Di, 19. Dezember 2017

Kritik an Studie

30.05.2017 08:31

Kunstschnee hilft Umwelt? Debatte über Forscher

Die Ergebnisse einer Studie zur technischen Beschneiung von Pisten durch Experten der steirischen Forschungsgesellschaft Joanneum Research sorgen österreichweit für heftige Diskussionen. Demnach wirke sich die Erzeugung von Kunstschnee positiv auf die Umwelt aus. Scharfe Kritik an der Studie kommt etwa von einem Innsbrucker Gletscherforscher.

Kunstschnee auf den Pisten ist die Antwort der Wintertouristiker auf zunehmend mildere Winter mit wenig Schnee. Naturschützer kritisieren dabei den hohen Einsatz von Strom und Wasser. Laut den steirischen Experten, die die Studie für 79 Skigebiete in Tirol und 32 in der Steiermark erstellt haben, würde der abkühlende Effekt bei der technischen Beschneiung die Emissionen der Kunstschneeerzeugung jedoch aufwiegen und so den Energieeinsatz kompensieren.

"Rückstrahlwirkung hebt klimaschädigende Auswirkung auf"
In der Klimabilanz wurde laut dem Grazer Volkswirt Franz Prettenthaler von Joanneum Research der dazu notwendige Energieeinsatz und damit verbundene Treibhausgasemissionen, aber auch der sogenannte Albedo-Effekt berücksichtigt. "Der Albedo-Wert misst die Rückstrahleigenschaften einer Oberfläche. Ein höherer Albedo-Wert bedeutet für die Strahlungsbilanz der Erde einen geringeren Strahlungsantrieb und daher weniger Erwärmung", erklärt Prettenthaler. Der positive klimatische Effekt der Oberflächen-Albedo-Änderung aufgrund beschneiter Pisten überwiegt den negativen Emissionseffekt der Kunstschneeerzeugung", brachte Prettenthaler das Resultat auf den Punkt.

Die Einsparung an Treibhausgasemissionen für beide Bundesländer liege bis zum Jahr 2016 bei 316.000 Tonnen CO2-Äquivalenten. Das komme einer Einsparung der Treibhausgas-Emissionen gleich, die der Jahreskilometerleistung von 140.000 durchschnittlichen Pkw entspricht.

Gletscherforscher: "Ich bin skeptisch"
"Ich bin skeptisch und würde gerne wissen, wie die Grazer Kollegen zu den Ergebnissen gekommen sind" - so reagierte der Innsbrucker Gletscherforscher Georg Kaser auf die umstrittene Klimabilanz. Seine Bedenken gegenüber der Studie beruhen auf dem Umstand, dass die Untersuchung noch kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen habe und in keinem Fachjournal veröffentlicht worden sei.

"Die Frage nach der Richtigkeit der Ergebnisse der Studie ist hier zweitrangig", so der Professor vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Innsbruck. Das eigentliche Problem sei, "dass zur Studie bisher jegliche Informationen zu den verwendeten Methoden und Daten fehlen, die sie reproduzierbar machen würde", hielt Kaser fest. Grundsätzlich gehe es um die "Sauberkeit der Arbeit": "Wir können es nicht überprüfen." Zweifel könnten daher "weder bestätigt noch ausgeräumt werden", so Kaser.

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