Di, 23. Jänner 2018

Böse Buben

20.10.2006 19:01

Gangs of London

Liegt es an der schlechten Küche oder dem miesen Wetter? Auf jeden Fall sind die Herren Ganoven von "Gangs of London" nicht gerade zum Spaßen aufgelegt. Auch ihre Umgangsformen im Kampf um die Herrschaft Londons sind nicht gerade die besten...

Das Ziel ist einfach und dürfte einen echten Gangster vor keine allzu große Herausforderung stellen: Werde König der Unterwelt und weite nach und nach deine Kontrolle über London aus. Die dir dabei im Weg stehenden Gangs sind - wie könnte es anders sein – aus dem Weg zu räumen.

Zu Beginn des Spiels muss man sich allerdings erst einmal entscheiden, mit welcher der insgesamt fünf Gangs man durch London plündern und raubschatzen möchte.  Da wären beispielsweise die bösen Russen, die Chinesen-Mafia, britische Proleten-Prügler oder die allseits bekannten Tief-hängende-Hosen-Gangster.

Jede der Gruppierungen ist in gewissen Fertigkeiten (Treffsicherheit, fahrerisches Können, etc.) mal stärker und mal schwächer, so dass der Vergleich untereinander durchaus lohnt. Egal für welche Ganoven du dich entscheidet: Story und Missionsziele bleiben gleich.

In Gruppen die Stadt unsicher machen
Hast du dich festgelegt, findest du dich in einer Trainingsmission wieder. Hier lernst du dich lautlos anzuschleichen, um Wachen und ähnliches mit einem kurzen Kopf-Verdreher auszuschalten oder - wer es friedlicher mag - als Geisel zu nehmen. Wichtigstes Feature ist jedoch das Befehligen der anderen Gangster-Kollegen, bewegt man sich in "Gangs of London" doch häufig in kleineren Gruppen durch die Straßen der Stadt.

Mit einfachen Kommandos kann man die Burschen dann an vorderste Front schicken oder ihnen befehlen, sich zurückzuhalten. Erfolgt kein Kommando, folgen die Herren ihrem Anführer auf Schritt und Tritt. Besonders praktisch: Per Knopfdruck kann der Spieler zwischen den Charakteren wechseln. Das ist immer dann von Vorteil, wenn der eigene Held langsam aber sicher drauf geht oder man auf die Sprengkraft von Dimitris Handgranaten zurückgreifen muss.

Foltern, ausrauben, prügeln - für jeden Geschmack etwas dabei
Gelegenheit dazu gibt es in über 60 unterschiedlichen Missionen schließlich mehr als genug. Mal gilt es die Konkurrenz unbeobachtet auszukundschaften oder von der Straße zu drängen, Kurierfahrten zu übernehmen oder die Tochter des gegnerischen Fieslings zu kidnappen. Über einen Menü-Bildschirm darf der Spieler frei zwischen den recht kurzen Missionen wählen. Immer tiefer verstrickt man sich dabei in Fehden mit den anderen Gangs, deren Rachefeldzüge dann meist nicht lange auf sich warten lassen.

Für jede geglückte Mission wird der Ganove mit Erfahrungspunkten belohnt, die ihn Stück für Stück zu einem mächtigeren Gauner aufsteigen lassen. Scheitert die Mission, ist das auch kein Problem: Jeder Auftrag steht so lange zur Verfügung, bis er erfolgreich absolviert wurde. Für die Absolvierung bestimmter Level gibt auch Ausrüstungsgegenstände, Fahrzeuge und andere Boni zur Belohnung.

Modi, wohin das Auge sieht...
Wer sich mit allen fünf Gangs zum König der Unterwelt hochgearbeitet hat, der sucht vielleicht ein wenig Abwechslung. Hier bietet "Gangs of London" eine Fülle an unterhaltsamen Modi und Mini-Games. Wem der Story-Modus nämlich zu actionreich ist, der spielt vielleicht lieber das "Strategiespiel", eine Mischung aus Risiko und Poker, oder genießt die zahlreichen "Freie Fahrt"-Spiele. Hier darf man als rüpelnder Tourist die Stadt unsicher machen, als Taxler durch Westminster heizen oder sich wilde Verfolgungsjagden mit den Polizisten liefern.

Ein weiteres Highlight ist das kleine Spielchen "Four weeks later", in der filmischen Umsetzung auch als "28 days later" bekannt, in dem ihr die durch London irrenden Zombies zur Strecke bringen müsst. Wem das immer noch nicht reicht, der begibt sich nach getaner Arbeit ins Pub, um bei einer Runde Darts, Billiard, Kegeln oder Schach zu entspannen. Zu Guter letzt darf im Mehrspieler-Modus auch noch mit Freunden um die Herrschaft über London gestritten werden.

Die Optik, die Akustik und der Rest
Optisch ist "Gangs of London" ein etwas zweischneidiges Schwert. Zwar sind die vielen comic-artigen Sequenzen zwischen den Missionen sehr abwechslungsreich und interessant gestaltet, im Spiel selber fehlt es dann jedoch manchmal an etwas Farbe. London ist zwar häufig grau, so trist dann aber doch nun wieder nicht. Ein paar Details mehr wären nett gewesen.

Sound und Sprachausgabe hingegen sind sehr gut geworden, wenngleich das Spiel leider ohne deutsche Übersetzung oder Synchronisation auskommen muss. Wer den Gangster-Slang nicht versteht, hat Pech gehabt. Kritik gibt es auch noch in punkto KI anzubringen: Ohne Deckung zu suchen, laufen die Kollegen auf die Gegner zu, die wiederum ebenfalls auf offener Straße herumstehen. Vielleicht haben die Burschen eben auch einfach nichts mehr zu verlieren...

Fazit: "Gangs of London" bietet viele gute Ansätze, überzeugt aber letzten Endes nicht hundertprozentig. Viele der Aufträge wiederholen sich nach einer Weile, zudem sind die Missionen sehr kurz gehalten und bieten nicht den erwünschten Freiraum, wie man ihn aus anderen Gangster-Spielen kennt. Absolut punkten kann das Spiel hingegen mit den zahlreichen Mini-Games und anderen Spiel-Modi, die langfristig eher zu begeistern wissen als der Story-Mode.

Plattform: PSP
Publisher: Sony
Krone.at-Wertung: 74%


von Sebastian Räuchle

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