Fr, 15. Dezember 2017

Liu Jia trug Fahne

06.08.2016 03:34

Supershow bei Eröffnung der Spiele in Rio!

Es war eine Show der Superlative, ein farbenfrohes Spektakel! In der Nacht auf Samstag sind in Rio de Janeiro die Olympischen Sommerspiele eröffnet worden. Um Punkt 02:02 Uhr MEZ marschierten Österreichs Sportler ein, angeführt von Tischtennis-Lady Liu Jia. Topmodel Gisele Bündchen spielte eine große Rolle bei der Opening Ceremony, denn es war ihr letzter Auftritt als Supermodel.

Unglaubliche Projektionen im Stadion, eine fesselnde Lichtshow - und ein buntes Feuerwerk an Programmpunkten begleiteten die Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro in der Nacht auf Samstag.

Um 1:00 Uhr MEZ startete im Maracana-Stadion in Rio das Event der Superlative, exakt um 2:02 Uhr marschierte Österreichs Delegation in Lederhosen und blauen Westen ins Stadion. Die Fahne dufte Tischtennis-Lady Liu Jia tragen.

Für die Amerikaner war Schwimm-Superstar Michael Phelps der erste Mann beim Einmarsch, bei Spanien Tennis-Held Rafael Nadal.

Bündchens letzter Walk
Supermodel Gisele Bündchen gehörte aber der erste Auftrit bei der fast vierstündigen Show, sie stolzierte 128 Meter durch die Arena. Es war ihr größter und letzter Auftritt als Model. Die Eröffnung war ein bombastisches Farbfeuerwerk, bei dem man erst die Geschichte des Landes erklärte, danach vor dem Klimawandel warnte, ehe die Sportler endlich einmarschieren durfen. Die Athleten machten pausenlos Selfies und waren sichtlich gerührt - die Augen der Sportler strahlten.

Brasiliens suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff hat sich tief enttäuscht gezeigt, die Eröffnungsfeier nicht im Maracana-Stadion verfolgen zu können. "Ich bin traurig, dass ich die Feier nicht live und direkt sehen kann", schrieb sie bei Twitter. Rousseff hatte die Spiele federführend mitorganisiert und finanziell unterstützt, ihr Vorgänger Luiz Inacio Lula da Silva hatte die Spiele 2009 nach Brasilien geholt. Auch er war am Freitag nicht im Stadion.

Rousseffs bisheriger Vizepräsident Michel Temer von der Partei der demokratischen Bewegung (PMDB) hatte sich mit Oppositionsparteien verbündet, um die notwendigen Mehrheiten für Rousseffs Amtsenthebung zu organisieren - sie wurde im Mai suspendiert, Temer ist seither interimsweise im Amt.

Pfeifkonzert bei Temers Rede
Um 23.27 Uhr Ortszeit (4:27 MESZ) erklärte Interimspräsident Michel Temer die Sommerspiele für eröffnet. Es sind die ersten der Geschichte in Südamerika. Übertönt wurden die traditionellen Worte von einem lautstarken Pfeifkonzert. Für diesen Teil der Zeremonie hatte sich der Auftritt Temers allerdings nicht mehr vermeiden lassen. Rasch wurde laute Musik eingespielt. Am Beginn des Abends war hingegen nur Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, begrüßt worden, weil Pfiffe gegen Temer vermutet wurden und man das zu früher Stunde noch vermeiden wollte.

Das Olympische Feuer brachte der ehemalige Tennis-Star Gustavo Kuerten ins Stadion, die Flamme wurde vom ehemaligen brasilianischen Leichtathleten Vanderlei Cordeiro de Lima entzündet.

"Alle Brasilianer können heute sehr stolz sein. ... Wir haben immer an euch geglaubt", sagte Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees bei seiner Ansprache, bezugnehmend auf die schwierigen Zeiten, die Brasilien durchmacht. Von den Athleten forderte er Respekt gegenüber anderen und hieß ausdrücklich das Flüchtlingsteam des IOC willkommen. "Ihr sendet eine Botschaft der Hoffnung aus."

Carlos Arthur Nuzman, Chef des Organisationskomitees, meinte: "Der Olympische Traum ist nun eine wunderbare Realität." Man empfange die Welt mit offen Armen, er sei der stolzeste Mann der Welt.

Die Eröffnungsfeier war vielseitig. Anfangs brandeten mächtige Wellen durch das Stadion. Pflanzen wuchsen, Tiere krabbelten herum. Man erfuhr vom Leben der indigenen Völkern, die die Amazonasgebiete bewohnten, ehe von überall auf der Welt die Einwanderer kamen und das Farbenspiel blasser wurde. Um die Stimmung wieder anzuheizen, wurde Topmodell Gisele Bündchen einmal über den aktuell größten Laufsteg der Welt geschickt - quer durch das Maracana zu Bossa-Nova-Klängen als "Girl from Ipanema".

Bei heißen Sambaklängen und Favela-Kultur wurde die Stimmung immer ausgelassener. Es tanzten nicht nur die Künstler in ihren farbenprächtigen Kostümen in der Stadionmitte, sondern auch die Zuschauer auf den Rängen. Die anschließend gezeigten Auswirkungen des Klimawandels standen im krassen Gegensatz dazu, doch erschloss sich der Sinn bald. Der Einmarsch der Nationen begann und jeder Athlet erhielt ein Pflänzchen. Für jede Delegation gab es eine eigene Sorte. Daraus soll der Athleten-Wald in Deodoro entstehen: Die Athleten als Pflanzer dieser Erde.

Österreich war als 16. Nation an der Reihe, 41 Athleten hatten sich angemeldet, darunter das komplette, achtköpfige Segelteam sowie die sechs Tischtennisspieler, vier Judoka, Golfer Bernd Wiesberger und Dressurreiterin Victoria Max-Theurer. Sportschützin Olivia Hofmann, die Beachvolleyballer Alexander Huber/Robin Seidl und Tischtennisspielerin Sofia Polcanova absolvierten die mehrstündige Zeremonie am Vorabend ihrer ersten Wettkampfeinsätze.

Fünfte Teilnahme für Liu Jia
"Die Eröffnungsfeier mitzuerleben, ist etwas ganz Besonderes", sagte Judoka Kathrin Unterwurzacher, wie alle in kurzer Lederhose, Jeanstrachtenjacke und Sportschuhe gekleidet. "Hoffentlich geht kein Wind", machte sich deren Kollegen Daniel Allerstorfer umsonst Sorgen um die zierliche Fahnenträgerin Liu Jia. Das Tischtennis-Leichtgewicht bestreitet die fünften Olympischen Spiele. "Ich habe schon als Kind immer die Eröffnungsfeier angesehen und mir gedacht, da will ich auch einmal dabei sein", erfüllte sich in Rio der Traum von Seglerin Tanja Frank.

207 Abordnungen marschierten bei angenehmen Temperaturen im brasilianischen Winter ein. Darunter auch Russland, das nach den Staatsdoping-Skandalen mit mindestens 274 Athleten in Rio antreten wird, eine kleine Mannschaft der Unabhängigen sowie bei tosendem Applaus das Team der Flüchtlinge unter Flagge des Internationalen Olympischen Komitees. Überboten wurde der Applaus für die Flüchtlinge nur von der Lärmkulisse beim Auftritt von Brasilien, das Gastgeberland zog traditionell am Schluss ein.

Nur rund 40 Staats- und Regierungschefs waren unter den Ehrengästen, darunter Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande, Argentiniens Präsident Mauricio Macri und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Die USA wurden durch Außenminister John Kerry vertreten. Österreich war von Regierungsseite nicht vertreten.

Proteste vor Eröffnungsfeier
Am Freitag gab es in Copacabana erneut Proteste gegen Temer, Rousseff bezeichnet ihn als "Verräter und Usurpator". Nur rund 35 Staats- und Regierungschefs waren im Stadion, aus Südamerika bei den ersten Spielen auf dem Kontinent nur noch Argentiniens Präsident Mauricio Macri und Paraguays Regierungschef Horacio Cartes. Mehrere linksgerichtete Regierungen in Südamerika hatten das Amtsenthebungsverfahren gegen Rousseff scharf kritisiert.

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