Mo, 11. Dezember 2017

Weitere Festnahmen

24.05.2017 11:48

Manchester: Salman Abedi "war nicht allein"

Nach dem blutigen Terroranschlag von Manchester kommen nun immer mehr Details zu Attentäter Salman Abedi ans Tageslicht. Der 22-jährige Brite mit libyschen Wurzeln war erst vor wenigen Tagen aus dem Heimatland seiner Eltern zurückgekehrt. Dass er Teil eines Netzwerks war, gilt mittlerweile als sicher. Am Mittwoch wurden drei weitere Männer festgenommen. Die britische Innenministerin Amber Rudd sagte dazu: "Er hat wahrscheinlich nicht alleine gehandelt." Abedi war den Behörden bereits vor der Tat bekannt, sagte Rudd der BBC.

Die Ausführung des Anschlags sei "anspruchsvoller gewesen als einige der Anschläge, die wir davor erlebt haben", sagte Rudd. Das deute darauf hin, dass Abedi "wahrscheinlich nicht alleine gehandelt" habe. "Ich bin sicher, dass wir bei Abschluss dieser Ermittlungen mehr herausfinden werden." Am Mittwoch meldete Channel 4, dass drei weitere Männer im Zusammenhang mit dem Attentat festgenommen wurden.

Polizei geht von Netzwerk aus
Die Polizei geht inzwischen eindeutig von einer Unterstützergruppe rund um den Attentäter aus. Das sagte der Polizeichef von Manchester, Ian Hopkins, am Mittwoch. Bei der Terrorattacke ist auch eine Polizistin ums Leben gekommen. Die Frau sei privat beim Konzert gewesen. Insgesamt hatte der Attentäter 22 Menschen in den Tod gerissen.

Dass der Selbstmordattentäter, der am Montagabend 22 Menschen mit in den Tod riss, offenbar Teil eines Netzwerks war, hat dazu geführt, dass in Großbritannien die Terrorwarnstufe erstmals seit 2007 hinaufgesetzt wurde. Das bedeute, dass ein weiterer Anschlag unmittelbar bevorstehen könne, sagte Premierministerin Theresa May am Dienstagabend in einer Fernsehansprache nach einer Sitzung des Sicherheitsrats. Die Bedrohungslage werde auf Basis der Ermittlungen nun als kritisch eingestuft.

Abedi reiste vor Attentat nach Libyen
Wie mehrere britische Medien berichten, hatte sich Abedi vor der Tat etwa drei Wochen lang in Libyen und vermutlich auch in Syrien aufgehalten. Ein Teil der Familie lebt nach wie vor in Libyen, Salman Abedi und sein Bruder Ismail (23) wurden beide in Großbritannien geboren. Ihre Eltern waren vor dem Gadafi-Regime geflüchtet, sollen aber nach dem Sturz des Diktators wieder zurückgekehrt sein. Ismail Abedi wurde am Dienstag im Zusammenhang mit dem Anschlag festgenommen, die Polizei durchsuchte sein Wohnhaus.

Salman Abedi soll außerdem Kontakt zu dem weltweit gesuchten Al-Kaida-Anführer Abd al-Baset Azzouz gehabt haben. Wann genau er sich radikalisiert hat, ist unklar. Azzouz gilt als einer der gefährlichsten Terroristen, berüchtigter Bombenbauer und Sprengstoffexperte. Er stammt ebenfalls aus Manchester.

Bruder war Lehrer in Koranschule
Abedi hatte mit seinem Vater und seinem Bruder regelmäßig eine Moschee besucht, sein Bruder war auch als Lehrer in einer Koranschule tätig. Der Vater war laut einem Bericht des "Guardian" Muezzin und Vorbeter, sei Extremismus und IS aber sehr ablehnend gegenübergestanden, so Nachbarn und Bekannte. 2015 sei es deswegen zu einem Zerwürfnis zwischen Salman Abedi und seinem Vater gekommen.

Salman Abedi hatte sich am Montagabend nach dem Konzert des US-Teeniestars Ariana Grande im Foyer der Manchester Arena in die Luft gesprengt. Nach dem Terroranschlag sind 20 Verletzte weiterhin in einem kritischen Zustand. Insgesamt hätten die Rettungskräfte 64 Verletzte behandelt, sagte Jon Rouse, der Chef der örtlichen Gesundheitsbehörden, dem Sender Sky News am Mittwoch. Die Ärzte behandelten unter anderem schwere Verletzungen an Armen und Beinen. "Das sind schwer traumatisierende Verletzungen", sagte Rouse, einige Opfer würden sehr lange brauchen, bis sie wieder ein einigermaßen normales Leben führen könnten.

Alle Todesopfer identifiziert
Alle 22 Todesopfer des Attentats von Manchester sind nach Polizeiangaben mittlerweile identifiziert. Die Polizei teilte am Mittwoch mit, man sei nun sicher, die Identität aller Todesopfer zu kennen. Die Familien seien kontaktiert und würden von Fachleuten betreut. Die Untersuchungen der Leichname werde aber noch vier bis fünf Tage in Anspruch nehmen.

Erst danach könnten alle Opfer offiziell namentlich genannt werden. Nach dem Anschlag von Montagabend sind bereits einige Namen von Todesopfern bekannt geworden. Das bisher jüngste bekannte Todesopfer ist ein achtjähriges Mädchen.

Michaela Braune
Redakteurin
Michaela Braune
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