungsbehörden sei eine andere Gemütslage eingetreten, sodass womöglich "schneller gravierende Entscheidungen getroffen werden als vorher". Inzwischen wurde von der Polizei Entwarnung gegeben, das Festival geht weiter. Drei Verdächtige wurden wieder auf freien Fuß gesetzt.

"Warum bei dieser Gefährdungslage gleichzeitig ein Fußballspiel stattfinden kann, ist mir aber nicht ganz klar", empörte sich Lieberberg gegenüber Journalisten. "Rock am Ring" hatte am Freitag wegen Terrorgefahr abgebrochen werden müssen, das Gelände wurde evakuiert. Die Polizei durchsuchte das Areal, fand aber nichts. Am Samstagvormittag wurde dann grünes Licht für die Weiterführung des Festivals gegeben.

Lieberberg betonte, dass keine verdächtigen Gegenstände gefunden werden konnten. "Aber wir sind ja immer der Prügelknabe, wenn es um so etwas geht", machte der Veranstalter seinem Ärger Luft. Natürlich stehe für ihn die Sicherheit der Besucher und der Künstler an erster Stelle. "Aber in anderen Situationen, zum Beispiel beim Fußball, ist die Polizei sehr wohl gewillt, das Risiko mitzutragen."

"Sind Opfer des Behördenversagens in Sachen Terrorismus"
Er sehe sich und die Veranstaltung ganz klar als "Opfer des Behördenversagens in Sachen Terrorismus", so Lieberberg. Dabei sprach er dezidiert den Fall Amri an. Der 24-jährige Tunesier Anis Amri war im Dezember in Berlin mit einem Lkw in einen Weihnachtsmarkt gerast und hatte dabei zwölf Menschen getötet sowie Dutzende weitere teils schwer verletzt.

"Jetzt muss mal Schluss sein mit 'This is not my Islam'"
Lieberberg ging auch mit der muslimischen Gemeinschaft hart ins Gericht: "Und ich bin auch der Meinung, dass jetzt mal Schluss sein muss mit 'This is not my Islam', 'This is not my shit', 'This not my whatever'. Ich möchte endlich mal Demos von Muslimen sehen, die sich gegen die Gewalt richten."

Am Samstag teilte Lieberberg schließlich via Facebook mit, die Polizei habe "grünes Licht für eine Wiederaufnahme der Aufbauarbeiten auf den Bühnen" gegeben. Lieberberg dankte den Besuchern für "unglaublich diszipliniertes Verhalten und die vorbildliche Kooperation". Um 13 Uhr würden die Türen zum Festivalgelände wieder geöffnet.

Verdächtige wieder auf freiem Fuß
Drei am Freitagabend unter Terrorverdacht vorläufig festgenommene Männer seien wieder frei, die Ermittlungen dauerten jedoch an, teilte ein Polizeisprecher am Samstag bei einer Pressekonferenz auf dem Festivalgelände am Nürburgring mit. Die Verdächtigen werden den Ermittlern zufolge der hessischen Salafistenszene zugerechnet.

Minister: "Dürfen wir keine Risiken eingehen"
Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) verteidigte den vorübergehenden Abbruch des Festivals: "In einer solchen Bewertungssituation dürfen wir keine Risiken eingehen." Er verwies auf ähnliche vorsorgliche Absagen, etwa beim Fußball-Länderspiel Deutschland-Niederlande in Hannover im November 2015 kurz nach den Anschlägen von Paris und beim Radrennen "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" im April 2015. Im Februar 2015 war zudem der Karnevalsumzug in Braunschweig wegen Hinweisen auf mögliche Terroranschläge abgesagt worden.

Polizeipräsenz massiv erhöht
Schon vor der Unterbrechung hatten Sicherheitsbedenken das Festival begleitet. Die Polizeipräsenz am Nürburgring war - auch vor dem Hintergrund des Terroranschlags auf ein Konzert in Manchester vor anderthalb Wochen - auf mehr als 1200 Beamte aufgestockt worden. Für das Festival selbst war es eine Rückkehr: In den vergangenen beiden Jahren hatte "Rock am Ring" auf dem Flugplatz Mendig stattgefunden, mehrere Besucher wurden dabei bei Blitzschlägen verletzt.

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