Di, 21. November 2017

Reinhard Gösweiner

14.01.2017 21:47

„Es muss eine Linie geben“

Die Heim-WM in Hochfilzen ist vor der Tür: Wie Biathlon-Cheftrainer die Saison bislang bilanziert, wie es um Simon Eder steht und wie er die Abspaltung der Biathlonschmiede sieht.

Herr Gösweiner, wie fällt Ihre Saisonbilanz bis dato aus?

Nach passablem Einstieg hatten wir im Dezember einen Durchhänger. Mit den letzten Rennen müssen wir sehr zufrieden sein, gerade mit den Einzelergebnissen von Julian Eberhard.

Sorgenkind ist der zuletzt kranke Simon Eder.

Das ist natürlich ein Problem. Wir müssen Tag für Tag schauen.

Kann er bis zur WM in Topform kommen?

Auf alle Fälle. Es sind noch gut drei Wochen. Wenn er jetzt wieder mit dem Training beginnt, sehe ich keine Probleme.

Überrascht Sie Eberhards tolle Entwicklung?

Nein! Ich habe von Anfang an an ihn geglaubt, seine Fortschritte gesehen. Er ist Perfektionist. Daher war klar, dass es ihm auch mal im Rennen gelingt.

In der Staffel wird er die obligatorische Strafrunde nicht los. Warum?

In Ruhpolding war das auch ein Rätsel für mich. Er ist gleich beim ersten Schuss ins Schleudern geraten. Es ist aber keine Blockade, hat nichts mit Nervosität zu tun. Er schafft es aber noch nicht, sein System immer abzurufen.

Welche Bedeutung hat es für Sie, einen dritten Topmann zu haben?

Das ist das Schönste für mich. Ich wollte immer eine große Breite in der Mannschaft haben. Es kann ja immer mal was sein. Perfekt, dass wir noch einen haben, der sich auf dem Niveau von Dominik Landertinger oder Simon Eder bewegt. Mit ihm tun wir uns wesentlich leichter.

Bei den Damen ist Lisa Hauser gesetzt. Und dann?

Lisa ist ein Wahnsinn, hat in jeder Hinsicht einen Schritt gemacht. Beim Rest war eine Entwicklung da, aber keine konnte es zu einhundert Prozent zeigen. Julia Schwaiger war jetzt leider krank. Sie hätte sich noch einmal beweisen können, dort zu sein, wo sie in der Quali war.

Die Nummer zwei im Team …

Genau. Bei den Rennen ist es ihr nur einmal aufgegangen, der Rest war - wie bei den anderen in der Mannschaft - durchwachsen. Christina Rieder hat zu Saisonbeginn gepunktet,  genauso wie Fabienne (Hartweger, Anm.). Katharina Innerhofer bislang noch nicht. Bei Susi Hoffmann wird’s schwierig für die WM. Es kann aber schnell gehen, eine krank werden. Dann spielt sie eine Rolle.

Die Abspaltung der Biathlonschmiede um Hauser, Schwaiger und Dunja Zdouc war ein großes Thema - auch jetzt noch?

Im Winter sind wir ein Team. Jeder weiß, dass es nur miteinander geht. Wenn jemand im Sommer seinen eigenen Weg gehen will, kann man das nicht verhindern. Es muss aber klar sein, dass der Verband die Richtlinien vorgibt und man nicht auf jeden Einzelnen Rücksicht nehmen kann. Es muss eine Linie geben.

Auch Landertinger, Eberhard oder Eder haben individuelle Programme. Warum wird nicht jeder unterstützt?

Simon wurde unterstützt, er bekam seine Kurse bezahlt. Bei den Mädels war das anders. Wir wollten eine Lösung, dass alle Trainer bleiben.

Wobei Sandra Flunger, Trainerin der Biathlonschmiede, entmachtet worden wäre.

Was heißt entmachtet? Es hätte drei Damentrainer gegeben. Sie hätten sich ihr Team gestalten können. Ich habe auch Trainer, die ihre Sache miteinander bewältigen. Wer welche Bereiche übernimmt, muss man abstimmen.

In diesem Fall war es ja eine Sache der Philosophie. Die Damen haben anfangs das neue System versucht, aber befunden, dass sie lieber mit Flunger weiterarbeiten. Wie hätten sich die beiden unterschiedlichen Vorstellungen vereinbaren lassen?

Das ist die Frage. Wenn ich an Rhythmen festhänge, wird es schwierig. Es gibt aber immer Lösungen. Auch bei den Herren trainiert nicht jeder das Gleiche. Es muss aber ein Grundrahmen eingehalten werden. Es war so, dass sie unseren Weg nicht gehen wollten. Dann haben wir gesagt, sie müssen es alleine bewerkstelligen.

Gibt es Bestrebungen, sich nach der Saison an einen Tisch zu setzen?

Es wird im Frühjahr - wie immer - eine Analyse geben, dazu Besprechungen mit den jeweiligen Trainern. Das ist aber ÖSV-intern. Denn sonst müssten wir noch fünf andere Trainer mitnehmen. Felix (Leitner) trainiert etwa auch bei Florian Steirer.

Tut man sich beim ÖSV schwer, Kompetenzen abzugeben?

Glaube ich nicht. Es kann aber nur eine gemeinsame Richtung im Skiverband geben. Es kann nicht sein, dass der eine das tut, der andere was anderes.

Marcel Hirscher zieht auch sein Ding durch.

Er ist trotzdem in der Mannschaft und passt sich an gewisse Dinge an. Das ist bei uns dasselbe. Das Thema ist, dass man auch mal loslassen und neue Wege probieren muss.

Themenwechsel: Hat sich der neue Wachstruck, der den Serviceleuten die Arbeit enorm erleichtert, bezahlt gemacht?

Auf alle Fälle. Für das Serviceteam war es eine riesige Aufwertung. Es gibt sechs Arbeitsplätze, dazu ist die Schleifmaschine immer dabei. Es ist eine Riesenerleichterung. Wir hatten immer Topmaterial.

Das braucht es auch bei der WM in Hochfilzen. ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel gab als Ziel zwei bis drei Medaillen aus. Deine Meinung?

Eine Medaille ist das Ziel schlechthin. Wenn wir in Topform sind, ist sogar mehr möglich. Es wird aber extrem schwierig, ganz vorne zu landen.

Interview: Christoph Nister, Kronen Zeitung

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