Mi, 22. November 2017

Spionageverdacht

15.02.2017 08:42

Razzia bei Erdogan-Geistlichen in Deutschland

In Deutschland hat die Polizei die Wohnungen von mehreren Geistlichen durchsucht, die für den türkisch-islamischen Verein Ditib arbeiten. Sie sollen unter Spionageverdacht stehen, berichtet "Spiegel online". Der Religionsverein Ditib steht dem türkischen Staatsapparat und Präsident Recep Tayyip Erdogan nahe.

Ditib-Imame und Religionsattachés sollen im Auftrag des türkischen Amtes für religiöse Angelegenheiten, Diyanet, Gemeindemitglieder sowie deutsche Lehrer bespitzelt und angebliche Anhänger des islamischen Predigers Fetullah Gülen in Ankara gemeldet haben, heißt es in dem Bericht.

Seit den Morgenstunden des Mittwochs wurden die Wohnungen von vier Geistlichen in den Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchsucht. Der Auftrag zur Razzia kam vom Generalbundesanwalt, der seit Monaten gegen die Verdächtigen wegen geheimdienstlicher Aktivitäten ermittelt.

Grüner Religionssprecher erstattete Anzeige
Losgetreten worden war der Fall durch eine Strafanzeige des religionspolitischen Sprechers der Grünen im deutschen Bundestag, Volker Beck. Beck hatte der Bundesanwaltschaft im Dezember brisantes Material übermittelt, berichtet "Spiegel online". Dabei handelte es sich um diverse Dokumente, darunter ein Schreiben von Diyanet an türkische Auslandsvertretungen sowie Berichte türkischer Generalkonsulate in Deutschland nach Ankara.

Erdogan-Verein streitet alles ab
Ditib hatte die Vorwürfe zunächst abgestritten. Die "neuerlichen Unterstellungen" seien "fern der Wirklichkeit", sagte ein Sprecher damals. Später hieß es dann, einige Imame hätten eine Anweisung von Diyanet fehlinterpretiert. Der Verband untersteht durch seine Staatsnähe letztlich der Kontrolle Erdogans. Zu Ditib gehören in Deutschland rund 900 Moscheegemeinden.

Auch gegen das Österreich-Pendant Atib wurden jetzt Ermittlungen aufgenommen, nachdem der Sicherheitssprecher der Grünen, Peter Pilz, mittels zahlreicher Dokumente Erdogans Spitzelnetzwerk aufdeckte. Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) hatte am Dienstag nach einem Gespräch mit Pilz eine sofortige Sonderprüfung der Finanzen des Kulturvereins Atib angeordnet.

 krone.at
Redaktion
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